
Vergangener Alltag in Afghanistan
»Id-e-Ramadan – das Ende der Fastenzeit« ist Herbert Maeders Lieblingsbild. Es zeigt die Lagerstätte einer Reiterkarawane am afghanisch-tadschikischen Grenzfluss Amu-Darya. »Es könnte Dschingis Khans Heerlager gewesen sein – im Mittelalter.« Dem Fotografen bleibt insbesondere diese »zauberhafte Stimmung« in Erinnerung.
Die Fotoausstellung »Verborgener Zauber Afghanistans« entstammt aus Herbert Maeders Ausstellungsreihe »Berge – Menschen – Kulturräume« und wurde unter seiner Mitwirkung von Kuratorin Clarissa Höhener im Opsersaal und in der Ratsstube des Völkerkundemuseums St. Gallen inszeniert. »Die Bespielung der historischen Zimmer ist eine große Herausforderung, da wir die Wände nicht beschädigen dürfen und immer zu wenig Licht vorhanden ist«, erklärt Höhener.
»Ich suchte Berge und fand Menschen«
Der Schweizer Fotojournalist Herbert Maeder, 1930 in Rorschach geboren und in Wil aufgewachsen, bereiste Ende der 1960er Jahre das Königreich Afghanistan unter dem damaligen Monarchen Mohammed Zahir Schah. Anlass seiner mehrmonatigen Aufenthalte war eine Bergsteiger-Expedition, die vom Nordosten Kabuls zu den Fünftausendern des Zentralhindukuschs führen sollte.
»Bereits die Hauptstadt Kabul hat mich dermaßen in den Bann gezogen, dass ich dachte: Da muss ich länger bleiben, dahin muss ich wieder kommen. Dieses bunte Völker- und Sprachgemisch und gleichzeitig auch diese friedliche Atmosphäre in Kabul.« Maeder kehrte zurück und besuchte Afghanistan 1968 und 1969 aufs Neue. »Ich suchte Berge und fand Menschen«, erinnert sich der mittlerweile 80-jährige an seine persönliche Entdeckungsreise.
»Das Ziel der Ausstellung ist es, ein anderes, unerwartetes Bild von Afghanistan zu vermitteln. Diese in Vergessenheit geratenen Bilder sollen als Gegenpole zu den aktuellen Bildern der Medien stehen«, erläutert Clarissa Höhener. Insgesamt führen sieben Themenbereiche durch Herbert Maeders bisher teilweise unveröffentlichte Fotografien.




