Header
Foot
SUCHE
DAAD-Referatsleiter Alexander Haridi über deutsch-irakische Hochschulkooperation: »Mehr Transparenz und Fairness«
22.05.2010

DAAD-Referatsleiter Alexander Haridi über deutsch-irakische Hochschulkooperation: »Mehr Transparenz und Fairness«

von Markus Hablizel / Foto: Robert Chatterjee

zenith: Herr Haridi, was verspricht sich der DAAD auf der einen und das irakische Hochschulministerium auf der anderen Seite von dem akademischen Austausch?

Alexander Haridi: Im Februar 2009 hatten der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki eine »Strategische Akademische Partnerschaft« beschlossen und damit den Rahmen für eine verstärkte Kooperation zwischen den Hochschulen beider Länder gesetzt. Das Auswärtige Amt stellte dem DAAD dafür ein Sonderbudget zu Verfügung. Der DAAD verfolgt das Ziel über zwei Ansätze: Erstens: Individuelle Mobilität: Ein Stipendienprogramm für irakische Master- und Promotionsstudenten, das bis zu 100 neue Stipendien jährlich umfasst. Zweitens: Institutionelle Netzwerke: Fünf Fachbereiche an deutschen Hochschulen errichten Partnerschaften mit verschiedenen irakischen Hochschulen und knüpfen so ein dichtes Netzwerk an Hochschulkooperationen. Die Laufzeit beträgt drei Jahre, von 2009 bis 2011, jedes Jahr gibt es 1,5 Millionen Euro. Beide Ansätze zusammen ergeben ein dichtes Netz an Austauschbeziehungen und bereiten den Boden für eine mögliche Deutsch-Irakische Hochschule vor.

Die Idee der Deutsch-Irakischen Hochschule ist ja nicht einfach umzusetzen, es braucht einen langen Atem auf beiden Seiten. Wie werden diese Programme finanziert?

Die Besonderheit hierbei ist, dass das Stipendienprogramm hälftig von irakischer Seite, nämlich vom Hochschulministerium in Bagdad, und dem DAAD finanziert wird. Während der Irak zahlreiche Austauschprogramme mit ausländischen Staaten unterhält, ist das deutsch-irakische das einzige, in dem beide Seiten finanziell engagiert sind. Es entsteht also eine intensive Zusammenarbeit zwischen Ministerium und DAAD und es besteht die Notwendigkeit, Verfahren zu entwickeln, die deutschen und irakischen Anforderungen und Verwaltungen entsprechen. Ein wichtiger Effekt davon ist der Aufbau von modernen, an Qualitätskriterien ausgerichteten Strukturen auf der irakischen Seite, womit ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung einer international ausgerichteten, effizienten Austauschpolitik im Irak geleistet wird.

zenithonline

Alexander Haridi

wurde 1967 geboren. Seit 1999 arbeitet er für den
Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).
Bis 2005 war Haridi in der DAAD-Außenstelle in Kairo
tätig, von 2005 bis 2009 im Referat » Medien zum
Studienstandort Deutschland«. Seit 2009 leitet er das
DAAD-Referat Irak/Iran.

Wie stellt sich der Austausch konkret dar und wird in beide Richtungen getauscht?

Wie erwähnt, existieren zum einen die Stipendienprogramme und das Hochschulnetzwerk. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf Irakern, die nach Deutschland kommen. Aber auch deutsche Hochschullehrer reisen in den Irak. Wegen der schwierigen Sicherheitslage liegt der Schwerpunkt zurzeit auf der Region Nordirak. Im Mai 2010 reiste aber auch eine Delegation der TU Freiberg nach Basra.

Abgesehen von der Sicherheitslage, wo liegen die Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit?

Erstens existieren in Deutschland und Irak verschiedene »Förderkulturen«. Irak ist stark an formellen Kriterien ausgerichtet, es herrscht ein Denken in Quoten. Deutschlands Augenmerk liegt auf der akademischen Qualität der Studien- und Forschungsvorhaben sowie der persönlichen Eignung der Kandidaten. Irakische Studierende sind nicht daran gewöhnt, selbständig zu denken, wissenschaftliche Probleme und Lösungsansätze zu formulieren und ihre Vorhaben überzeugend darzustellen. Die zweite Schwierigkeit ist der Zentralismus auf der irakischen Seite und die mangelnde Verwaltungs- und Servicekompetenz des Ministeriums.

zenithonline
Alle Artikel zum Thema Kultur/Interview
zenithonline
Zenith Online