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		<title>zenithonline.de: Latest News</title>
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		<lastBuildDate>Wed, 22 May 2013 16:38:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Im handelspolitischen Klammergriff</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/im-handelspolitischen-klammergriff-003648/</link>
			<description>Palästinas Importwirtschaft ist eng mit dem israelischen Nachbarn verbunden, aber vollständig von...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Nach im März 2013 veröffentlichten Angaben des palästinensischen Zentralamts für Statistik lagen die palästinensischen Warenexporte im Jahr 2011 bei 720 Millionen US-Dollar. Davon entfiel das Gros auf Israel und nur 102 Millionen US-Dollar auf andere Länder. Die Einfuhren betrugen 4,2 Milliarden US-Dollar. Auch in diesem Fall war Israel der dominante Handelspartner, während auf andere Länder knapp 1,3 Milliarden US-Dollar entfielen. Auf diese Weise lagen die Importe aus Israel fast beim Fünffachen der Exporte. Im Handel mit Drittländern war diese Diskrepanz mit fast 13:1 noch viel höher

Allerdings ist nicht einmal dies das ganze Bild, da es sich bei den genannten Zahlen nur um offiziell registrierte Warenlieferungen handelt. Yitzhak Gal, gemeinsamer Vorsitzender des Forums für Nahostwirtschaft am Moshe-Dayan-Zentrum für Nahost- und Afrikastudien der Universität Tel Aviv, erklärt, dass ein gewisser Teil der palästinensischen Warenbezüge über den israelischen Binnenhandel und daher ohne jedwede Erfassung erfolgt. Der ohne Erfassung getätigte Anteil der palästinensischen Exporte sei weitaus geringer, als es bei der Einfuhr der Fall sei. Daher sei das Verhältnis zwischen den tatsächlich getätigten und nicht nur den offiziell erfassten Importen und Exporten noch höher, als aus der vorliegenden Statistik hervorgehe.

Es ist wichtig zu beachten, dass sich der von der palästinensischen Statistik ausgewiesene Außenhandel weitgehend auf das Westjordanland konzentriert. Das bedeutet nicht, dass der Gaza-Streifen, in dem nach der amtlichen Bevölkerungsstatistik Ende 2012 mit knapp 1,7 Millionen Menschen rund 38 Prozent aller Bewohner der palästinensischen Gebiete lebten, keinen Außenhandel treibt. Allerdings weist dieser eine deutlich andere Struktur auf. Nachdem die Hamas im Jahr 2007 die Regierungsmacht in Gaza übernommen hatte, verhängte Israel eine fast vollständige Blockade über diesen Landstrich.

<h3>»Steuerlicher Abflussverlust« von 400 Millionen US-Dollar pro Jahr </h3>
Heute sind die Beschränkungen nicht mehr so streng, doch in Gaza hat sich längst die Tunnel-Wirtschaft etabliert: Über Grenztunnels wickeln die Palästinenser in Gaza einen Großteil ihrer Einfuhr aus oder über Ägypten ab. Dieser Handel wird von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) nicht erfasst. Exporte aus Gaza sind wiederum als Ergebnis der israelischen Blockade und der damit einhergehenden Wirtschaftsschwächung äußerst begrenzt.

Die Handelsbeziehungen zwischen Israel und der PA sind durch das sogenannte Pariser Protokoll von 1994 geregelt. Danach bilden Israel und die Autonomiegebiete ein einheitliches Zollgebiet. Die palästinensische Einfuhr wie die Ausfuhr werden vom israelischen Zoll abgewickelt. Israel erhebt dabei die Zollgebühren und andere Steuern oder Abgaben wie die Mehrwertsteuer und die Treibstoffsteuer.

Für Waren, die auf offiziellem Wege in die palästinensischen Gebiete weitergeleitet werden, soll Israel diese Steuern und Abgaben an die PA weitergeben. Allerdings, so Gal, verbleiben die Zölle, Steuern und Abgaben in der israelischen Staatskasse, wenn palästinensische Kunden Waren bei israelischen Importeuren oder Händlern ohne gesonderte Erfassung erwerben. Dann wird der Warenumschlag auf die andere Seite der Grenze nicht registriert. Das, so Gal, sei mit dem Pariser Protokoll konform, doch bleibt in diesem Fall die Steuerrückerstattung an die PA aus. 

Das der palästinensischen Seite auf diese Weise entgehende Steueraufkommen wird als »steuerlicher Abflussverlust« bezeichnet. Seine Höhe wird auf rund 400 Millionen US-Dollar pro Jahr geschätzt – ein für die palästinensische Regierung empfindlicher Verlust, der rund ein Drittel ihres Haushaltsdefizits ausmacht. Deshalb ist die PA dringend an einer Änderung des Pariser Protokolls interessiert, die diesen Steuerausfall behebt. Allerdings hängt dies vom guten Willen der israelischen Regierung ab.

<h3>Importe aus Niedriglohnländern schaden der palästinensischen Produktion</h3>
Die Zollunion mit Israel stellt die palästinensische Industrie vor ein weiteres Problem. Das liberale israelische Importregime hat nicht nur in Israel, sondern auch in den Autonomiegebieten Einfuhren aus Niedriglohnländern Tür und Tor geöffnet und die einheimische Produktion geschmälert. Als Folge wurden in der palästinensischen Wirtschaft Branchen wie die Textil- und Bekleidungsindustrie oder die Schuhindustrie erheblich geschädigt. Auch palästinensische Exporte werden dadurch stark behindert. Daher bedeutet der mangelnde handelspolitische Spielraum für die Palästinenser ein schwerwiegendes industriepolitisches Hindernis.

Die enge Bindung an die israelische Wirtschaft prägt auch die palästinensische Importlogistik. Vor allem bei technisch anspruchsvollen Gütern, die eine Ersatzteillagerhaltung verlangen, macht die überschaubare Größe des palästinensischen Marktes die Existenz eigenständiger palästinensischer Importfirmen schwierig. In solchen Fällen greifen palästinensische Abnehmer in aller Regel auf die Dienste israelischer Importfirmen zurück. Eigenständige palästinensische Importstrukturen sind eher bei Gütern des Massenbedarfs zu finden.

Angesichts der Größenverhältnisse beider Volkswirtschaften – das israelische Bruttoinlandsprodukt ist mehr als zwanzigmal so groß wie das palästinensische – ist diese Konstruktion nach Gals Auffassung in ökonomischer Hinsicht nicht unlogisch. Allerdings glaubt der israelische Experte, dass die palästinensische Importwirtschaft unter Friedensbedingungen aktiver als bisher und gegenüber der israelischen Wirtschaft gleichberechtigter wäre. »Gegenwärtig führen Importeure aus Tel Aviv Einfuhren für Kunden in Ramallah durch, doch gibt es faktisch keine Importeure in Ramallah, die Waren auch für Kunden in Tel Aviv einführen. Unter günstigeren politischen Voraussetzungen könnte sich das ändern. Zudem wäre eine stärkere geographische Diversifizierung des palästinensischen Außenhandels möglich«, erklärte Gal.

