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»Die Quelle des Terrors«
30.04.2010

»Die Quelle des Terrors«

von Maximilian Felsch / Foto: dpa-PA

zenith: Ihr Bruder Abd al-Malik ist der politische und militärische Führer der Houthi-Bewegung. Welche genaue Position haben Sie in der Bewegung der Houthis inne?

Yahya Badraddin al-Houthi: Ich versuche im Exil mich dafür einzusetzen, die Wahrheiten zu ermitteln und die Wirklichkeit zu verkünden, wie wir – die Zaiditen im Speziellen und das jemenitische Volk insgesamt – sie erleben. Ich trage dazu mit politischen Tätigkeiten und Öffentlichkeitsarbeit bei, so dass keine Zeit für eine andere Arbeit bleibt. Ich kämpfe mit friedlichen Mitteln für die Bewahrung unseres Glaubens, unserer Identität, unserer Geschichte, unseres Erbes, unserer Rechte und unserer Heimat – und das seit 30 Jahren zusammen mit meinem Vater und meinen Brüdern. Ich engagiere mich politisch und medial, soweit es in meinen Möglichkeiten liegt. Feste Posten gibt es in unserer Bewegung aber nicht, denn jeder bringt sich gemäß seiner Möglichkeiten ein. 1991 haben wir eine Partei, die Hizb al-Haqq gegründet, um uns über die politische Arbeit zu engagieren. Aber das Regime hat uns und unsere Anhänger drangsaliert und zwang uns, die Parteiarbeit einzustellen und die politische Oppositionsarbeit zu beenden.

Zu Ihrem Konflikt mit dem Staat: Was sind die Gründe dieses Konflikts und wie lauten Ihre Forderungen an die Regierung?

Es gibt keinen Konflikt zwischen uns und etwas, das man »Staat« nennen kann. Im Jemen gibt es einen Konflikt zwischen uns und einem autoritären Diktator, der den saudischen Prinzen und wahhabitischen Agenten folgt und mit den Terroristen kollaboriert, um deren Pläne gegen das jemenitische Volk umzusetzen – und das im sozialen, religiösen und kulturellen Bereich. Er hat all seine Macht darauf ausgerichtet, die wahhabitische Mission zu predigen und ihre Präsenz im Land zu erweitern – auf Kosten der beiden vorherrschenden, koexistierenden Schulen der schiitischen Zaiditen und sunnitischen Schafiiten, und auf Kosten der Regierungsaufgaben.

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Yahya Badraddin al-Houthi

war jemenitischer Parlamentarier, als er 2005
nach Deutschland kam. Wegen der Gewalteskalation
lebt er bis heute hier und vertritt die Interessen
der Houthi-Bewegung im Ausland. In Abwesenheit
wurde er im Februar 2010 zu 15 Jahren Haft verurteilt,
wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen
Vereinigung. Sein Bruder Abdul Malek al-Houthi gilt
als militärischer Anführer der Houthis.


So entstanden im Jemen die Probleme des Terrorismus und der Entführung von Ausländern – und eine Armee, die voll ist mit Kriminellen und Takfiristen [Jene, die andere exkommunizieren. Anmerkung der Redaktion]. Und der Grund des Konflikts zwischen uns besteht in dem Maße, wie wir unterdrückt und benachteiligt werden. Wir wurden unserer Rechte und Freiheiten beraubt. So entstand ein Klima von Hass und Spaltung, ethnischer, konfessioneller und tribaler Diskriminierung – bis hin zu dem Punkt, dass Krieg gegen unser Volk geführt wurde. Unsere Landsleute wurden in ihren Dörfern, Häusern und Farmen getötet – ohne Unterschied zwischen Kämpfern und Zivilisten, Männern und Frauen, Greis und Säugling. Aufgrund dieser Aggression waren unsere Brüder gezwungen, sich selbst zu verteidigen. Wir fordern, gleichberechtigt in Freiheit und Sicherheit leben zu können.

»Die Verfassung erlaubt vor allem keine Diktatur«

Das jemenitische Regime beschuldigt Sie, gegen die Verfassung zu verstoßen. Das Staatsfernsehen hat Videos ausgestrahlt, in denen einige Ihrer Anhänger das republikanische System verdammen. Wie ist Ihre Stellung dazu?

Die Verfassung erlaubt vor allem keine Diktatur. Eigentlich sieht das republikanische System vor, dass das Volk seine Führung wählt – das Parlament und den Präsidenten, und zwar für maximal zwei Amtszeiten. Ali Abdullah Salih regiert seit dreißig Jahren außerhalb von Recht und Verfassung. Unter Salih ist die Verfassung nur Tinte auf Papier, denn er selbst ist das Gesetz. Er missbraucht die Verfassung und setzte sie gegen mich ein, um mir meine Rechte zu entziehen, während ich Mitglied des Parlaments war. Aufgrund seiner wahhabitischen, terroristischen Agenda und aus rassistischen und aus diskriminierenden Gründen, war mir fortan die politische Arbeit im Jemen nicht mehr möglich. Die Verfassung erlaubt all dies nicht. Und sie erlaubt auch keinem ausländischen Staat, das Volk aus der Luft zu anzugreifen. Ali Abdullah Salih kooperiert mit Saudi-Arabien und willigte ein, unser Volk zu bombardieren und einen Teil unserer Heimat zu besetzen. Und was die Videos anbetrifft, so sind sie nachsynchronisiert und nicht authentisch, und viele derjenigen, die sich zu Stellungnahmen bereit erklärten, gehören nicht zu unseren Anhängern, im Gegensatz zu dem, was die Staatsmedien behaupten. Leider gibt es im Jemen keine Republik, sondern nur einen autoritären Diktator namens Ali Abdullah Salih.

Auf welche Ziele arbeiten Sie im Jemen hin? Besitzt die Houthi-Bewegung eine einheitliche politische Ideologie?

Wir verteidigen uns gegen Unterdrückung, und wir hoffen, dass unser Volk gleichberechtigt in Freiheit, Frieden und Sicherheit leben kann. Das könnte man als unsere Ideologie betrachten.

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