
Wenig Optimismus
Die jüngste Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom April 2009 sieht für das Gesamtjahr 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung der Türkei um 5,1 Prozent voraus, ein deutlich pessimistischerer Wert als die noch zum Jahresbeginn vorhergesagten minus 1,5 Prozent. Auch die türkische Regierung hat ihre Einschätzung revidiert und rechnet nun mit einer Abnahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,6 Prozent. Für 2010 prognostiziert der IWF eine Trendwende und ein verhaltenes Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.
In den ersten drei Monaten 2009 hat sich der Rückgang der Wirtschaftsleistung der Türkei im Jahresvergleich gegenüber dem letzten Quartal 2008, als eine Verringerung des BIP um 6,2 Prozent zu verzeichnen war, weiter verschärft. Vorläufige Schätzungen gehen von einem Minus von rund 10 Prozent aus. Wirtschaftsvertreter wie der Vorsitzende der Industriekammer Ankara, Nurettin Özdebir, halten einen BIP-Rückgang von nur 3,6 Prozent daher für optimistisch. Die zweite Jahreshälfte müsste äußerst gut verlaufen, um diesen Wert zu erreichen. Der IWF hat entsprechend seine Prognose auf minus 5,1 Prozent gesenkt.
Die vom türkischen Statistikamt TÜIK ermittelten Indexwerte deuten darauf hin, dass die Talsohle in den ersten Monaten 2009 tatsächlich erreicht ist und von dort eine langsame Erholung der Wirtschaft beginnen kann. So ist der Auslastungsgrad im produzierenden Gewerbe von gleich bleibenden 63,8 Prozent im Januar und Februar (2008: 80,3 Prozent beziehungsweise 79,3 Prozent) im März 2009 leicht auf 64,7 Prozent gestiegen. Entsprechend hat sich auch der Index der Umsätze in der Industrie bereits im Februar gegenüber dem Vormonat geringfügig um 0,6 Prozent erhöht, lag damit aber um 15,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.
Inflationsrate wieder einstellig
Ein dunkleres Bild liefert der Index der Bestellungen. Diese lagen dem Index zufolge im Februar 2009 um 20,2 Prozent geringer als im Vorjahr und nochmals 3,1 Prozent niedriger als im Januar 2009. In diese Werte noch nicht eingegangen sind die ab März spürbaren Auswirkungen der zur Belebung der Konjunktur beschlossenen Steuersenkungen bei Autos, Computern, Elektrogeräten, Unterhaltungselektronik, Möbeln und einigen Maschinentypen. Diese haben zu einem zum Teil deutlichen Anstieg der Bestellungen geführt. Der Index des Konsumentenvertrauens, der seinen Tiefpunkt von 68,88 bereits im November 2008 erreicht hatte und seitdem langsam gestiegen ist, lag im März 2009 mit 74,77 wiederum um 1,04 Prozent höher als im Vormonat.
Die Inflationsrate ist unterdessen in den ersten Monaten 2009 wieder in den einstelligen Bereich gesunken. Nach einer Geldentwertung von 10,4 Prozent im Jahr 2008 lagen die Monatswerte im Januar 2009 bei 9,5 Prozent, in Februar bei 7,7 Prozent und im März bei 7,9 Prozent. Für das gesamte Jahr geht der IWF nun von 6,9 Prozent aus, die türkische Regierung hat 7,5 Prozent angesetzt. Angesichts dieser Entwicklung hat die Türkische Zentralbank ihren Leitzins parallel zum Vorgehen in anderen Wirtschaftsräumen in mehreren Schritten deutlich gesenkt. Die letzte Senkung erfolgte am 16. April um 75 Basispunkte auf nunmehr 9,75 Prozent. Aufgrund der weiterhin bestehenden Finanzierungslücke im Außenhandel bleibt die Türkei auf den Zufluss ausländischen Kapitals angewiesen und muss daher bei Zinssenkungen äußerst vorsichtig agieren.


