
Vertrauen verspielt
In diesen Tagen feiern Muslime in aller Welt das Opferfest, den Höhepunkt der Hadsch. Doch eine Hiobsbotschaft aus Dubai überschattet die Festlichkeiten: Die prestigereiche Immobilienfirma Nakheel steht vor dem Aus und führt das Emirat an den Rand des Staatsbankrott. Die Regierung legte die Meldung über den geplatzten Termin für die Ratentilgung für Nakheel auf den Vorabend des islamischen Opferfestes, an den sich zusätzlich noch der Nationalfeiertag anschließt, um die Gemüter zu beruhigen und panische Transaktionen zu verhindern - schließlich ruht in dieser Zeit die Geschäftstätigkeit.
Auf diese Weise lässt die Führung des Emirats Gläubiger und Analysten auf ihren Fragen sitzen und beschädigt das ohnehin schon fast aufgebrauchte Vertrauen noch zusätzlich. Die wohl drängendste Frage nach dem wahren Ausmaß der Krise bleibt so zunächst unbeantwortet und bietet Raum für Spekulationen.
Dass Dubai, und besonders das staatseigene Investment-Konglomerat Dubai World in finanziellen Schwierigkeiten stecken, war schon seit längerem bekannt. Dennoch hielt sich bis zuletzt die Hoffnung, dass die Regierung den im Juli 2009 aufgenommenen Schuldendienst stützen und den ersten Termin zur Schuldentilgung am 14. Dezember 2009 einhalten würde.
Die Krise begann auf dem Reißbrett
Der eigens dafür eingerichtete »Dubai Financial Support Fund« (DFSF) bat nun in einer Presseerklärung Anleger und Gläubiger, die Rate von 3,5 Milliarden US-Dollar bis zum 30. Mai 2010 auszusetzen. Zudem wurde verkündet, die Wirtschaftsprüfer von Deloitte mit der Umstrukturierung von Dubai World zu beauftragen. Fast im selben Atemzug betonte man allerdings, die 5 Milliarden US-Dollar, die das Emirat Abu Dhabi vor wenigen Tagen in Aussicht gestellt hatte, nicht für die Sanierung der Dubai World-Tochter Nakheel zu verwenden.
Dubais momentane Krise lässt sich sowohl auf die Nachwirkungen der globalen Wirtschaftskrise 2008, als auch auf das gescheiterte Krisenmanagement 2009 zurückführen. In beiden Fällen nehmen Dubai World und seine Immobiliensparte Nakheel eine Schlüsselrolle ein. Weltweite Bekanntheit erlangte Nakheel durch gewaltige Bauprojekte, allen voran den künstlich aufgeschütteten Inseln vor Dubais Küste.
Der vermeintliche Erfolg des Pilotprojekts »Palm Dschumeira« setzte einen gefährlichen Präzedenzfall. Zum Einen wurden Immobilien immer weiter verkauft, um hohe Gewinnmargen zu erzielen, zum Anderen weitere analoge Megaprojekte in Angriff genommen, wie etwa »Jebel Ali Resort« und »The World«. Nakheel fand schnell vermeintliche Käufer und vermietete ganze Komplexe, die oft erst in der Planungsphase waren, vom Reißbrett weg.
Staatsanleihen für den Schuldendienst
Das alles geschah, ohne die tatsächliche Nachfrage abzuschätzen, Konstruktionsprobleme und Mehrkosten durch Verzögerungen einzuplanen. So bildete sich schnell eine Spekulationsblase, die von hohen Gewinnmargen aus dem Kauf und Wiederverkauf von Immobilienprojekten angetrieben wurde. Der wirkliche Bedarf an Wohn- und Arbeitsfläche wurde hingegen kaum taxiert. Dass am Ende der Kette irgendjemand gefunden werden musste, der auch tatsächlich Miete bezahlt, scheint niemand konsequent zu Ende gedacht zu haben. Über eine weitere Fehlkalkulation berichtete zenith vor zwei Jahren: »Bis 2008 werden 208.000 neue Wohneinheiten auf den Markt kommen, davon sind knapp 200.000 eher Luxus-Domizile. Wer soll in den vornehmen Appartements und Stadtpalästen absteigen?«
Das Schneeballsystem in die Höhe schnellender Immobilienpreise wäre wahrscheinlich früher oder später ohnehin kollabiert, schließlich lagen gerade im Luxussegment die Bauplanungen immer weit über den wirklichen Absatzmöglichkeiten. Die globale Finanzkrise beschleunigte diese Entwicklung lediglich. Die Nachfrage nach den überteuerten Immobilien brach abrupt ein, die optimistisch vor der Krise geplanten Einnahmen waren aber schon für die Finanzierung der neuen Megaprojekte eingeplant gewesen. Gleichzeitig fehlten die Renditen aus den Mieteinnahmen, die das hätten abfedern können. Folgerichtig wurden viele dieser Großprojekte vorläufig auf Eis gelegt und ein Krisenmanagement eingesetzt. Der DFSF übernahm die Leitung des Schuldendienstes an die vielen Vertragspartner, die Nakheel angeheuert, aber nie ausbezahlt hatte.