Ein besseres politisches, vor allem sicherheitspolitisches Klima würde zudem die Rahmenbedingungen für den technischen Service zugunsten palästinensischer Käufer ausländischer Maschinen und Ausrüstungen schaffen. Gegenwärtig ist es kaum möglich, israelische Techniker zu palästinensischen Kunden im Westjordanland zu entsenden. Eine Entsendung nach Gaza ist gänzlich ausgeschlossen. Gleichzeitig aber ist der Aufbau eines separaten Servicenetzes für die Autonomiegebiete zumeist in wirtschaftlicher Hinsicht wenig sinnvoll. Daher müssen palästinensische Betriebe häufig improvisieren. Für den Aufbau einer nachhaltigen Industriebaus ist das ein zusätzliches Hindernis.]]></content:encoded>
			<category>Palästina Wirtschaft Konjunktur</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 13 May 2013 15:06:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Talfahrt stoppen</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/die-talfahrt-stoppen-003642/</link>
			<description>Nach dem Einbruch 2011 kommt Jemens Wirtschaft nur langsam wieder in Gang. Der »Nationale Dialog«...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Jemens Wirtschaft leidet erheblich unter der politischen Krise. Nach vorläufigen Angaben der zentralen Statistik-Behörde sank das Bruttoinlandsprodukt 2011 real um 15,3 Prozent (2010: +6,8 Prozent). Weil die Bevölkerung um 3,1 Prozent auf 24,3 Millionen wuchs, sank das BIP pro Kopf auf rund 1.250 US-Dollar. Ob die Wirtschaft 2012 zulegen konnte, ist unklar, offizielle Daten liegen noch nicht vor.

Der Internationale Währungsfond schätzt für 2012 ein BIP-Plus von 0,1 Prozent, die »Economist Intelligence Unit« (EIU) von 3,2 Prozent. Auch für 2013 und 2014 wird allgemein ein schwaches Wachstum erwartet. Dies setzt allerdings voraus, dass sich die politische Situation nicht weiter verschlechtert, und selbst dann wäre erst etwa um 2015 das Niveau von 2010 wieder erreicht. Auch die Investitionen sind 2011 stark gesunken, real um etwa 40 Prozent. Den Saldo der ausländischen Direktinvestitionen (FDI), die sich im Öl- und Gassektor konzentrieren, gibt die Zentralbank mit -713 Millionen US-Dollar an.

<h3>FDI-Saldo von -713 Millionen US-Dollar</h3>
Die Regierung hat den Geberländern und internationalen Organisationen ein »Übergangsprogramm für Stabilisierung und Entwicklung 2012-2014« vorgelegt und Jemens Finanzbedarf mit 14,4 Milliarden US-Dollar beziffert. Die letzte, in Riad abgehaltene Geberkonferenz der »Freunde Jemens« im September 2012 hatte Zusagen von 6,4 Milliarden US-Dollar gebracht, der Hauptteil entfällt auf Saudi-Arabien (3,3 Millionen US-Dollar). Etwa 1 Milliarde US-Dollar sagten arabisch-islamische Organisationen zu, internationale Institutionen wie etwa die Weltbank wollen 0,6 Milliarden beisteuern, die USA rund 0,8 Milliarden US-Dollar, die EU und Deutschland jeweils 0,2 Milliarden US-Dollar.

Allerdings hatte bereits 2006 eine Geberkonferenz für den Zeitraum 2007 bis 2010 insgesamt 4,7 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt, nur etwa ein Zehntel soll tatsächlich ausgezahlt worden sein. Ob beziehungsweise wann die neuen Hilfsgelder abfließen, wird wesentlich von der Schaffung hinreichend stabiler politischer Verhältnisse und von den organisatorischen Kapazitäten der jemenitischen Behörden abhängen. Die Weltbank und andere internationale Organisationen wollen Jemen bei der Entwicklung der Verwaltung unterstützen.

Seit Februar 2012 amtiert in Jemen die Übergangsregierung unter Abdu Rabbo Mansur Hadi, dem langjährigen Stellvertreter des nach über 33 Jahren zurückgetretenen Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Die Amtszeit des Interimspräsidenten ist auf zwei Jahre begrenzt. Auf Basis einer überarbeiteten Verfassung sollen dann Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden. Der Wechsel im Präsidentenpalast der Hauptstadt Sanaa war das Ergebnis monatelanger Straßenproteste sowie von Machtkämpfen zwischen den herrschenden Eliten und zähen Verhandlungen unter Beteiligung der Nachbarstaaten, insbesondere Saudi-Arabiens.

Ursprünglich bereits für November 2012 geplant, trat am 18. März 2013 die »Nationale Dialogkonferenz«&nbsp; zusammen, die unter anderem Verfassungsänderungen vorbereiten soll. Über Zusammensetzung, Struktur und Verfahren der Konferenz hat die Übergangsregierung entschieden. Der Dialog ist auf sechs Monate angelegt, bis Ende Mai werden die über 500 Konferenzteilnehmer zunächst in neun Arbeitsgruppen tagen.

<h3>Die Saleh-Fraktion verfügt noch immer über erheblichen Einfluss </h3>
Fast die Hälfte der Teilnehmer sind direkt entsandte Repräsentanten der im gegenwärtigen, 2003 gewählten Parlament vertretenen Parteien. Das größte Kontingent (112 Teilnehmer) stellt der »Allgemeine Volkskongress«, die Partei von Ex-Präsident Saleh, der ihr auch weiterhin vorsteht. Vertreter der »Bewegung des Südens« kommen auf 85 Teilnehmer, 50 kommen von »Al-Islah«, dem jemenitischen Zweig der Muslimbrüder, deren Chef die Konferenz aber schon verlassen hat.

Auch andere politische Führungsfiguren haben sich bereits zurückgezogen, darunter Tawakkol Karman, die 2011 für ihre Rolle bei den Straßenprotesten in Sanaa den Friedensnobelpreis erhalten hat. Sie wirft der Übergangsregierung vor, den Erfolg der Konferenz nicht zu gewährleisten. Ihre Kritik zielt vor allem auf die weiterhin starke Rolle der Saleh-Fraktion in Politik, Militär und staatlicher Verwaltung. Mit einer organisatorischen Umstrukturierung des Militärs im April 2013 hat Präsident Hadi allerdings versucht, den Handlungsspielraum sowohl des Saleh-Clans als auch des einflussreichen Generals Ali Mohsin al-Ahmar zu beschneiden.

Ob der »Nationale Dialog« das weitere Abgleiten Jemens verhindern kann, erscheint alles andere als sicher. An den teilweise gewalttätigen Machtkämpfen zwischen den unterschiedlichen Lagern des politisch-militärischen Establishments dürfte der Dialog wenig ändern.]]></content:encoded>
			<category>Jemen Wirtschaft Konjunktur</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 07 May 2013 11:22:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Der Traum vom Golf am Horn</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/der-traum-vom-golf-am-horn-003631/</link>
			<description>Somalia steht am Anfang eines langen Weges politischer Konsolidierung und Befriedung und träumt von...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die somalische Wirtschaft ist auf Wachstumskurs: Vor allem in der Hauptstadt Mogadischu kann von einem kleinen ökonomischen Boom gesprochen werden. Die verbesserte Sicherheitslage hat zu einem Zustrom von Investitionen geführt. Mutige Spekulanten sichern sich schon mal Filetgrundstücke an der Küste. So manche unternehmerischen Glücksritter glauben, dass eine Wette auf Somalias Zukunft deutlich bessere Gewinnchancen mit sich bringt, als eine Wette auf die Zukunft Südsudans, dem anderen hochspekulativen ostafrikanischen Investitionsziel.

