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»Wer mit dem Schwert herrscht, wird mit dem Schwert gerichtet«
12.04.2004

»Wer mit dem Schwert herrscht, wird mit dem Schwert gerichtet«

von Daniel Gerlach und Christian Meier / Foto: Khaled El-Fiqi/dpa-PA

zenith: Professor Hanafi, die Debatte um die Zukunft der arabisch-islamischen Welt dreht sich um Reformen und Modernisierung. Im Frühjahr sollte es in Tunis einen arabischen Gipfel dazu geben, der jedoch wegen innerer Zwistigkeiten abgesagt wurde. Die US-Regierung hat Reformvorschläge gemacht, die einige arabische Regierungen als Gängelung empfinden. Was halten Sie von dieser Situation?

Hasan Hanafi: Wir stecken in einer Sackgasse. Unsere Uhren drehen sich nicht weiter, die Zeit ist stehen geblieben. Die islamische Bewegung, die sich gegen frühere Experimente wie Liberalismus, Sozialismus und Kapitalismus wendet, existiert, doch alle islamistischen Gruppen sind illegal. Wenn sie sich treffen, riskieren sie ihre Verhaftung. Also gehen sie in den Untergrund, nach Bosnien, Albanien, in den Kosovo, oder kämpfen in Afghanistan. Sie wollen ihre Sache vertreten, können sich zu Hause aber nicht frei artikulieren. Wenn das anders wäre, gäbe es keine Organisationen wie al-Qaida. Dafür sind wir verantwortlich.

Wie steht es mit säkularen Bewegungen?

Sie kopieren westliche Modernisierungskonzepte. Die Islamisten argumentieren: »der Koran sagt dies, Ibn Taimiyya jenes, Gott sagt, der Prophet sagt« und so weiter. Die Säkularisten sagen: »Marx hat gesagt, Weber und Adorno sagen ...« Es sind die gleichen Muster: Sie übertragen Ideen – die einen aus der fernen, die anderen aus der jüngeren Vergangenheit. Niemand befasst sich mit der Gegenwart. Deshalb versuche ich, einen Dialog in Gang zu bringen. Wir müssen verhindern, dass sich so etwas wie in Algerien wiederholt: ein Bürgerkrieg mit über 100.000 Toten – nur weil jede der beiden Seiten überzeugt war, dass sie Recht hatte. Die westlichen Modelle sind sehr dominant: Säkularismus, Gewaltenteilung, Individualismus, Menschenrechte ... – Das ist großartig! Da ziehe ich den Hut! Doch das ist nicht der einzige Weg.

Philosoph des nationalen Kampfes

Vor zwei Jahren sprachen Sie in der Zeitung Al-Hayat von einem »existenziellen Kampf« der arabischen Welt mit Israel. Außerdem meinten sie, es gebe so etwas wie einen »Kampf der Kulturen« mit dem jüdischen Staat. Wenn Sie als liberaler Philosoph solche Begriffe benutzen, muss man sich schon fragen, wie Sie Leuten begegnen, die den Islam als Gegner des Westens im Kulturkampf betrachten.

Als Philosoph kämpfe ich gegen den Zionismus, im Sinne Spinozas oder Moses Mendelssohns, die sich gegen die Sonderstellung des jüdischen Volkes und ihren Exklusiv-Vertrag mit Gott gestellt haben. Ich kämpfe gegen jüdischen Partikularismus, um jüdischen Universalismus zu verteidigen. Den Zionismus als politischen Romantizismus im Sinne des 19. Jahrhunderts lehne ich ab. Identität durch einen Staat, der auf der einen Seiten ein Problem löst und dafür auf der anderen die schrecklichsten Massaker anrichtet? Das ist eine neue Form von Nazismus, vermischt mit Revolutionsideologie. Ich sage nicht, dass ich einen Kulturkampf mit dem Zionismus befürworte. Ich versuche nur, die Philosophie hinter unserem nationalen Kampf und dem der Palästinenser zu verdeutlichen.

Was sollen denn die Vergleiche von Zionismus und Nazismus? Warum sind Sie nicht bereit, den Zionismus als nationale Befreiungsbewegung anzuerkennen – ähnlich der deutschen, der französischen, der ägyptischen oder auch der palästinensischen? Natürlich zahlen andere den Preis für den Erfolg einer solchen Bewegung, aber das ist doch immer so gewesen, oder nicht?

Jetzt verlassen Sie ihre Rolle als Journalist und wollen mit mir debattieren. Ich weiß nicht, ob das Journalismus ist ...

Warum? Sollten wir Ihre Position nicht kritisieren dürfen?

Das ist nicht die Aufgabe des Interviewers. Er sollte Fragen stellen, vielleicht hat er einen kleinen Kommentar am Schluss. Wenn Sie diskutieren wollen, ist das kein Interview, sondern eine Debatte.

Wir möchten klar machen, dass wir Ihre Position genau verstehen und warum Sie diesen Fall als besonders betrachten. Sie sind schließlich Philosoph, Professor Hanafi.

Was ist Ihr Hintergrund? Was haben Sie studiert?

Geschichte und Islamwissenschaft.

Nun, wenn Sie Politikwissenschaft studiert hätten, wüssten Sie, dass eine nationale Befreiungsbewegung entsteht, wenn ein Land von einer fremden Macht besetzt ist. Die Inder und Ägypter kämpften gegen die Briten, die Algerier gegen die Franzosen, die schwarzen Südafrikaner gegen die weißen Siedler. Wenn es eine Besatzungsmacht gibt, will das Volk die Unabhängigkeit erlangen. Das ist die Definition einer »nationalen Befreiungsbewegung«. Den Zionismus können Sie damit nicht gleichsetzen, weil ...

... die Juden über Jahrhunderte in Europa unterdrückt wurden.

Ja. Aber weil das Nazi-Regime in Deutschland sie im Holocaust misshandelt und gemordet hat, führen sie Krieg gegen die Palästinenser? Ein anderes Volk soll nun dafür zahlen?

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