
Notstand in Kostbarkeiten
Auch das ist ein Gesicht der Krise. Die Angst vieler Investoren vor Inflation und platzenden Krediten lässt sie momentan hauptsächlich eines tun: Sie horten Gold. Das Edelmetall gilt als zuverlässiger Gegenspieler der amerikanischen Leitwährung und wird immer in Anspruch genommen, wenn die vorhandene Geldmenge zu groß erscheint. So stieg der Preis am 26. November 2009 bis auf den Rekordwert von 1183 US-Dollar pro Unze – vor einem Jahr lag er noch bei rund 800 US-Dollar und vor Ausbruch der Krise schwankte der Wert um 600 US-Dollar. Gold ist einerseits ein Handelsgut im internationalen Finanzwesen, andererseits leben ganze Berufsgruppen von der Verarbeitung des Rohstoffes.
Bereits im dritten Jahrtausend vor Christus begannen ägyptische Schmiede mit der Bearbeitung von Goldblech, Funde aus Persien reichen zurück bis ins fünfte vorchristliche Jahrhundert. Auch in der Neuzeit konnte sich im Nahen und Mittleren Osten eine reiche Goldschmiedetradition entwickeln. Schmuck wurde ein Luxusgut, welches jedoch einen festen Platz in den arabischen Gesellschaften einnimmt. Selbst für einkommensschwache Familien ist der Kauf von aufwendig gestaltetem Geschmeide eine Selbstverständlichkeit. Besonders zu den großen Festen des islamischen Kalenders, dem Opferfest und dem Fastenbrechen, können die Händler große Summen umsetzen. Doch die Bereitschaft der Kunden, die durch die Wirtschaftkrise gestiegenen Preise zu bezahlen, sinkt.
Umsätze brechen ein
Die libanesische Tageszeitung Daily Star berichtete von Umsatzeinbrüchen in Höhe von 50 Prozent allein in der Hauptstadt Beirut, die mit ihrer finanzstarken Mittelschicht zu einer der Zentren des Juwelenhandels zählt. »Auch Werbung hilft uns nur wenig, weil die Preise so angezogen haben«, berichtet der Beiruter Ladenbesitzer Yasser Younes dem Daily Star. Die Menschen kämen nur noch zum Anschauen und nicht mehr zum Kaufen, sagt Nada Zaghal von der renommierten Juwelier-Kette Chaar & Co.
Im schillernden Abu Dhabi, welches auf viele internationale Kunden zurückgreifen kann, ist die Entwicklung identisch. Die emiratische Zeitung The National berichtet von verwaisten Einkaufspassagen im bekannten Madinat Zayed Gold Souq. Manche Kunden versuchen sogar von den hohen Preisen zu profitieren, indem sie ihren alten Schmuck verkaufen. Der Branchenverband World Gold Council veröffentlichte im November eine Studie, wonach in den gesamten VAE Goldhändler zur Geschäftsaufgabe gezwungen seien, sollte Gold weiter auf diesem Preisniveau gehandelt werden. Der Bericht belege einen Umsatzrückgang von 38 Prozent im dritten Quartal 2009 verglichen mit dem Vorjahr, berichtet das Wirtschaftsportal arabianbusiness.com.
Als Ausweg aus ihrer Lage sehen viele Händler keine andere Lösung als abzuwarten. In den letzten Wochen waren sie gezwungen, Schmuck oft sogar unter Marktwert zu verkaufen, um überhaupt Geschäfte abschließen zu können. Die Kunden »müssen sich an die neuen Preise gewöhnen«, zitiert der Daily Star einen libanesischen Händler. Von großem Optimismus sind auch Stimmen aus anderen Staaten nicht geprägt: Die Kunden würden noch weiter steigende Preise befürchten, weshalb sein Verkauf langsam wieder ansteige, äußert sich Tushar Patni, ein indischer Verkäufer mit einer Filiale in Abu Dhabi The National gegenüber. Das Opferfest am 27. November hat das Geschäft kurzfristig angekurbelt, doch jetzt müssen die Händler wieder auf fallende Preise hoffen.![]()