Bis sich solche Spekulationen einmal groß auszahlen, wird aber wohl einige Zeit vergehen: Die Sicherheitslage in der Hauptstadt bleibt trotz aller sichtbaren Fortschritte fragil, im Rest des Landes ist der Bürgerkrieg noch längst nicht vorbei. Eine Normalisierung braucht noch viel Zeit, der Fortschritt kommt zudem im Takt der Echternacher Springprozession: Zwei Schritte vor, einer zurück. Zudem wurde Somalia 2011/12 von einer Hungersnot heimgesucht, welche die UN als die schlimmste in 60 Jahren bezeichnet hat. Die Hilfsprogramme der internationalen Gemeinschaft greifen angesichts der prekären Sicherheitslage und der weit verbreiteten Kriminalität nur begrenzt.

Die größte finanzielle Unterstützung kommt von den vielen Auslandssomaliern, die dank modernster Geldtransfer-Techniken steigende Mittel an zurückgebliebene Familienmitglieder schicken – nach letzter Schätzung gut 1 Milliarde US-Dollar im Jahr. Während sich die internationale Gebergemeinschaft auf humanitäre Hilfe und die Ausrichtung von Konferenzen beschränkt, nehmen Länder wie die Türkei die Gelegenheit wahr und beginnen mit der Rehabilitierung zusammengebrochener Infrastrukturen. Dabei hat Ankara von China gelernt, die in anderen ostafrikanischen Staaten vorgemacht hat und weiter vormacht, wie man schnell an Einfluss gewinnt und privilegiert an Aufträge kommt. Die Türkei ist hoch ambitioniert und sucht nach Macht und Einfluss. In Somalia wird sie mit offenen Armen empfangen.

Kuwait spendiert Somalia derweil eine Renovierung der Flughäfen von Berbera und Hageisa. Vor Ort sind auch China und die französische »Bolloré Africa Logistics«, die in und um den Hafen von Berbera nennenswerte Investitionen tätigen. Der Hafen dürfte in den nächsten Jahren die wichtigste Einnahmequelle des Landes werden. Die Regierung versucht unterdessen, die internationale Gebergemeinschaft zu verstärkter Hilfe und vor allem wesentlicher Finanzierung des nationalen Fünf-Jahresentwicklungsplans zu bewegen. Nach Ansicht von Beobachtern stehen die Chancen dazu aber nicht gut, weil zu viel Geld in der Vergangenheit »verloren gegangen« ist. Verlässlicher sind da die wachsenden Transfers von Exilsomaliern.
<h3>Anerkennung durch IWF und Afrikanische Entwicklungsbank</h3>
Der Internationale Währungsfonds hat die somalische Regierung Mitte April 2013 wieder anerkannt, nachdem die Beziehungen vor 22 Jahren in Ermangelung einer ansprechbaren somalischen Regierung abgebrochen waren. Somalia schuldet dem Fonds noch etwa 352 Millionen US-Dollar und kommt deshalb als Nehmer neuer Kredite vorerst nicht in Frage. Die IWF-Anerkennung könnte aber zu technischer und politischer Unterstützung des Fonds führen. Die afrikanische Entwicklungsbank, der Somalia seit zwei Jahrzehnten 92 Millionen US-Dollar schuldet, hat derweil den Weg für Hilfe aus einem Spezialfonds für fragile Staaten geebnet.

Mit gleich zwei Business-Konferenzen, eine in London im Mai 2013 und eine in Nairobi im Juni 2013, will Somalia Investoren ins Land locken. Für risikofreudige Spekulanten bietet das Land breite Beteiligungschancen. Seit mehr als 20 Jahren wurde fast kein Geld mehr in die Infrastruktur gesteckt, die nun nahezu komplett erneuert werden muss. Die antizipierten Bodenschätze, insbesondere Öl, beflügeln die Fantasie von Prospektoren. 

Alleine für die London-Konferenz haben sich bereits 40 Regierungen und multinationale Organisationen angemeldet. Die Konferenz in Nairobi ist dann eine Nachfolgeveranstaltung, bei der es mehr um konkrete Projekte in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Telekommunikation, Immobilien, Landwirtschaft, Fischerei, Ausbildung und Gesundheit geht. Eine Reihe internationaler Firmen haben Interesse bekundet. Firmen wie Coca-Cola, Turkish Airlines, Africa Oil, Range Resources und SKA Air and Logistics sind bereits in Somalia präsent.

In internationalen Rankings wie dem »Ease of Doing Business Ranking« der Weltbank und dem »Index of Economic Freedom« taucht Somalia aufgrund der schlechten Datenlage nicht auf. Im aktuellen »Ibrahim Index of African Governance«, einer Rangliste für gute Regierungsführung, liegt Somalia mit 8 von 100 Punkten weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Im Korruptionsindex von Transparency International teilt sich Somalia mit Nordkorea und Afghanistan den letzten Platz.
<h3>Süderweiterung der geologischen Formationen der Arabischen Halbinsel</h3>
Für viel Fantasie sorgen derweil vermutete Öllager. Die »Republik Somaliland« rechnet mit lukrativen Ölfunden auf dem von ihr kontrollierten Gebiet Somalias. Nach Angaben des Bergbau- und Energieministers Hussein Abdi Dualeh hat das vom ehemaligen BP-Chef Tony Hayward geleitete Unternehmen General Energy seine aus der Luft durchgeführten geologischen Untersuchungen zu 95 Prozent abgeschlossen und wird danach mit der zweidimensionalen Untersuchung eines 4.000 Quadratkilometer großen Gebietes beginnen. Die ersten Ergebnisse wiesen auf vielversprechende geologische Becken hin, sagt Dualeh.

Neben General Energy ist in Somaliland noch die anglo-türkische Genel aktiv, die Mitte 2014 ihre erste Probebohrung niederbringen will. Die britische Ophir Energy verhandele aktuell über einen »2-D seismic contract« und könnte 2015 mit den ersten Probebohrungen beginnen, sagt der Ölminister. »Wir haben mit Sicherheit Öl, die Frage ist nur, ob die Mengen kommerziell verwertbar sind.«

Somalia und vor allem die nördlichen Regionen von Somaliland und Puntland gelten als eine Süderweiterung der geologischen Formationen der Arabischen Halbinsel, insbesondere Saudi-Arabiens. Infolge der Unruhen in den letzten 30 Jahren sei die Gegend aber noch völlig unerforscht.

Die Republik Somaliland ist als De-facto-Regime ein praktisch unabhängiger, international aber nicht anerkannter Staat im Nordteil Somalias, der das ehemalige Kolonialgebiet British-Somaliland umfasst. Das heutige Somaliland hatte sich nach seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1960 mit Italienisch-Somalia zu Somalia vereinigt. 1991 erklärte sich das Land einseitig für unabhängig, als die somalische Regierung gestürzt worden war und der Bürgerkrieg in Somalia eskalierte. Seither hat es seine politische Stabilität weitgehend gewahrt und bescheidene Schritte zur Demokratisierung unternommen. Sollten dort wirklich nennenswerte Mengen Öl gefunden werden, hätte Somaliland vielleicht doch noch eine Chance, die angestrebte internationale Anerkennung zu gewinnen, glauben Beobachter. 
<h3>Relative Stärke der Teilstaaten</h3>
Wie Somaliland ist auch das zuvor erwähnte Puntland ein autonomer, international aber nicht anerkannter Teilstaat in Somalia, dessen politische Führung allerdings weniger an einer eigenen Unabhängigkeit interessiert scheint, sondern eher eine Lösung für Gesamt-Somalia anstrebt. Weitere autonome Teilstaaten sind Galmudug in Mittelsomalia und Jubaland an der Grenze zu Kenia. Somalias Premierminister Abdi Farah Shirdon hat im Frühjahr 2013 begonnen, mit den Administrationen von Puntland und Galmudug Vereinbarungen über eine friedliche Zusammenarbeit zu erreichen. Im Klartext: Es gilt erst einmal, den kleinsten gemeinsamen Nenner auszuloten. Ihre relative Stärke verdanken die Teilstaaten auch den USA, die mit ihnen zusammenarbeiten und sie unterstützen.

