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Krise mit guten Grundlagen
07.07.2009

Krise mit guten Grundlagen

von Wladimir Struminski/GTaI / Foto: Miriam Alster/dpa-PA

Israels Volkswirte hatten zu Anfang des Jahres noch mit einem Nullwachstum gerechnet, mussten dann in den folgenden Monaten jedoch konstatieren, dass die krisenbedingte Talsohle noch nicht erreicht sei. Frühjahrsprognosen gehen nun von einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung aus.

Unternehmen reagieren auf die Krise mit drastischen Einschnitten bei der Beschaffung von Rohstoffen wie Investitionsgütern. Die Regierung versucht, die Folgen der Krise abzumildern. Auf der positiven Seite ist jedoch zu vermerken, dass die Wirtschaft die Talsohle in robuster Verfassung betrat und die Gefahr von Banken- und Firmenzusammenbrüchen als niedrig eingestuft wird. Die Staatsverschuldung wird zwar wachsen, erreicht aber keine bedrohlichen Ausmaße. Die relativ gute Ausgangslage ist vor allem einer vorangegangenen, lang anhaltenden Wachstumsphase und guter Haushaltsdisziplin der letzten Jahre zu verdanken.

Bruttoinlandsprodukt auf Durststrecke

In Relation zu vielen anderen Ländern, geht es der israelischen Wirtschaft noch leidlich gut. Die Zentralbank prognostiziert für das Jahr einen Rückgang des BIP um 1,5 Prozent. Allerdings ist zu bedenken, dass die Bevölkerung schnell wächst und das als Gradmesser des Lebensstandards relevante BIP je Einwohner um 3,2 Prozent einbricht.

Damit erlebt Israel das schwächste Wirtschaftsjahr seiner einundsechzigjährigen Geschichte. Wegen der hohen außenwirtschaftlichen Abhängigkeit vermögen binnenwirtschaftliche Konjunkturmaßnahmen die Umsatzeinbußen auf dem Weltmarkt nicht aufzuwiegen. Zudem kann die Regierung mit der beschlossenen Beschleunigung großer Infrastrukturprojekte nicht aus dem Stand für einen Nachfragesog sorgen.

Die staatlichen Maßnahmen konzentrieren sich darauf, Unternehmen durch verbesserte Kreditgewährung das Überwinden der Durststrecke zu erleichtern und das Fundament für eine anschließende Konjunkturwende zu legen. Im Jahre 2010 soll die Wirtschaft um 1,0 Prozent wachsen und ab 2011 zu einem Expansionspfad von rund 4 Prozent pro Jahr finden.

Spät einsetzende Investitionswirkungen

Die Krise dämpft die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft. Bereits im Jahre 2008 ließ die Investitionsdynamik nach, auch wenn bei den Bruttoanlageinvestitionen noch ein Plus von real 3,8 Prozent verzeichnet werden konnte. Für das Jahr 2009 wird eine Schrumpfung der Bruttoanlageinvestitionen um 7,0 Prozent prognostiziert. Auch die für 2010 erwartete Erholung der Wirtschaftstätigkeit wird kaum zu einem sofortigen Investitionsboom führen. Die Zentralbank erwartet, dass die Investitionen 2010 erst einmal weiter schrumpfen.

Angesichts schmaler Auftragsbücher konzentriert sich die Industrie weitgehend auf Rationalisierungsinvestitionen, die ihr Vorteile im Kampf um Marktanteile bringen können.

Im Jahre 2008 lagen die in Maschinen und Ausrüstungen getätigten Investitionen bei umgerechnet 12,2 Milliarden US-Dollar. Hiervon entfielen 49,6 Prozent auf die Industrie, 25,4 Prozent auf Handel und Dienstleistungen, 12,2 Prozent auf Verkehr, Logistik und Fernmeldewesen und 5,6 Prozent auf Wasser und Strom, gefolgt vom Baugewerbe mit 4,8 Prozent und der Landwirtschaft mit 2,4 Prozent. Der Markt wird von ausländischen Anbietern beherrscht. Der Anteil importierter Fabrikate an den von der Wirtschaft getätigten Maschinen- und Ausrüstungsinvestitionen erreichte 2008 einen Rekordwert von 72,4 Prozent.

Der Beschluss der Regierung, Infrastrukturprojekte beschleunigt anzuschieben, dürfte sich im Jahre 2009 nicht spürbar auf das Investitionsvolumen auswirken. Einen deutlichen Effekt dürfte die Entscheidung erst nach Abschluss der Planungs- und Genehmigungsphase der einzelnen Projekte entwickeln. Das gilt auch für Vorhaben, die unabhängig vom neuen Plan beschlossen wurden, darunter verstärkte Meerwasserentsalzung oder der Ausbau der Elektrizitätserzeugung. Ab 2010 dürften sich die Projekte auch geschäftswirksam auswirken.

