
Israels Finanzen unter Druck
Angesichts gesunkener Umsatzzahlen stellt die Sicherstellung ihrer Liquidität für viele israelische Firmen ein wichtiges Ziel dar. Eine Welle von Firmenschließungen ist zwar nicht zu beklagen, doch nahm die Zahl der Konkurse in der ersten Hälfte des Jahres 2009 um 19 Prozent zu. Viele israelische Exporteure berichten, von ausländischen Kunden zu einer Verlängerung der Zahlungsziele gedrängt zu werden. Die Zahlungskonditionen haben sich angesichts der schwierigen Marktsituation zu einem wichtigen Wettbewerbsinstrument entwickelt. Exporteure sehen sich gezwungen, den Kundenwünschen entgegenzukommen, wenngleich das eine weitere Belastung der eigenen Liquidität nach sich zieht.
Umgekehrt aber sehen sich israelische Importeure oft Forderungen ihrer ausländischen Lieferanten nach kürzeren Zahlungsfristen gegenüber. Indessen, so die Vereinigung der israelischen Handelskammern, bleibt die Zahlungsmoral der Importwirtschaft gut. Etablierte Geschäftsbeziehungen zwischen Importeuren und ihren ausländischen Partnern haben nicht in nennenswertem Umfang gelitten.
Der Staat hat eine Reihe von Maßnahmen zur Steigerung der Kreditgewährung und der Unternehmensliquidität ergriffen. Die Fondsmittel kommen Großunternehmen ebenso wie kleineren und mittelgroßen Firmen zugute. Der größte der drei Fonds weist einen Finanzrahmen von 2 Milliarden Neue Schekel (NIS; rund 520 Millionen US-Dollar) auf. Darüber hinaus gewährte die Regierung den Banken in einem ersten Schritt Kreditbürgschaften für Unternehmenskredite in einem Umfang von 6 Milliarden NIS (knapp 1,6 Milliarden US-Dollar). Im April 2009 wurde der Bürgschaftsrahmen auf 12 Milliarden NIS (3,2 Milliarden US-Dollar) erhöht, Gleichzeitig wurde die im Rahmen der Bürgschaften erfolgende Kreditgewährung erleichtert. Die Regierung greift auch Exporteuren gezielt unter die Arme.
Zinsen auf historischem Tiefststand
Ihrerseits führte Israels Zentralbank eine Reihe von Zinssenkungen durch. Seit April 2009 liegen die Zentralbankzinsen auf dem für Israel historischen Tiefststand von 0,5 Prozent. Die Bank von Israel hat angedeutet, auch in den kommenden Monaten eine Niedrigzinspolitik verfolgen zu wollen. Gleichzeitig hat sie in großem Umfang Staatsobligationen auf dem Sekundärmarkt erworben, um die Zinsen für mittel- und langfristige Kredite zu senken. Im ersten Quartal 2009 kam es zu einer Wiederbelebung des Ende 2008 nahezu vollständig zum Erliegen gekommenen Marktes für Nichtbankenkredite. Wie die Zentralbank im Juli erklärte, sind die Kreditkosten infolge der Hilfsmaßnahmen zurückgegangen. Gleichzeitig habe eine Frühjahrsbefragung israelischer Unternehmen ergeben, dass die Kreditbeschaffung wieder etwas einfacher geworden sei.
Das Geschäftsrisiko hat sich nach Ausbruch der Krise in der zweiten Jahreshälfte 2008 erhöht, doch ging der Risikoindex zur Jahresmitte wieder zurück. Im Juli 2009 hatten nach Erhebungen der Kredit- und Wirtschaftsinformationsfirma BdiCoface 23,4 Prozent der israelischen Firmen mit schwerwiegenden Problemen, wie negativem Cash-Flow, begrenzter Verfügungsgewalt über Bankkonten, ungedeckten Schecks oder Umsatzeinbußen zu kämpfen.
Indessen bleiben die Risikoindizes noch immer deutlich höher als vor der Krise. Auch sonst bleiben viele Probleme ungelöst. Eine Reihe von Großunternehmen, vor allem im Immobilienbereich, musste Vermögenswerte verkaufen oder umschulden. Zum Teil lag dies an widrigen Umständen auf Auslandsmärkten. Allerdings sind nicht nur Großunternehmen betroffen. Im Mai 2009 berichtete die israelische Industriellenvereinigung, 70 Prozent kleiner und mittelgroßer Industrieunternehmen litten unter Kreditknappheit.
Nach Ermittlungen von BdiCoface wurden im binnenwirtschaftlichen Zahlungsverkehr die Zahlungsziele im Juni 2009 um durchschnittlich zwölf Tage überschritten - vier Tage mehr als im April. Die vertraglich vereinbarten Zahlungsfristen haben sich in der gleichen Zeitspanne von 88 Tagen auf 91 Tage verlängert, so dass der tatsächliche Zahlungseingang im Durchschnitt 113 Tage auf sich warten ließ - sieben Tage mehr als im April.
Mehr Bonitätsauskünfte
Daher sollten Lieferanten die aktuelle Bonitätslage ihrer Kunden laufend prüfen, und viele tun das auch. Nach Auskunft der Wirtschaftsinformationsfirma Dun and Bradstreet Israel nahm die Zahl der Auskünfte über die Bonität israelischer Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 2009 gegenüber der Vorjahresperiode um 54 Prozent zu. Die Zahl der Bonitätsauskünfte über Einzelpersonen erhöhte sich um 25 Prozent.
Dass die Krise nicht noch weitere Kreise schlägt, liegt nicht zuletzt an der relativ hohen Stabilität des israelischen Bankenwesens. Mit Zusammenbrüchen wird nicht gerechnet, da die Lehren aus der bereits 26 Jahre zurückliegenden Bankenkrise gezogen wurden. Damals brachen die großen Banken zusammen und mussten für längere Zeit vom Staat übernommen werden. Die staatlichen Vorschriften zur Stabilitätssicherung des Finanzmarktes wurden verschärft und streng überwacht. Damit war Israel für die jetzige Finanzkrise besser als andere Länder gewappnet.
Nach Expertenansicht wird die weitere Entwicklung der Zahlungsmoral und des Geschäftsrisikos wesentlich vom Zeitpunkt und Tempo der weltwirtschaftlichen Erholung abhängen. Je schneller diese stattfindet und je kräftiger sie ausfällt, umso schneller können viele israelische Firmen ihre Schwierigkeiten überwinden. Umgekehrt könnte eine länger anhaltende Krise weitere Unternehmen in Gefahr bringen.![]()