Das sich spekulationsfreudige Ölgesellschaften mit Somaliland und Puntland am ehesten anfreunden können, hat neben den aussichtsreichen Funden noch einen anderen Grund: Die Territorien gelten als »einigermaßen friedlich« und es können Verträge mit Aussicht auf Bestand abgeschlossen werden, wenngleich umstritten ist, ob die De-facto-Regime tatsächlich die Jurisdiktion haben, verbindliche Explorations- und Förderverträge abzuschließen. 

So hat das somalische Energieministerium in Mogadischu seinerseits internationale Ölgesellschaften eingeladen, nach mehr als zwei Dekaden Abwesenheit wieder ins Land zu kommen. Alte Verträge mit multinationalen Firmen wie Royal Dutch Shell, BP und Chevron würden honoriert, noch 2013 würden On- und Off-Shore-Felder angeboten, heißt es. Ob die Zeit schon reif dafür ist, erscheint fraglich. Anfang April 2013 forderte das britische Außenministerium seine Landsleute nach Hinweisen auf bevorstehende terroristische Angriffe auf, Mogadischu und Somaliland unverzüglich zu verlassen. Für das deutsche Außenministerium war Somalia schon zuvor eine No-Go-Zone.]]></content:encoded>
			<category>Somalia Wirtschaft</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 19 Apr 2013 10:50:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Nichts zu gewinnen</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/nichts-zu-gewinnen-003623/</link>
			<description>Ägyptens Devisenreserven schrumpfen stetig, bei Grundgütern wie Gas und Weizen drohen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Es geschieht meist um die selbe Uhrzeit in diesen Tagen: Wenn sich die Sonne senkt und die Abenddämmerung hereinbricht, fallen die Lichter aus. Eine Straße nach der anderen versinkt im Halbdunkel der Dämmerung. Meist dauert es 45 Minuten oder eine Stunde bis die 20-Millionen-Metropole Kairo wieder flächendeckend Licht hat. In den gasbetriebenen Stromkraftwerken, die für den Großteil der ägyptischen Elektrizität zuständig sind, steht nicht mehr genügend Gas zur Verfügung, um eine durchgehende Stromversorgung zu gewährleisten.

Im Alltag lassen nicht nur die regelmäßigen Stromausfälle diese Engpässe bei Gas und Öl spürbar werden. An Tankstellen brechen sich Unmut und Streitigkeiten Bahn, wenn die Zapfsäulen wieder mal leer sind. Und selbst in den wohlhabenderen Stadtteilen fällt die Gasrechnung immer teurer aus.&nbsp; 

Grund für die Versorgungsengpässe ist die angespannte finanzielle Lage des Landes, das schlichtweg nicht mehr genügend Gas und Öl einführen kann, um eine vollständige Versorgung aufrechtzuerhalten. Seit dem Sturz Hosni Mubaraks sind die ägyptischen Devisenreserven von circa 30 auf 13 Milliarden US-Dollar gesunken. Importe werden in US-Dollar abgewickelt, doch die Hauptquelle für Devisen, der Tourisums, stagniert auf niedrigem Niveau. Das ägyptische Pfund hingegen verlor seit der Revolution kontinuierlich an Wert und fiel Anfang April auf ein neues Rekordtief. 
<h3>Ägypten kann die Weltmarktpreise nicht mehr bezahlen</h3>
So ist Ägypten mittlerweile nicht mehr in der Lage, seinen Versorgungsbedarf durch Einkauf zu den geläufigen Weltmarktpreisen zu decken. Nach Einschätzung der Energie-Consulting-Firma Energy Aspects schuldet Ägypten verschiedenen Lieferanten insgesamt noch 6-8 Milliarden US-Dollar für bereits eingeführtes Öl und Gas. Vor den Häfen am Mittelmeer und am Roten Meer stehen dieser Tage die Tanker Schlange – die Ölfirmen warten erst auf die Bezahlung der letzten, bevor sie grünes Licht zum Löschen der neuen Ladung geben.&nbsp;&nbsp; 

Um einem Energie-Notstand entgegenzuwirken, verhandelt das ägyptische Ölministerium derzeit über »Vorteilsbedingungen« für den Abschluss neuer Verträge. Verhandlungen mit Irak, Libyen und Katar sind im Gange, aber Ägypten ist dabei kaum in einer komfortablen Verhandlungsposition. Laut der Tageszeitung <i>Al-Masry al-Youm</i> bietet Ägypten einen Abnahmepreis an, der bei einem Drittel des Betrages liegt, für den Katar Gas an asiatische Länder liefert. 

Die einzigen permanenten Öl-Lieferungen kommen derzeit aus Kuwait – dank eines Vertrags, der kurz vor dem Sturz Hosni Mubaraks geschlossen wurde. Auch dieser gewährt Ägypten bereits einen ungewöhnlich langen Zahlungsaufschub von neun Monaten. 
<h3>»Künstliche Beatmung« aus den Golfstaaten </h3>
Geld zur Entlastung der fiskalischen Engpässe des Landes fließt bisher aus der Türkei, dem Irak und Katar. Der Golfstaat mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt stellte jüngst noch einmal 5 Milliarden Euro zur Verfügung. »Ägypten hängt an der katarischen Beatmungsmaschine«, zitiert <i>Al-Masry al-Youm</i> einen Mitarbeiter einer internationalen Rohstoffhandelsbörse. »Doch lange kann das nicht mehr so weiter gehen.«

Über einen Kredit mit dem IWF über 4,8 Milliarden US-Dollar wird seit nunmehr fast zwei Jahren verhandelt. Zuletzt sollte der Kredit im November 2012 abgeschlossen werden, doch der Termin platzte nach den Unruhen infolge der kontroversen Dekrete Muhammad Mursis.

Die Verhandlungen ziehen sich in die Länge, denn der Kredit ist an die beim IWF üblichen fiskalischen Strukturanpassungsmaßnahmen gebunden. Die Verhandlungsführer auf ägyptischer Seite wissen, was das bedeutet: Eine drastische Kürzung der Subventionen, die derzeit in Ägypten 20 Prozent der Staatsausgaben ausmachen. Die Ausgaben für das Militär liegen dagegen bei 12 Prozent, die für den Bildungssektor bei 9 Prozent und jene für das Gesundheitswesen bei 5 Prozent, wie die ägyptische NGO »Budget and Human Rights Observatory« für das Jahr 2011 schätzt. Von den Stromrechungen energieintensiver Industriebetriebe über Gas für den Küchengebrauch bis hin zu Weizen für die Bäckereien gibt es in Ägypten kaum etwas, was nicht bezuschusst wird.

