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Deutsche WM-Elf und Israel: Sympathieträger des »neuen Deutschlands«
06.07.2010

Deutsche WM-Elf und Israel: Sympathieträger des »neuen Deutschlands«

von Dominik Peters / Foto: dpa-PA

Es ist unglaublich: Deutschland spielt, siegt – und erobert weltweit die Fans und ihre Fussballherzen – auch die der Israelis. Vor der WM war die deutsche Nationalmannschaft noch so unbeliebt wie kein anderes Teilnehmerteam. Laut einer Umfrage der ultra-konservativen Israel Hayom mochten 31 Prozent aller Israelis die Mannen von Jogi Löw nicht leiden.

Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet. Aus einer Umfrage, die das Massenblatt Yedioth Ahronot am Sonntag durchgeführt hat, geht hervor, dass ganze 30.5 Prozent der männlichen Bevölkerung darauf hoffen, dass Deutschland Weltmeister wird. Hollands »Elftal«, möglicher Finalgegner von Deutschland und traditionell beliebt in Israel, schaffte es hingegen nur 31,1 Prozent für sich zu gewinnen.

Das ist ein Novum – wenngleich mit einer Einschränkung. Viele der Befragten, so die Tageszeitung, hätten, nachdem sie ihr positives Votum für Deutschland abgegeben hatten, hinterhergeschoben: »Es ist nur Fußball«. Die Schatten der Vergangenheit, die Gräuel der Nationalsozialisten und der millionenfache Mord lassen es nicht zu, »zu vergeben und vergessen«, wie die Yedioth Ahronoth schreibt.

»Wir haben nicht das durchgemacht, damit es heute Menschen in diesem Land gibt, die Deutschland unterstützen, so als ob nichts geschehen sei. Gibt es keine anderen Mannschaften auf dieser Welt? Können sie nicht die englische unterstützen? Die spanische? Jetzt unterstützen sie die Deutschen, morgen werden sie den Holocaust vergessen und einen Tag später, wenn es – Gott verhüte – wieder passiert, werden wir wieder sehen, wie sie sich erinnern«, sagte ein Holocaust-Überlebender der Zeitung.

»Es ist nur Fussball«

Einer, der sich uneingeschränkt freut, ist Yossi Sarid, Kolumnist der linksliberalen Haaretz. Er ist begeistert über das Auftreten der deutschen Fußballer: »Die ethnische und kulturelle Vielfalt der deutschen Auswahl ist das Geheimnis ihres Zaubers und das, was ihr Kraft verleiht«, schreibt er. Die Manschaft repräsentiere zwar den »den Staat des deutschen Volkes, aber auch den Staat aller seiner Bürger; und es gibt keinen feindseligen Widerspruch zwischen den beiden Definitionen, sondern eine bewusste Übereinstimmung mit der Lebenswirklichkeit – sowohl als auch.« Alle Deutschen, »gleich welcher Religion, Rasse oder nationalen Herkunft, jubeln ihren Repräsentanten in Südafrika zu«, schwärmt Sarid von der Multikulti-Truppe.

Einer Meinung mit Sarid ist Eldad Beck, Deutschland-Korrespondent der Yedioth Ahronoth. Er schreibt: »Mit der WM und der wunderschönen Art und Weise zu spielen hat die deutsche Mannschaft viele neue Anhänger in Israel gewonnen. Das prägt natürlich das Bild Deutschlands in Israel sehr – auf eine positive Art und Weise.« Seine Lobeshymne auf die Kicker und neuen Sympathieträger des »neuen Deutschlands« schließt er mit einem Satz, den man gerne auch zweimal liest: »Ich freue mich auf das Fest der Deutschen am 11. Juli und sowieso immer, wenn ich Angela Merkel einmal lächeln sehe.«

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