
Erster Weltkongress der Drusen im Libanon: Krieger in Pluderhosen?
Vom 19. bis 22. Juli versammelten sich 840 Delegierte zum Ersten Welt-Drusenkongress. Walid Dschumblat, der einflussreiche Drusenführer aus dem Libanon hatte geladen. Es wurde gegessen, diskutiert und eine Reihe von Komitees gegründet. Wichtiger war allerdings, dass man sich überhaupt getroffen hat.
Denn die Drusen sind eine sehr kleine ethnisch-religiöse Gemeinschaft, die ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete im heutigen Syrien, Israel, Palästina sowie dem Libanon hat. Heute sind sie jedoch keinesfalls auf diese Länder beschränkt. Aus insgesamt 37 Staaten kamen die Delegierten, denn die Drusen sind heute eine weltweit verbreitete Religionsgemeinschaft. Durch Migration gelangten sie seit dem 19. Jahrhundert aus dem Nahen Osten auf alle Kontinente.
Heute leben Drusen am Golf, in Westafrika und in den meisten Staaten der westlichen Welt. Besonders zahlreich sind sie aber in Südamerika. Bis zu 100.000 Drusen soll es beispielsweise in Venezuela geben. Diese Zahl ist umso beeindruckender, wenn man sie in Relation mit den insgesamt ca. 300.000 Drusen im Libanon setzt. Ein Weltkongress ist demnach kein Etikettenschwindel, sondern ein begründetes Anliegen. Denn besonders die Drusen in der weltweiten Diaspora suchen den Anschluss an ihre Wurzeln im Nahen Osten. Ein Kongress im Libanon ist dafür die ideale Gelegenheit.
Delegation aus Israel
Für besonderes Aufsehen sorgte allerdings, dass auch eine Delegation von Drusen aus Israel nach Libanon reisen durfte. Normalerweise ist allen Israelis sowie Personen mit israelischen Stempeln in ihren Reisedokumenten die Einreise in den Libanon wie auch ins Nachbarland Syrien verboten. Zwischen Libanon und Israel wird es wohl auch in absehbarer Zukunft keinen Friedensvertrag geben. Pikant an der Sache: In Israel leisten die Drusen – im Gegensatz zu den sunnitischen Arabern – Militärdienst. Doch durch den Einsatz des gut vernetzten Drusenführers Dschumblat war es der Delegation möglich, über Jordanien und Syrien in den Libanon einzureisen.
Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte Dschumblat, dass die Konferenz dazu diene, die »arabische und muslimische Identität der Drusen zu bestätigen«. Dabei zeigt gerade dieses Legitimationsbedürfnis, wie umstritten die religiöse Verortung der Drusen bis heute ist. Während die politischen Führer der Drusen seit Jahrzehnten die Zugehörigkeit des Drusentums zum Islam betonen, stoßen ihre religiösen Vorstellungen bei den meisten muslimischen Gelehrten auf Ablehnung.
So ist zum Beispiel der Glaube an die Seelenwanderung ein wichtiger Bestanteil der drusischen Religion und gilt als Grund für den viel beschworenen Gruppenzusammenhalt. Ein Austritt aus dem Drusentum über Konversion ist damit der Theorie nach unmöglich. Eine drusische Seele wird immer wieder in einen neuen drusischen Körper geboren. Heiraten mit Personen anderer Konfessionen sind aus demselben Grund verboten – der Kreislauf der Seelenwanderung innerhalb der Gemeinschaft würde gestört werden.
Junge Drusen sollen mehr über ihre Religion erfahren
Ein weiterer Aspekt des drusischen Glaubens ist die Verehrung des fatimidischen Kalifen Al-Hakim, der im Ägypten des 10. und 11. Jahrhunderts herrschte. Al-Hakim wird als göttliche Inkarnation betrachtet – Ein eklatanter Widerspruch zum muslimischen Dogma. Solche Inhalte der drusischen Religion sollen demnach auch der Öffentlichkeit unbekannt bleiben. Das Drusentum ist eine Geheimreligion.
Die Einweisung in die Mysterien geschieht Schritt für Schritt. Das Wissen wird nur an auserwählte Adepten weitergegeben. So teilen sich auch die Drusen selbst in zwei Gruppen: Diejenigen, die in unterschiedlichen Graden Kenntnisse der religiösen Lehren besitzen und die Unwissenden. Die religiös Eingeweihten grenzen sich dabei durch ihre Kleidung ab. Die Männer tragen traditionell einen Schnurrbart sowie typische schwarze Pluderhosen. Die Frauen tragen ebenfalls Schwarz mit einem weißen Schleier, den man mit wenig Übung von den diversen Formen muslimischer Kopfbedeckungen unterscheiden kann.



