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Vergangener Alltag in Afghanistan

 

Dabei wurde die Aktualität bewusst ausgeblendet, um Maeders Sichtweise vom Königreich Afghanistan darzustellen. Das Foto »Hazarajat im Herzen Afghanistans« zeigt die Koh-i-Baba Gebirgskette vom Bamiyan-Tal aus. Aus dem Felsmassiv von Bamiyan erhebt sich majestätisch die mit 53 Metern größte Buddha-Statue der Welt. Im Februar 2001 wurde das UNESCO-Weltkulturerbe von den Taliban gesprengt.

Von der Landschaft ausgehend sollen die Module von der Weite über die Darstellung der Nomaden, dem traditionellen Bozkashi-Pferdekampfspiel immer weiter in die Nähe hinein zoomen, um letztlich beim Individuum und seinem praktizierten Glauben anzukommen. »Die Koexistenz von Tradition und Moderne zieht sich durch die Module durch. Einmal scheinen die alten Werte, die Tradition mehr zum Vorschein zu kommen, und dann wieder die Moderne, die Emanzipation und der Aufbruch«, resümiert die Kuratorin einen fast schon konventionellen Topos zeitgenössischer islamischer Kunstausstellungen.

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»Poetische Textkarten« beleuchten die Ausstellungsmodule näher. Die »Bergkette Selsela-Koh«, Afghanistans goldenes Bergland, wird als eine Idylle aus bunten Oasen, kargen und rauen Landschaftsformen, den tiefblau leuchtenden Seen von Band-i-Amir, schroffen Granitwänden und zerklüfteten Hängegletschern gezeichnet. Das »Pferdekampfspiel Bozkashi« gibt einen Einblick in das turkmenische Reiterspiel mit bis zu hundert Pferden in einem Team, das als Vorläufer von Polo gilt.

Die emanzipierten Frauen, »Zanan«, der Universität Kabul verkörpern ohne den Ganzkörperschleier, dem Tschador, den Fortschritt des Landes. »Die Koexistenz der traditionellen Werte und der Moderne ist nicht befremdend, sondern wird als bereichernd empfunden.« Den Glauben hält Herbert Maeder mit seinen Fotografien zum »Id-e-Ramadan«, dem Abschluss der Fastenzeit, fest. Die »Attraktion für Frauen und Kinder« stellt einen Zigeuner-Zirkus dar, der sich am Ende des Ramadan in Taluqan auf seiner Wanderschaft niederließ.

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Neben Herbert Maeders Bildern werden auch Gegenstände wie Samoware, Qamtschin-Peitschen für das Bozkashi, Amulette, Ketten und Broschen oder ein Tschador ausgestellt. Allerdings passen sie nicht immer zu den Fotografien. So wirkt beispielsweise das Astrolabium aus dem 19. Jahrhundert neben den Tee trinkenden Männern auf den Sitzgestellen, den Tscharpois, etwas fehl am Platz.

Latente Orientalisierung?

Herbert Maeders Fotos glänzen vor allem bei der Darstellung des menschlichen Alltags. Bilder wie »Markttag in Aktscha« und »Emanzipation«, das Studentinnen auf dem Weg zur Universität Kabul zeigt, oder »Nach Sonnenuntergang«, das paschtunische Nomaden beim Verzehr von Fladenbrot und wildem Spinat einfängt, spiegeln das »bunte Völkergemisch« ausgezeichnet wider. Dennoch kratzen die »poetischen Textkarten« lediglich an der Oberfläche der Traditionen des Afghanistans Ende der 1960er Jahre.

Eine historische Kontextualisierung der »friedlichen Atmosphäre«, der Rahmen, in dem zum Beispiel das Bozkashi-Pferdekampfspiel stattfand, sucht man hingegen vergeblich. Auch deutet bereits der Ausstellungstitel »Verborgener Zauber Afghanistans« auf eine latente Orientalisierung des Landes hin. Im Großen und Ganzen wird dennoch sehr deutlich, weshalb Maeder trotz der eurozentrischen Legendenbildung anstatt Berge Menschen gefunden hat.

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