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»Zeit für Wunder«
20.02.2008

»Zeit für Wunder«

von Daniel Gerlach / Foto: Rehan Khan/dpa-PA

Wenige Tage nach den Parlamentswahlen feiert die Volkspartei PPP ihren Sieg. Etwas zu überschwängliche Worte findet Ali Zardari, Vorstand der PPP und Witwer der im Januar ermordeteten Parteiführerin Benazir Bhutto, in einem Gastbeitrag für die Chicago Tribune. Nun sei die »Zeit für Wunder« gekommen, meint Zardari. Seine Vision sei ein Pakistan, das 1.5 Milliarden Muslime auf der Welt in »Frieden, Versöhnung, Fortschritt und Erneuerung« führe.
www.chicagotribune.com

Mit 87 von 272 Parlamentssitzen, so das amtliche Ergebnis der Wahlkommission, wird die PPP die größte Fraktion in der Nationalversammlung stellen. Die Pakistan Muslim League (PML-N) des ehemaligen Präsidenten Nawaz Sharif kommt auf 67 Sitze. Musharrafs Pakistan Muslim League Quaid (PML-Q) musste sich mit 40 Mandaten zufrieden geben. Eine »erdrutschartige Niederlage«, so fanden einige internationale Medien. In Pakistan scheint die Mehrheit der Kommentatoren der Ansicht zu sein, dass das Wahlergebnis die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Musharrafs Politik zeige – es sei eher als Referendum gegen die Person des Präsidenten zu verstehen.

Indes wird spekuliert, ob die PPP, die als größte Fraktion Regierungsgespärche eröffnen darf, mit der PML-N eine Koalition eingehen wird, was ihr eine Parlamentsmehrheit sichern würde. Gemeinsam könnten beide Fraktionen ein Amtsenhebungsverfahren gegen Musharraf anstreben. Ein »desaströser« Fehler, der Pakistan nicht voranbrächte und alte Wunden aufreiße, kommentiert der Autor des Leitartikels der Londoner Timesunter dem Titel »Pakistani Poker«.
www.timesonline.co.uk

Musharraf hat bislang nicht von Rücktritt gesprochen und wieder einmal die Hand zur nationalen Versöhnung ausgestreckt. Immerhin, so meint Asha'ar Rehman von der regierungskritischen pakistanischen Zeitung Dawnaus Karatschi, sei Musharraf von dem Vorwurf reingewaschen, dass er Wahlen zu Gunsten seiner PML-Q manipulieren wolle. Rehman vermittelt einen tieferen Einblick in das Wahlverhalten der Pakistaner und die möglichen Koalitionsoptionen. Was auf Bundesebene funktioniere, sei für die Provinzen längst nicht gegeben. Mit Interesse betrachtet der Kolumnist die Annäherungsversuche zwischen der PPP und der konservativ-islamischen Muttahida Qaumi (MQM) von Altaf Hussein in der Provinz Sindh, dem Stammland der PPP. Vor allem in den Städten jagte die MQM der PPP zahlreiche Stimmen ab.
www.dawn.com

»Autstieg und Fall der Mullahs«

Die Bedeutung der Verhältnisse in den Provinzen für die Regierungsbildung erklärt der Politologe Christian Wagner von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Wagner hält eine Koalition zwischen der PPP und der Sharif-Partei PML-N für wahrscheinlich. Diese sei mehrheitsführend im Punjab, der stärksten pakistanischen Provinz. Ohne den Punjab könne das Land nicht regiert werden, sagt Wagner.
www.sueddeutsche.de

In einem Beitrag für das pakistanische Magazin Newsline, der einige Tage vor den Wahlen erschien, sagt Rahimullah Yusufzai ein schlechtes Abschneiden der islamistischen Muttahida Majlis e-Amal (MMA) voraus. Yusufzai analysiert die Geschichte und strategischen Fehler der Partei unter dem Titel »Autstieg und Fall der Mullahs«.
www.newsline.com.pk

Dass die Wahlen eine Absage an den radikalen Islamismus sei, schlussfolgern diverse pakistanische Zeitungen in ihren Leitartikeln. Gute Nachrichten für Pakistans Nachbarn Indien, der die Entwicklungen aufmerksam verfolgt? Der ehemalige Kabinettssekretär und Asien-Experte B.Raman betrachtet im Magazin Outlook India die Wirkung der Wahlen auf die internationale Politik. Dem Westen sei eine Machtbeteiligung von Nawaz Sharif unbehaglich, meint Raman, denn dessen Flirt mit den Islamisten und die Scharia-Politik, die Sharif während seiner Zeit als Präsident in den 1990er Jahren betrieben habe, seien unvergessen. Zu Musharraf habe der Westen noch immer größeres Vertrauen.
www.outlookindia.com

In einem Gasbeitrag für die in Delhi erscheinende Hindustan Times äußert der pakistanische Rechtswalt Annis Jillani aus Islamabad Genugtuung über das Wahlergebnis, das »fast jeden entzückt« habe. Die Niederlage der »Königspartei« PML-Q sei besonders delikat, berichtet Jillani, da beinahe alle Abgeordneten, die 2002 von der Sharif-Partei PML-N zur neu gegründeten, mächtigen PML-Q desertiert seien, nicht mehr ins Parlament zurückkehren würden. Am meisten scheint sich Jillani jedoch darüber zu freuen, dass er, wie er schreibt, die Niederlage der PML-Q vor der Wahl vorausgesehen habe.
www.hindustantimes.comzenithonline

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