Vor allem die Subventionierung von Weizen ist seit Jahrzehnten elementarer Bestandteil der Politik jeder ägyptischen Regierung gewesen. Dies ermöglicht den Bäckereien Brot zum ermäßigten Preis von 5 Piastern pro Stück (umgerechnet weniger als ein Euro-Cent) zu verkaufen – essentiell für die 40 Prozent der Ägypter, die unter der Armutsgrenze leben. Das typische »Baladi«-Brot, runde, dunkel gebackene Fladen, ist in Ägypten Kernbestandteil der meisten Gerichte und für Millionen Menschen die Hauptnahrungsquelle. Stände, an denen für umgerechnet 10 bis 15 Euro-Cent Baladi-Brot mit Ful (Favabohnen), Tameya (Falafel) oder Shakhshouka (Omlette) verkauft wird, finden sich in Ägypten an jeder Straßenecke. 
<h3>Kein Land importiert so viel Weizen wie Ägypten</h3>
Doch nun droht gerade für die Einfuhr des Grundnahrungsmittels Weizen ein neuer Engpass. Ägypten ist der größte Weizenimporteur der Welt – mehr als die Hälfte des Jahresverbrauchs von 20 Millionen Tonnen muss importiert werden. 9 Millionen Tonnen davon fließen in das staatliche Programm zur Subventionierung von Weizen, um den Brotpreis für die Unterschichten künstlich niedrig zu halten.&nbsp; 

Nach Angaben aus dem Landwirtschaftsministerium von Ende März 2013 werden die Einfuhren für das laufende Jahr wegen der Finanzklemme um knapp 10 Prozent zurückgefahren. Das Ministerium ließ verlauten, Ägypten werde stattdessen versuchen, die Eigenproduktion zu vergrößern und durch nachhaltigere Lagermethoden größere Reserven anzulegen. Die aktuellen Weizenreserven reichen laut Landwirtschaftsministerium noch bis Ende Juni 2013. 

Beim Weizenimport setzen die ägyptischen Verhandlungsführer ähnlich wie bei Öl und Gas angesichts der prekären Finanzlage auf Vorteilsbedingungen seitens der Lieferanten. Der Großteil des Weizens wird aus den USA, Russland, der Ukraine und Frankreich eingeführt. Der für den Import zuständige Minister Bassam Kamal erklärte, er gehe davon aus, dass die Lieferländer angesichts der angespannten Finanzlage Sonderbedingungen gewähren werden –&nbsp; anderenfalls werde Ägypten sich nicht kooperativ beim Zugang zum ägyptischen Markt erweisen. »Wer Ägypten in dieser schwierigen Phase nicht hilft, kann auch von uns keine Hilfe erwarten. Wir gehen davon aus, dass unsere Freunde in den USA und Europa günstige Bedingungen für den Kauf von Weizen gewährleisten werden.« 
<h3>Abhängigkeit in alle Richtungen </h3>
Die ohnehin ausgeprägte Abhängigkeit des Landes in fast jederlei Hinsicht erreicht nun ein noch größeres Ausmaß. Zur Deckung seiner Energieversorgung und des Ölverbrauchs ist Ägypten auf die Golfstaaten, den Irak und Libyen angewiesen. Das Grundnahrungsmittel Weizen wird aus den USA, Russland, Frankreich oder der Ukraine eingeführt. Kredite kommen aus Katar, der Türkei und mit großer Wahrscheinlichkeit bald auch vom IWF. Wirtschaftswachstum in einem Maße, das die prekäre Haushaltslage Ägyptens entschärfen und Perspektiven für die 700.000 jungen Menschen, die jährlich auf den Arbeitsmarkt strömen, anbieten könnte, ist hingegen in absehbarer Zeit nicht in Sicht. 

Nach Schätzungen der ägyptischen NGO »Center for Trade Union and Worker's Services« (CTUWS)&nbsp; mussten in den zwei Jahren seit der Revolution mindestens 4500 Fabriken ihre Tore schließen, hunderttausende Arbeiter verloren ihren Job. Vor allem die Textilindustrie, die unter Nasser und Sadat als staatlicher Beschäftigungsmotor und Devisenbringer stark subventioniert und während der frühen 1990er Jahre zum Großteil privatisiert worden war, trifft die Pleitewelle hart. 

Der CTUWS-Vorsitzende Adel Zakariya nennt »Schwierigkeiten der Unternehmen in einem Klima politischer Instabilität von Banken Kredite zu erhalten« als Hauptgrund für die Masse der Insolvenzen. In der aktuellen Lage sei die Schaffung von 700.000 neuen Arbeitsplätzen illusionär, sagt Gewerkschafter Tallal Shokr: »Das einzige, was die Regierung&nbsp; gegenwärtig tun kann, ist die bereits Beschäftigten mit Arbeitsverträgen auszustatten und diese als neu geschaffene Jobs ausgeben.« 
<h3>»Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit – und Elektrizität«</h3>
So deutet vieles darauf hin, dass das Land ökonomisch weiterhin auf niedrigen Niveau stagnieren wird, während parallel dazu die Abhängigkeit vom Ausland steigt. Die Frustration über die ausbleibende Verbesserung, die Stromausfälle, die Aussichtslosigkeit auf dem Arbeitsmarkt bestimmen mittlerweile die Gespräche auf der Straße stärker als der politische Machtkampf zwischen den Muslimbrüdern und der Opposition. Auf dem Sender <i>Radio Masr</i> scherzen die Kommentatoren darüber, wie sich die immer noch unerfüllten Ziele der Revolution in den letzten Wochen erweitert haben: »Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit – und Elektrizität«. 

In diesem Klima könnte sich die an den IWF-Kredit gebundene Subventionskürzung explosiv auswirken. In den Verhandlungen mit dem IWF befindet sich das Land in einer No-Win-Situation. Das Geld wird dringend gebraucht, um die laufenden Haushaltsausgaben finanzieren zu können – doch die Subventionskürzungen werden die Beschäftigungsrate und die Lage für die Unterschichten auf absehbare Zeit eher verschlechtern. 

In der jüngeren ägyptischen Geschichte gibt es einen Präzedenzfall, den mancher der ägyptischen Verhandlungsführer mit dem IWF noch im Hinterkopf haben mag: 1977 – als Ägypten nur ungefähr die Hälfte der heutigen Bevölkerung hatte – kürzte die damalige Regierung unter Anwar Al-Sadat im Zuge ihres graduellen Privatisierungsprogramms schon einmal die Subventionen für Brot. Am Tage darauf zogen in Kairo, Alexandria und den Industriestädten im Delta Hunderttausende voller Wut auf die politische Führung auf die Straße. Die Brotunruhen von 1977 wurden gewaltsam niedergeschlagen, einige Hundert Menschen starben. Doch die Subventionen auf Brot wurden kurz darauf wieder eingeführt. ]]></content:encoded>
			<category>Ägypten Wirtschaft Finanzen</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 12:51:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>»Die haben keinen Steve Jobs«</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/die-haben-keinen-steve-jobs-003612/</link>
			<description>Die arabische Welt ist träge – und wer mit Mädchennamen »Frangieh« heißt, setzt sich ins gemachte...</description>
			<content:encoded><![CDATA[»Männer haben Angst vor Frauen, die klug und schön zugleich sind«, sagt Hala Fadel. Das hat man sicher schon einmal gehört – aber angesichts der aktuellen Sexismus-Debatte in Deutschland kann es nicht schaden, es noch einmal zu erwähnen. Schließlich lebt Fadel, 39, im Libanon, wo die Beschäftigungsquoten von Frauen in führenden Positionen zwar nicht mit denen Saudi-Arabiens zu vergleichen, aber ähnlich beschämend sind wie in der Bundesrepublik.

