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Rap us d’r Turko-Schwyz

Rap us d’r Turko-Schwyz

von Sara Winter / Foto: Alain Schmuki

Der geborene Basler Rapper mit dem Doppelpass hat schon lange davon geträumt, seine Musik in der Türkei zu veröffentlichen. Doch reingehängt hat sich Casus nur in die Musik, nicht in die Vermarktung. Vielleicht kam ihm das zugute, wie er vermutet: »Weil ich nicht gesucht habe, habe ich ein Label gefunden«, lächelt er verschmitzt. Bekannt sind Casus und seine Gruppe »Makale« in der türkischen Hip-Hop-Szene jedoch schon lange. Dies ist auch prominenten Features mit Stars wie Ayben, der Schwester des Rapsuperstars Ceza, geschuldet, mit der Casus gerade das Stück »Mavi ve Pembe« herausgebracht hat. Und eine Kollaboration mit dem Cartel-Urgestein Erci E. hat Casus auch angekündigt.

»Cartel war damals natürlich der absolute Hammer. Rap auf Türkisch! Das schlug ein wie eine Bombe!« Der junge Casus, der mit bürgerlichem Namen Kadir Özkan heisst, probierte sich 1995 an ersten Raplyrics auf Englisch. Er und sein Sandkastenfreund Marco Snaidero, besser bekannt als DJ Steel, dudelten damals Kassetten von KRS One, den Bushbabies, Keith Murray und Cypress Hill rauf und runter. Sie probierten, ihre eigenen Texte über bekannte Instrumentals zu rappen, und übten, was das Zeug hielt. Erst Cartel brachte Casus auf die Idee, es doch mal mit einer seiner Muttersprachen zu probieren. Casus, was aus dem Türkischen übersetzt Spion bedeutet, war schnell Feuer und Flamme für türkischen Rap. DJ Steel, dessen Türkischkenntnisse sich auf das Maß jugendlichen Slangs beschränken, war es an den Turntables sowieso gleich, auf welcher Sprache seine Basler Kollegen die Menge anheizen würden.

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Was damals wie ein Traum schien, ist heute Alltag. Makale, 1997 gegründet, ist eine feste Größe des türkischsprachigen Hip-Hop geworden – in der Schweiz, ganz Europa und in der Türkei. Der Name Makale bedeutet Zeitungsartikel und wurde aufgrund seiner leichten Aussprechbarkeit gewählt. Zwar können die Jungs, zu denen heute auch Erdem Cayir, bekannt als Siddet MC, gehört, noch nicht von der Musik leben, aber Casus sagt relaxed: »Klar, noch managen wir uns selbst, aber jeden Tag ist irgendwas. Ein Interview, ein Fototermin, ein Studiogig. Das zeigt mir, dass es gut läuft.«

Es war der Basler Produzent Barraka El Farnatshi, der Makales Musik entdeckte. Erst baute er einen Track in seine hochkarätig besetzte Compilation »Dar Beida 04« mit ein. Dann schlug er den Jungs vor, ein ganzes Album zu produzieren. So entstand um den Jahrtausendwechsel »Kingztanbul«. Das Album kam 2002 auf den Markt. Es folgten 2005 »Tamam« und drei Jahre später »Sizofren«. Musikalisch tragen viele Songs die Handschrift des Produzenten Özgür Sakar alias Misda Oz, dessen Beatbautalent Makale viel Respekt einbringt. Nun wird diesen Sommer die nächste volle Scheibe erscheinen.

Mit ihrem zweiten Album wurden Makale zu Popstars der Schweiz. Das Video zu »Askim«, in dem der schweizerische Nationalspieler Murat Yakin eine Rolle übernahm, wurde vor fünf Jahren auf VIVA CH ständig gespielt. Das Album »Tamam« erschien auch in der Türkei. Der dazugehörige Handyklingelton belegte wochenlang Platz Eins der Download-Charts. Plötzlich wurde auch die offizielle Kulturszene der Schweiz auf Makale aufmerksam. Man buchte sie für Integrationsveranstaltungen und Radiosendungen zum Thema Migration. Casus lacht: »Klar, man kann uns als Brücke für alles einsetzen, zwischen den Kulturen und den Generationen.«

»Ich bin Alltagsmuslim«

Casus, der im Gespräch mit zenith mühelos zwischen Schwyzerdütsch, Hochdeutsch und Türkisch hin und her springt, bleibt beim Thema Integration angenehm entspannt. Für ihn ist das Leben in zwei Kulturen und mit zwei Pässen kein Problem, im Gegenteil: Casus empfindet es schon immer als Bereicherung. Über Fragen wie »Wo hast du denn so gut Deutsch gelernt?« kann er meist lachen. »An meiner Schule gab es nicht so viele Türken. Hin und wieder habe ich dann auch mal was Ausländerfeindliches abbekommen. Nervt, klar. Aber die Vorteile des doppelten Kultureinflusses überwiegen.«

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