
Muammar und seine Querschläger
Ein schwarzes Schaf gibt es in den besten Familien. Eins ist auch in Ordnung. Schließlich erstrahlen die anderen Familienmitglieder dann im umso positiveren Licht. Ungünstig wird es, wenn gleich mehrere aufsässige Exemplare auftauchen. Libyens Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddhafi jedenfalls hat alle Hände voll zu tun, seine Herde zusammen zu halten. In diesem Sommer sind ihm gleich zwei seiner Jüngsten unangenehm in den Rücken gefallen. Wie unpassend, wo Papa doch unlängst seinen Imagewechsel vom bösen Tyrannen in einen vorbildlichen Politiker vollzogen hat.
Da wäre zum einen Seif al-Arab, zweitjüngster von sieben Söhnen: Der 25-Jährige hat sich im November 2006 mit dem Türsteher einer Münchner Diskothek geprügelt. Weil seine Begleiterin sich beim Tanzen der Kleidung entledigen wollte, wurde das Paar rausgeschmissen. Seif schlug zu und drohte angeblich – oder hat er nur laut gedacht? Die Staatsanwaltschaft ermittelt – dem Türsteher das Gesicht zu verätzen. Im Juli wurde publik, dass diese Schlägerei die deutsch-libyschen Beziehungen nachhaltig belastet. Das Auswärtige Amt hatte nämlich abgelehnt, den prügelnden Seif al-Arab als Diplomaten zu akkreditieren.
Und dann wäre da Hannibal: Der 32-Jährige hat kürzlich einen Prozess gegen die dänische Boulevardzeitung Ekstra Bladet verloren. Das Blatt hatte berichtet, Hannibal hätte die Misshandlung und Entführung eines libyschen Staatsbürgers angeordnet. Auch sonst ist seine Polizeiakte dick wie eine angeschwollene Backe. Eine Freundin soll er krankenhausreif geschlagen haben; Polizeibeamte ließ er verprügeln, weil diese ihn wegen Rasens angehalten hatten. In der Schweiz gab es letztens noch zwei Tage U-Haft für ihn und seine hochschwangere Ehefrau, weil das Paar Angestellte eines Genfer Luxushotels misshandelt haben soll. Das wiederum belastet derzeit die libysch-schweizerischen Beziehungen: Angeblich will Libyen als Reaktion auf die Verhaftung seine Öllieferungen stoppen.
Was macht man nun als Staatsoberhaupt mit seinen schwarzen Lämmern? Vielleicht sollte Gaddhafi seine westlichen Kollegen um Rat fragen. Gut, der englische Prinz Harry besäuft sich in Naziuniform, und Bruder Prinz William fliegt auf Staatskosten mit einem Helikopter zu seiner Freundin. Andererseits ist selbst der wilde Harry durch militärischen Drill mittlerweile viel erwachsener geworden. Und die einst so trinkfreudige Jenna, Tochter von US-Präsident George W. Bush, ist inzwischen unter der Haube und verfasst Kinderbücher. Wären ein paar Jahre auf der Militärakademie für Seif und Hannibal eine Lösung? Hilft ein Praktikum bei Unicef? Oder sollte Vater Gaddhafi seine Sprösslinge vermehrt auf Vorzeigeexemplare aufmerksam machen wie Kronprinzessin Victoria von Schweden? Die gehört ja eindeutig zu den sanften Lämmern. Zwar will sie ihren Fitnesstrainer immer noch nicht heiraten, aber immerhin schlägt sie ihn nicht zusammen.![]()