Bei Direktinvestitionen ausländischer Kapitalgeber wird für das Jahr 2009 ein Rückgang erwartet. Allerdings lassen die Zahlen für das erste Quartal keine rückläufige Entwicklung erkennen. Die Entwicklung im späteren Jahresverlauf bleibt abzuwarten. Für ausländische Unternehmen können sich günstige Möglichkeiten des Technologiezukaufs ergeben.

Gelassene Konsumenten

Während die gewerbliche Wirtschaft auf die eingetrübte Wirtschaftslage mit harten Beschaffungskürzungen reagiert hat, geben sich die Verbraucher gelassener. Im ersten Quartal 2009 lagen die Konsumausgaben der Haushalte um 2,2 Prozent unter dem in der Vergleichsperiode des Vorjahres verzeichneten Niveau. Für das Gesamtjahr wird mit einem Rückgang des Privatverbrauchs um rund 1 Prozent gerechnet.

Eine Analyse der Verbrauchsstatistik für das erste Quartal 2009 zeigt, dass der Kosumrückgang vor allem größere Anschaffungen betrifft, die nicht für den laufenden Bedarf benötigt werden. So lagen die Ausgaben der israelischen Haushalte für Beförderungsmittel in den ersten drei Monaten 2009 um 40,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau, während das Ausgabenminus bei Möbeln sowie bei Bekleidung und Schuhen 12,8 Prozent beziehungsweise 13,4 Prozent betrug. Der Erwerb von Haushaltszubehör gab um 6,7 Prozent nach. Dem gegenüber nahmen die Ausgaben für Nahrungsmittel um 2,4 Prozent zu. Der mit einem Fünftel relativ hohe Anteil der Nahrungsmittelausgaben am Privatverbrauch konnte damit den Gesamtrückgang zum Teil abfedern.

Ausländische Anbieter von Gütern des gehobenen Bedarfs müssen daher etwas Geduld aufbringen, bis sich der Markt erholt und zu den gewohnten Wachstumsraten zurückgekehrt ist. Grundsätzlich gilt aber, dass die Israelis ihre Ausgaben für hochqualitative Markenwaren und größere Anschaffungen in wirtschaftlich guten Zeiten überdurchschnittlich schnell steigern. Das Markenbewusstsein der Verbraucher ist stark ausgeprägt und stärkt die Nachfrage nach hochwertigen, international bekannten Produkten.

Der Einzelhandelsumsatz nahm im Jahre 2008 in Gesamtergebnis um 1,1 Prozent zu, doch war in den letzten Monaten des Jahres eine spürbare Schrumpfung der Verkaufszahlen zu verzeichnen. Anfang 2009 setzte sich die Abwärtsentwicklung fort.

Schwächelnder Außenhandel

Der Außenhandel ist der entscheidende Faktor der israelischen Wirtschaftsentwicklung. Während der fünfjährigen Boomphase von Mitte 2003 bis Mitte 2008 schnellten Einfuhr wie Ausfuhr in die Höhe und verzeichneten schnellere Wachstumsraten als die Gesamtwirtschaftsleistung. Die Krise hat diesen Trend ins Gegenteil verkehrt. Im Jahr 2009 dürften die Exporte ebenso wie die Importe mit einem prognostizierten Minus von real rund 7 beziehungsweise 6 Prozent überproportional abnehmen.

In realen Binnenpreisen nahmen die Warenimporte im Jahre 2008 um 2,2 Prozent zu. Unter Herausrechnen der durch starke Schwankungen gekennzeichneten Diamantenimporte lag die Importzunahme bei 7,0 Prozent. Dagegen brach die Einfuhr im ersten Quartal 2009 in Binnenpreisen um 25,7 Prozent ein. Zum Teil lag dies am Einbruch der Diamantenimporte und am Rückgang der Treibstoffpreise. Allerdings gingen die Importe auch unter Herausrechnen der Diamanten- und Treibstoffeinfuhren in Binnenpreisen um 18,0 Prozent zurück. Damit wurde eine schwache Vorgabe für den weiteren Jahresverlauf geschaffen.

Auch bei der Ausfuhr lief das Jahr 2009 schlecht an. In laufenden Dollarpreisen lagen die im ersten Quartal getätigten Exporte um 35,0 Prozent unter dem Niveau der Vorjahresperiode. Das schwache Exportgeschäft ist eine der Hauptursachen für die gedämpfte Nachfrage der gewerblichen Wirtschaft nach Investitionsgütern, Produktionsgütern und Rohstoffen.zenithonline

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