
Bahrains Bauindustrie optimistisch
Bahrains Bauindustrie hat gute Chancen, die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise relativ unbeschadet zu überstehen. Zwar hat die internationale Rating-Agentur Moody's Bahrain im Januar 2009 auf "negativ" heruntergestuft und dem Königreich damit ein erhöhtes Länderrisiko bescheinigt, die Industrie sieht sich aber dennoch besser aufgestellt als in manchem Nachbarland. So wurde mehr für eine reale Nachfrage als für Spekulanten gebaut. Selbst wenn der Markt erst einmal auf die Bremse tritt, der Umfang der aktiven Bauvorhaben bleibt beachtlich.
Die erste Jahreshälfte 2008 stand in Bahrain bis weit in den heißen Sommer hinein noch im Zeichen einer großen Hektik: Eine in die Höhe schießende lokale Nachfrage nach Bauleistung, überaus flüssige Banken und liberalisierte Eigentumsrechte für Ausländer trieben einen Immobilienboom in ungeahnte Höhen. Die Phantasie privater Investoren schien keine Grenzen mehr zu kennen: Pläne für Mega-Projekte der Spitzenklasse schossen wie Pilze aus dem Boden. Gleichzeitig aber sorgten eine Reihe von Arbeitsniederlegungen unter Bauarbeitern für Unruhe und qualifizierte Kräfte wanderten nach Katar und Dubai ab, wo sie auf verdoppelte Gehälter hofften.
Mittlerweile aber ist wieder Ruhe und eine gewisse Normalität eingekehrt, die Hektik einem "Mal-abwarten" gewichen. Potenzielle Käufer von Immobilien halten sich zurück und wollen plötzlich "nichts überstürzen". Aber auch potenzielle Verkäufer sehen kaum einen Grund zu Panikverkäufen und üben sich in Geduld. Anders als in Dubai haben die meisten Käufer in Bahrain Eigentum erworben, weil sie eine Wohnung oder ein Haus wirklich nutzen wollen und nicht weil sie auf einen schnellen Spekulationsgewinn aus waren.
Die Preise in Manama waren auch zu Boom-Zeiten noch einigermaßen realistisch und niemals so aufgebläht wie in Dubai. Das Gros der Projekte ist von islamischen Banken finanziert und damit, so hat es den Anschein, weniger anfällig für die internationale Finanzkrise. So beteiligen sich islamische Banken nach ihrem Selbstverständnis nicht an Spekulationen und "Glücksspielen".
Es werde zwar Marktkorrekturen geben, nicht aber Einbrüche, sagen Marktkenner, was eine weitere gesunde Entwicklung der Bauindustrie begünstige. Viele Projekte, die erste am Anfang stünden, könnten nun von den deutliche reduzierten Baustoffkosten vor allem für Zement und Baustahl profitieren. Auch Baumaschinen, Kräne und andere Hardware sind plötzlich günstig zu haben.
Das Geschäft mit gebrauchter Ware ist auf der ganzen Arabischen Halbinsel so gut wie nie zuvor, berichten spezialisierte Händler. Auch an qualifizierten Arbeitskräften ist plötzlich kein Mangel mehr. Wurden Bewerbungsschreiben zuvor Richtung Dubai geschickt, ist es heute eher umgekehrt. Selbst Bauunternehmer und Zulieferer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zeigten plötzlich Interesse an dem kleinen Nachbarn, heißt es. "Jede Krise bietet auch Chancen," ist ein in Manama häufig zu hörender Ausspruch.
Beobachter gehen davon aus, dass begonnene Projekte fortgesetzt werden. "Wer das Fundament schon gegossen hat, macht weiter," heißt es. Gleichzeitig werden alle Vorhaben aber noch einmal durchkalkuliert und da, wo es möglich ist, gestreckt. "Wer vor einem Jahr noch 100 Villen bauen wollte, begnügt sich nun erst einmal mit 50," sagen Insider. Nicht ein einziges großes Projekt sei bislang storniert worden, berichtet das Fachblatt "Gulf Construction" in seiner Januar-Ausgabe 2009.
Die neuen Zeiten bieten auch die Chance nachzudenken. So wie internationale Banken plötzlich wieder den Kleinkunden zur Kenntnis nehmen, so entdeckt die Baubranche in Bahrain plötzlich den Niedrigverdiener. Statt von luxuriösen Penthouse-Wohnungen ist auf einmal die Rede von einfachen Siedlungen für Arbeiter und Angestellte, ein Marktsegment, mit dem man sich bislang erst gar nicht befassen wollte.
Die Nachfrage in diesem Bereich sei "riesig", sagt Anthony Mallis, Chef der in Bahrain ansässigen Sico Investment Bank. Robert Addison von der Immobiliengesellschaft DTZ sieht aber auch das Luxussegment noch nicht ausgereizt: Die Preise in der Oberklasse erreichten in Bahrain nur einem Bruchteil der in anderen Märkten, z.B. in den VAE.
Auch bei kommerziellen Objekten sieht die DTZ gute Geschäftsaussichten, die Mieten dürften schon kurzfristig wieder steigen, heißt es in einem Bericht. Die großen Bauentwicklungsgesellschaften seien vorsichtiger geworden, berichten Marktkenner, es würden wieder ausführliche Bedarfsanalysen erstellt, um nicht zu schnell zu viel zu bauen und dadurch die Rendite zu gefährden.
Bahrain verfügte bislang "erst" über 18 Shopping-Center mit einer Bruttomietfläche von 280.000 qm (Gross Lettable Area; GLA). Nach Ansicht der Branche ist die Nachfrage damit noch längst nicht gedeckt. In den nächsten fünf Jahren sollen deshalb weitere 370.000 qm GLA gebaut werden. (Zum Vergleich: Dubais größtes Einkaufszentrum, die Dubai Mall verfügt alleine über etwa 350.000 GLA.
Während solche Verkaufsflächen für die etwa 800.000 Einwohner des Landes dennoch recht hoch gegriffen erscheinen, rechnet die Branche fest mit einem guten regionalen Tourismusgeschäft, insbesondere Kunden aus Saudi-Arabien, die mit Vergnügungsmöglichkeiten gelockt werden sollen, wie einem überdachten "Wasserpark", zwei neuen Luxushotels, einem Kinokomplex mit 20 Leinwänden und einem "Magic Planet" mit Bowlingbahnen. Das bahrainische Fremdenverkehrs- gewerbe konnte 2008 einen deutlichen Sprung nach vorne machen und erwartet auch für 2009 ein gutes Jahr.
Dabei kann Bahrain vor allem von seiner guten Straßenanbindung an Saudi-Arabien profitieren und dem hohen Zuwachs an Gastarbeitern in der saudi-arabischen Ostprovinz, die gerne am Wochenende mal nach Bahrain fahren. Nahezu vier Fünftel aller Touristen kommen über die Dammstraße zwischen Saudi-Arabien und Bahrain - meist nur für ein bis zwei Tage am Wochenende. Bahrain lockt mit einem freizügigerem Nachtleben als das erzkonservative Saudi-Arabien.![]()


