
Sex and the Saudi
Die Sendung »Ahmar Bilkhat al-Arid«, zu deutsch: »Dicke rote Linien«, ist bekannt dafür heiße Eisen anzufassen. In der Show des libanesischen Satellitensendes LBC werden Themen diskutiert, die auf anderen Kanälen tabu sind. So auch in der Sendung vom 15. Juli: Der 32-Jährige Mazen Abdul Jawad berichtete darin stolz von seinen sexuellen Abenteuern mit saudischen Frauen.
Schon mit 14 habe er erstmals Sex mit einer Nachbarin gehabt – der Anfang seiner Eroberungen. Heute fahre er mit seinem roten Cabrio durch Dschiddah auf der Suche nach willigen Partnerinnen. »Wenn ich fahre, stelle ich mein Bluetooth an. Es enthält eine Beschreibung meines Autos und meine Handynummer. Dann kriege ich Anrufe von jungen Frauen und manchmal rufe ich zurück und wir treffen uns,« erläuterte Abdul Jawad in dem etwa fünfminütigen Fernsehbeitrag. In der Sendung führte der geschiedene vierfache Vater das Kamerateam auch in sein Schlafzimmer, päsentierte sein Sex-Spielzeug und erzählte stolz: »Alles passiert in diesem Zimmer.«
Die Reaktionen empörter Saudis ließen nicht lange auf sich warten. Mittlerweile haben mehr als 200 Menschen vor Gericht in Dschiddah Klage gegen Abdul Jawad eingereicht, weil dieser Saudi-Arabien und den Islam beleidigt habe. Seit dem 31. Juli sitzt der Casanova nun in Haft, wie auch drei seiner Freunde die ebenfalls in der TV-Sendung auftraten. Den Männern drohen empfindliche Strafen – möglich sind Peitschenhiebe oder langjährige Haftstrafen.
»Mazen ist ein Opfer«
Am vergangenen Wochenende ordnete die saudische Regierung an, das LBC-Büro in Dschiddah auf unbestimmte Zeit zu schließen. Die Lebanese Broadcasting Corporation (LBC) hat ihren Hauptsitz zwar in Beirut, Mehrheitseigner ist jedoch der saudische Milliardär Al-Walid bin Talal. Der Sender ist dank seiner zahlreichen Unterhaltungsshows, in denen viele knappbekleidete, schönheitsoperierte Frauen auftreten, auch in Saudi-Arabien sehr beliebt. Talals TV-Kanäle, zu denen auch die Senderfamilie »Rotana« gehört, erregen häufig den Anstoß der saudischen Sittenwächter. Für große Aufregung sorgte zudem sein Vorhaben, das erste Kino Saudi-Arabiens zu eröffnen, was im Juli nach Protesten konservativer Kräfte jedoch aufgegeben werden musste.
Abdul Jawads Verteidiger erklärte mittlerweile, sein Mandant sei von LBC arglistig getäuscht worden. »Mazen ist ein Opfer«, so Anwalt Sulaiman al-Jimaie, der die Schließung des Senderbüros ausdrücklich begrüßte. Dem Mann sei bei der Aufzeichnung des Interviews zugesichert worden, dass sein Gesicht unkenntlich gemacht werde. Bislang haben sich weder der Sender noch Al-Walid bin Talal öffentlich zu dem Vorfall geäußert.