Rund ein Viertel der Frauen im Libanon sind berufstätig und machen damit um die 30 Prozent der Erwerbstätigen im Land aus. Sie haben nach Fadels Ansicht aber kaum familiäre Unterstützung für eine Karriere. »Ich habe einen Karriere-Coach. Wir treffen uns einmal die Woche und planen meinen Tagesablauf, sodass ich genügend Zeit für meine Kinder und für meine Projekte habe«, erklärt die dreifache Mutter im Gespräch mit <i>zenith</i>. Sie ist sich bewusst, wie wichtig der familiäre Rückhalt für ihren eigenen Erfolg war: Ihr Mann Robert Fadel ist Abgeordneter im libanesischen Parlament und Direktor einer Stiftung zur Wirtschaftsförderung. Sie selbst stammt aus dem weitläufigen Großgrundbesitzer-Clan der Frangieh aus dem Norden des Libanon, allerdings nicht aus einem der wohlhabendsten Zweige.

Dennoch, so mögen Kritiker, einwenden, habe sie leicht reden über die »Trägheit und Energiearmut der Menschen in der arabischen Welt«. Aber sie unternimmt etwas dagegen: Bereits 2005, also mit 32 Jahren, gründete Fadel das »MIT Enterprise Forum of the Pan Arab Region« – einen Ableger der weltweit aktiven MIT-Foren, die Kapital und Technologie vernetzen wollen. »MIT« steht für »Massachusetts Institute of Technology«, die amerikanische Kaderschmiede, wo die Netzwerke und Ideenwettbewerbe der Foren entstanden. Im Gründungsjahr, so erinnert sich Fadel, bewarben sich 1.500 Teams mit Geschäftsideen für den Wettbewerb, mittlerweile sind es mehr als 5.200 aus 20 Ländern der Nah- ost-Region. Und der Anteil an weiblichen Team-Mitgliedern wachse rasant: »Wir sind inzwischen bei der Hälfte der Bewerber angekommen – das hätte man von der arabischen Welt gar nicht erwartet!«
<h3>Die üblichen Verdächtigen: Frauen und Palästinenser</h3>
Innovation, Skalierbarkeit und Bedeutung des Projekts für die Region – das sind die Hauptkriterien der Juroren. Ziel sei es, Netz- werke zu bilden, auf die junge Unternehmer ein Leben lang zurückgreifen können: »Die haben keinen Steve Jobs, zu dem sie auf- schauen können. Alles, was sie sehen, sind Machthaber, die nicht für ihre Position oder ihren Reichtum kämpfen mussten«, kritisiert Fadel. Sie selbst hat im Alter von 16 Jahren angefangen zu jobben und sich ihr Studium in Cambridge und Paris durch Arbeit und Stipendien finanziert. Danach arbeitete Fadel zunächst als Analystin im Fusionsgeschäft bei der Investment-Bank Merill Lynch.

Heute verdient sie ihr Geld als Fondsmanagerin und engagiert sich ehrenamtlich im Projekt »Social Challenge«, das ab September 2013 Konzepte zur Armutsbekämpfung in der arabischen Welt prämiert. Ihren Unternehmergeist entdeckte Fadel 1999 während ihres Master-Studiums an der Sloan School of Management des MIT: »Damals hat jeder seine eigene Firma aufgemacht – ich wollte da nicht hinten anstehen«, erzählt sie. Sie bewarb sich bei einem Förderwettbewerb mit der Idee für eine Software zur Minimierung der Telekommunikationsausgaben von Banken, gewann und verkaufte schließlich nach zwei Jahren ihren ersten eigenen Betrieb.

Ihr eigenes Forum in der arabischen Welt sieht sich mit vielen bürokratischen Hürden konfrontiert. Die Endrunde des Wettbewerbs findet jedes Jahr in einem an- deren Land der Region statt. »Wohl nicht mehr in Saudi-Arabien«, schimpft Fadel: Der Hälfte der Teilnehmer hätten die Saudis 2008 die Einreise zur Eröffnungszeremonie verweigert. Frauen und Palästinenser hätten es besonders schwer gehabt: »Die einen hielten sie für Prostituierte, die anderen für Terroristen.«
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="/fileadmin/img/vorlagen/zenith_1_13_126x162.jpg" style="cursor:move;" height="162" width="126" alt="" /> 						</div>
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<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>]]></content:encoded>
			<category>Libanon Wirtschaft Frauen</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 09:38:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Schweres Erbe und leere Kassen</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/schweres-erbe-und-leere-kassen-003601/</link>
			<description>Nach dem knappen Sieg von Uhuru Kenyatta ist Kenia erleichtert über den relativ ruhigen Ablauf der...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die kenianischen Wahlen sind ohne große Ausschreitungen über die Bühne gegangen. Das Wort »friedlich« geht dem Beobachter dennoch nur schwer über die Lippen angesichts von Anschlägen mit Toten und Verletzten kurz vor Öffnung der Wahllokale. In Sachen Demokratie hat Kenia dazugelernt: Die politischen Debatten im Fernsehen waren bemerkenswert, und die mutigen Fragen der Journalisten verdienen Respekt. Seinen unseligen Tribalismus aber hat Kenia nicht überwinden können. In ihren jeweiligen Stammesgebieten konnten die beiden Spitzenkandidaten bis zu 98 Prozent der gültigen Stimmen gewinnen, während Bewerber ohne die Machtbasis eines großen Stammes keinerlei Chancen hatten.

Uhuru Kenyatta und sein designierter Vize, William Rutu, gehören zwei führenden Ethnien des Landes an, den Kikuyu (größte Ethnie) und Kalenjin (viertgrößte). Kenyatta, geboren 1961, gilt als reichster Mann Kenias und ist der zweitjüngste Sohn des ersten Staatspräsidenten, Jomo Kenyatta. Während der vorhergehenden Präsidentschaftsperiode war Uhuru Kenyatta Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident Kenias.

Nach den Wahlen wird Uhuru Kenyatta nun gleich an mehreren Fronten kämpfen müssen: Er wird sich gegen die Wahlanfechtung seines unterlegenen Kontrahenten Raila Odinga wehren müssen, und er wird sich auch auf seine Verteidigung vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vorbereiten müssen, wo er und sein Vize schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen während der Wahlen im Jahr 2007 angeklagt sind. Prozessbeginn ist für Kenyatta der 9. Juli 2013.
<h3>Eine Woche stand das Wirtschaftsleben fast still</h3>
Gleichzeitig stehen der neue Präsident und seine Regierung vor gewaltigen ökonomischen Herausforderungen. Hierbei will Kenyatta seinen Blick verstärkt nach Osten richten. China ist bekanntlich beim Thema Menschenrechte betont neutral und beschäftigt sich grundsätzlich nicht mit inneren Angelegenheiten afrikanischer Staaten.

Die kenianische Wirtschaft ist unterdessen erst einmal erleichtert, dass die Wahlen ohne große Ausschreitungen und vor allem ohne Plünderungen und Zerstörungen über die Bühne gegangen sind. Geschäfte und Betriebe waren weitgehend geschlossen, die Straßen so leer wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Wirtschaft ist allerdings über die tagelange Auszählung der Stimmen verärgert, wegen der Arbeiter und Angestellte zuhause geblieben waren. Der Übergang zur Normalität dauerte mehr als eine Woche. Die Nachbarstaaten werden vermutlich Schadensersatz verlangen, weil der Gütertransport über Mombasa eine Woche lang weitgehend ausgefallen war. Richtung Uganda wurde zum Beispiel nur noch 10 Prozent des üblichen Warenverkehrs abgefertigt.

