
Kein Sand in Sicht
Wenn es auf der Arabischen Halbinsel etwas am Überfluss gibt, dann Öl und Sand. Berichte über die zukünftige Erschöpfung der Ölreserven sind nun nichts Neues. Dass jetzt aber ausgerechnet Sand zur Mangelware am Arabischen Golf wird, mutet doch recht merkwürdig an und entspricht sogar nicht der gängigen Vorstellung.
Den akutesten Engpass erlebt zurzeit der kleinste der Golfstaaten, Bahrain. Dessen Ölreserven sollen bis 2015 erschöpft sein, noch knapper aber wird der Sand. Grund ist ein Beschluss des saudischen Königs Abdullah höchstpersönlich, der Anfang November ein Exportverbot für Sand ab Ende des Monats ankündigte. Denn so ungewöhnlich es klingen mag, nicht nur im kleinen Inselstaat Bahrain, auch beim großen Nachbar kündigt sich eine Sandkrise an.
Sand ist der wichtigste Rohstoff für die Baubranche. Der Boom der letzten Jahre ließ den Bedarf an Sand in die Höhe schießen. Allerdings, und hier liegt das Problem, gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede, oder einfach gesagt: Viel Wüste bedeutet nicht viel guter Sand. Entscheidend ist der Anteil an Siliziumkristallen. Ist der nicht hoch genug, muss der Rohstoff in aufwendigen Verfahren verfeinert werden.
Teure Verarbeitung und hohe Binnennachfrage
In Bahrain wiegt das Problem doppelt schwer, denn hier gibt es vergleichsweise wenig Sand und der ist auch nicht besonders hochwertig. Seit Jahren versucht Bahrain deshalb dem umliegenden Meer Land, und damit auch Sand abzuringen. Allerdings verursachen die Anlagen zur Gewinnung und Verfeinerung des kostbaren Gutes erhebliche Mehrkosten. Außerdem richten sie irreparablen Schaden am lokalen Ökosystem an und gefährden so auch das touristische Potenzial des Landes. Aus diesem Grund ist Bahrain, wohl mehr als andere Golfstaaten auf den Import von Sand angewiesen.
In Saudi-Arabien hingegen gibt es eigentlich genügend hochwertigen Sand. Das größte Hindernis hier ist in erster Linie die Entfernung zu den schwer zugänglichen Wüstenregionen. Dabei hat sich seit 2003 einiges getan. Damals erlebte Saudi-Arabien seine erste große Sandkrise und erließ ebenfalls ein kurzfristiges Exportverbot. Gleichzeitig begann man, die Sandvorkommen in der Ostprovinz systematisch zu erschließen und auszunutzen. Dass man nun mit ähnlichen Engpässen wie 2003 zu kämpfen hat, liegt nicht zuletzt an der hohen Binnennachfrage. Der Sand aus der Ostprovinz soll denn auch in erster Linie den nahen Boomstädten Dhamman und Khobar am Golf zu gute kommen. Doch auch in Dhammam wird der Sand knapp. Das liegt zwar vor allem an der regen Bautätigkeit, zunehmende Fälle von Sandpiraterie aber leeren die Bestände in nicht unerheblichem Maße. Das größte Sandreservoir Saudi-Arabiens, das so genannte »leere Viertel«, bleibt indes weitgehend unerschlossen. Bisher konnte kein funktionierendes und vor allem kostendeckendes Transportsystem für diese entlegene Region etabliert werden.
Suche nach Alternativen
Um zukünftigen Sandkrisen, die den Boom der Baubranche begleiten, vorzubeugen, wird Saudi-Arabien gezielt in die Erschließung des »leeren Viertels« investieren und tragfähige Logistikkonzepte entwickeln müssen. Länder, die wie Bahrain auf den saudischen Sand angewiesen sind, werden wiederum ihre Sandquellen diversifizieren müssen. Deshalb lenkt der Inselstaat zurzeit seine Aufmerksamkeit in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Allerdings ist dort die Binnennachfrage nach Sand nicht weniger akut, als in Saudi-Arabien. Eine Alternative könnte dafür der Irak bieten, dessen Sandvorkommen bisher fast gänzlich unerschlossen blieben.
Kurzfristig jedoch löste das angekündigte Exportverbot mit Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent und Hortungskäufe die erwarteten Reaktionen aus.