Die für die Organisation der Wahlen zuständige »Independent Electoral and Boundaries Commission« (IEBC) hatte für viel Geld Identifikations-Hard- und Software angeschafft und eine schnelle Auszählung und elektronische Übermittlung ins Wahlzentrum versprochen, damit erst gar keine Zeit für Manipulationen bliebe. Gehalten hat sie das Versprechen nicht: Die Personenidentifikationssysteme funktionierte ebenso wenig wie die elektronische Übertragung der Daten. Kofi Annan, der ehemalige UN-Generalsekretär, hatte der IEBC zuvor aufgrund der Erfahrungen in Ghana eindringlich empfohlen, die Systeme zu testen und das Personal zu trainieren.
<h3>Die verarbeitende Industrie leidet unter der Ineffizienz des Hafens von Mombasa </h3>
Während Kenyatta und sein Vize sich in den nächsten Wochen und Monaten auf ihre Verteidigung in Den Haag konzentrieren dürften, muss sich ihr Kabinett vordringlich der ererbten leeren Staatskasse widmen. Die Schulden der öffentlichen Hand können kaum noch bedient werden, die Handlungsfähigkeit kann nur noch durch neue Schulden aufrechterhalten werden. Ein jüngster Bericht des Rechnungshofes warnt vor einem massiven Fehlbetrag bei der Steuereintreibung. Gleichzeitig sei eine »verlangsamte« Auszahlung von Gebergeldern zu verzeichnen. Überweisungen an Ministerien und Behörden mussten zum Teil bereits ausgesetzt werden. Die im laufenden Haushalt vorgesehenen Ausgaben können so nicht in vollem Umfang realisiert werden.

Der Internationale Währungsfond (IWF) hat Kenia eindringlich vor seinem rapide wachsenden Schuldenberg gewarnt. Die Verschuldung habe 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht, eine Größenordnung, die untragbar und nicht mehr zu beherrschen sei. Kenia müsse Verschwendung reduzieren, sein Geld überlegter ausgeben und mehr Steuern einnehmen. Das Land hat in den letzten Jahren kräftig neue Schulden gemacht, um ambitionierte Infrastrukturgroßprojekte zu finanzieren, und gleichzeitig seinen öffentlichen Dienst immer weiter aufgebläht. Das kenianische Finanzministerium beziffert den Schuldenstand der Regierung per 30 Juni 2012 auf umgerechnet 15,5 Milliarden Euro.

Die Weltbank, Kenias größter Geldgeber, ist mit dem Land auch nicht zufrieden und fordert vor allem, den Betrieb des Mombasa-Hafens zu reformieren, um die Produktion im Land anzukurbeln. Kenianische Produkte seien wegen der hohen Hafenkosten, die durch Verzögerungen, schlechte Abwicklung und Korruption verursacht würden, schlichtweg nicht wettbewerbsfähig, heißt es. Die Ineffizienz im Hafen von Mombasa sei eine der Hauptgründe für den Niedergang der verarbeitenden Industrie.

Die »Kenya Association of Manufacturers« (KAM) stellt ähnliche Forderungen: Der Standort Kenia werde für eine Produktion von Jahr zu Jahr teurer, während die Bürokratie den Handlungsspielraum immer weiter einschränke. Überteuerte Inputs wie Energie, Arbeit und Transport machten Kenia immer weniger wettbewerbsfähig, heißt es. Im Doing-Business-Report der Weltbank von 2013 sei Kenia von 185 bewerteten Ökonomien vom 109. auf den 121. Rang zurück gefallen. Die neuere Regierung müsse das Ruder herumreißen und das Land wieder wettbewerbsfähiger machen. Eine bezahlbare und verlässliche Stromversorgung sowie ein effizienterer Hafen Mombasa sind die beiden Hauptforderungen des Verbandes.]]></content:encoded>
			<category>Kenia Wirtschaft Wahlen</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 13 Mar 2013 12:27:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Hausgemachtes Defizit</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/hausgemachtes-defizit-003593/</link>
			<description>Die indonesische Rupie hat im Laufe des Jahres 2012 kontinuierlich an Wert zum US-Dollar verloren....</description>
			<content:encoded><![CDATA[Während zahlreiche Länder versuchen, durch eine künstliche Abwertung ihrer Währung den Exportsektor zu unterstützen, verfolgt die indonesische Politik derzeit die entgegengesetzte Strategie. Anfang Februar 2013 erklärte die Zentralbank, dass sie Maßnahmen zur Stützung der indonesischen Rupie ergreifen werde. Diese hatte im Laufe des Jahres 2012 kontinuierlich an Wert zum US-Dollar verloren. Mit einer Abwertung von rund 6 Prozent zur amerikanischen Leitwährung war sie nach dem japanischen Yen die am stärksten nachgebende Währung Asiens.

Der Exportsektor konnte von der Abwertung jedoch nur wenig profitieren, denn die Ausfuhren des Landes bestehen zum großen Teil aus Rohstoffen, Erdöl und -gas. Da die entsprechenden Weltmarktpreise 2012 stark nachgegeben hatten, sanken die Warenexporte um 6 Prozent zum Vorjahr. Zugleich legten die Einfuhren um 8 Prozent zu, so dass es ein mit 1,6 Milliarden US-Dollar allerdings nur geringes Handelsbilanzdefizit gab.
<h3>Vom Erdölnettoexporteur zum -importeur</h3>
Ökonomen sehen in der Subventionierung der Benzin- und Strompreise einen wichtigen Grund für die Entstehung des Defizits. Indonesien hat sich laut Einschätzung eines Vertreters des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Folge der staatlichen Stützungspolitik von einem Erdölnettoexporteur zu einem -importeur gewandelt. Die entsprechenden Transferleistungen beliefen sich 2012 nach vorläufigen Schätzungen der Weltbank auf rund 25 Milliarden US-Dollar – das entspricht ungefähr einem Viertel der gesamten öffentlichen Ausgaben.

Obwohl die Weltbank, der IWF und zahlreiche lokale Ökonomen die Regierung seit Jahren zu einer Beendigung ihrer Subventionspolitik drängen, dürfte es zumindest 2013 noch keine signifikanten Änderungen geben, schließlich stehen im Jahr 2014 die Präsidentschaftswahlen an. Daher dürfte es 2013 nach einhelliger Meinung der Analysten ebenfalls zu einem Handelsbilanzdefizit kommen, was die Rupie weiter unter Druck geraten lassen könnte.

Die Zentralbank versucht in der Zwischenzeit, mit Hilfe ihrer ausländischen Währungsreserven den Wechselkurs zu stützen. Im Januar 2013 schmolzen diese in Folge von Dollar-Käufen um rund 4 Milliarden auf 109 Milliarden US-Dollar. Mit dieser Summe können allerdings immer noch die Importe für sechs Monate bezahlt werden. Zudem sind die entsprechenden Reserven damit doppelt so hoch wie zum Jahresbeginn 2009.]]></content:encoded>
			<category>Indonesien Wirtschaft Konjunktur</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 05 Mar 2013 14:55:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Auf ungewisser Spur</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/auf-ungewisser-spur-003587/</link>
			<description>Die Entwicklung des ägyptischen Kfz-Markts steht in den Sternen. Zum Schutz der inländischen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ägyptens Fahrzeugmarkt ist 2012 trotz schwieriger Bedingungen wieder gewachsen. Zum Teil wurde dies durch die Abwertung des Ägyptischen Pfundes begünstigt, die gegen Jahresende einsetzte und die Absatz und Einfuhren auch noch in den ersten Monaten 2013 beflügeln könnte. Nach Ansicht der Managervereinigung »Automotive Marketing Information Council« (AMIC) werden die Kaufentscheidungen künftig auch dadurch beeinflusst, dass die Behörden mit dem Abbau von Kraftstoffsubventionen begannen und ankündigten, zum Sommer ein Smart Card-Systems zur Rationierung von subventioniertem Kraftstoff einzuführen. Wer es sich leisten kann, wird in Richtung Kraftstoffeffizienz denken, das Gros der Nachfrager tendiert zu kleineren Fahrzeugen. Wegen der Sicherheitsprobleme schaffen sich die Wohlhabenden für den Tagesbedarf Kleinwagen als Zweitfahrzeuge an.

Die Makro-Daten bleiben schwach. Geringe Investitionen mit mäßigem BIP-Wachstum von 2,5 bis 3 Prozent, steigende Inflation und Arbeitslosigkeit sowie weiter schrumpfende Devisenreserven stehen auf der Negativliste. Importeure haben Schwierigkeiten, noch Devisen zu bekommen und beschaffen sich zunehmend Geld vom Schwarzmarkt. Die Menschen zögern mit dem Kauf langlebiger Konsumgüter und teurer Waren; das Konsumklima bleibt trotz einer Verbesserung im Januar 2013 schlecht.

Vom Kfz-Gesamtmarkt 2012 mit 200.252 Einheiten entfielen 87.896 auf im Inland montierte Fahrzeuge. Dies entsprach einem Zuwachs um 7 Prozent nach einem Rückgang um 30 Prozent im Vorjahr. Das Segment der Fertigimporte kam auf 112.356 Einheiten und verzeichnete damit einen Anstieg um gut 19 Prozent nach minus 29 Prozent. Damit wurde gut die Hälfte aller Fahrzeuge fertig importiert. Meistverkaufte Marke war Chevrolet (Marktanteil 2012: 26,6 Prozent) vor Hyundai (20,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgten Kia (10,1 Prozent), Toyota (7,2 Prozent) und Renault (5,7 Prozent). 

Die Pkw-Verkäufe sind 2012 um 8 Prozent auf 144.123 Einheiten gestiegen. Der November und vor allem der Dezember haben dabei recht gut abgeschnitten. Grund war laut AMIC, dass die Kunden eine Währungsabwertung und damit steigende Preise erwarteten. Die einzelnen Segmente tendierten durchaus unterschiedlich. Zu den Gewinnern gehörten Pkw mit kleinerem Hubraum. Vor allem die volumenmäßig zweitstärkste Kategorie von 1,3 bis 1,5 Liter (+33 Prozent auf 28.836 Einheiten) legte zu. Angesichts der nicht überwundenen Krise setzen viele Importeure auf das Segment bis 1,6 Liter, um von reduzierten Zollsätzen zu profitieren.
<h3>Wiederbelebung der einheimischen Motorenproduktion?</h3>
Bei Nutzfahrzeugen verlief der Markt in allen Segmenten günstig. Die Inlandsmontage erholte sich, während die Fertigimporte noch stärker zulegten. Die Perspektiven für 2013 sind unklar. Die Investitionsneigung bleibt generell und auch bei Fahrzeugen vorerst gering. Die Furcht vor einer weiteren Abwertung hat zuletzt die Lkw-Käufe angetrieben. Der Verkauf von Pickups lebt davon, dass mit ihnen das tägliche Einkommen in Landwirtschaft und Kleinhandel erzeugt wird. Der Nachholbedarf bei Nutzfahrzeugen in Industrie, Handel, Baugewerbe und Logistik bleibt hoch, jedoch dürfte es nicht vor 2014 zu einer anhaltenden Erholung kommen.

Der Absatz von Bussen stieg 2012 um 54 Prozent von 13.029 auf 20.016 Einheiten. Das Segment der für den Tourismus zum Einsatz kommenden Fahrzeuge legte dabei um 25 Prozent zu, andere um 56 Prozent. Die Lage im Tourismus ist durch die politischen Ereignisse beeinträchtigt und lässt für das Reisebusgeschäft nur wenig Optimismus zu, auch wenn die Regierung für 2013 Zuversicht zur Schau stellt. Eine stärkere Aufhellung der Perspektiven ist kaum vor der Wintersaison 2013/14 zu erwarten. Insgesamt blieben vor allem Kleinbusse gefragt. Neue Schulen mit ihrem Bedarf an Bussen tragen zur Marktbelebung bei, während die Unternehmen eher zurückhaltend agieren.

Die Branche wartet seit Beginn der politischen Umwälzungen vor mittlerweile zwei Jahren auf eine Strategie zur Entwicklung der inländischen Automobilindustrie. Kürzlich kündigte das Industrieministerium die Entwicklung eines »ägyptischen« Motors an. Das Ministerium für Militärproduktion will dem Vernehmen nach die seit vier Jahren in der Liquidation befindliche »Nasr Car Manufacturing Company« wiederbeleben. Zudem soll die Regierung ein Aussetzen des Abkommens mit der EU über einen schrittweisen Zollabbau bei Kraftfahrzeugen forcieren. Ob dies gelingt, ist laut AMIC offen. Die europäischen Hersteller hoffen mit Blick auf ihre künftigen – auch für ansiedlungsbereite Kfz-Zuliefere bedeutsamen – Investitionen vor Ort auf eine klarere Politik.]]></content:encoded>
			<category>Ägypten Wirtschaft Konjunktur</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 12:40:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Ohne Fahrplan kein Wachstum</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/ohne-fahrplan-kein-wachstum-003580/</link>
			<description>Regierungs- und Verfassungschaos trüben Tunesiens Aussichten auf wirtschaftliche Erholung. Der...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Ermordung des tunesischen Oppositionspolitikers Choukri Belaid am 6. Februar hat in Tunesien eine Welle der Trauer und Empörung ausgelöst. Der Generalsekretär der kleinen linksgerichteten Partei »Demokratische Patrioten« galt als einer der schärfsten Kritiker der islamistischen Regierungspartei Ennahda. Auch in Wirtschaftskreisen sorgt das Attentat und seine politischen Konsequenzen für große Verunsicherung. Ungewiss bleibt, ob der blockierte Transformationsprozess wieder in Fahrt kommt.

Der tunesische Ministerpräsident Hamadi Jebali hatte noch am Abend des Attentates in einer Fernsehansprache auf den Anschlag reagiert und die Bildung eines neuen Kabinetts angekündigt, das aus parteilosen Experten bestehen soll. Das neue Kabinett soll die Regierungsarbeit übernehmen und die längst fälligen Wahlen durchführen. Die neuen Regierungsvertreter sollen dann für die kommende Wahl nicht kandidieren, so Jebali.

Der Ministerpräsident, der selbst der islamistischen Regierungspartei Ennahda angehört, wird von Parteifreunden wegen seiner geplanten Kabinettsumbildung heftig kritisiert. Unklar ist, ob nach dem Scheitern der Pläne Jebalis der Weg für eine weiterhin von der Ennahda dominierte Regierung freigemacht wird.
<h3>Noch steht weder die Verfassung noch ein glaubwürdiger Zeitplan für neue Wahlen</h3>
Die gegenwärtige politische Krise belastet unmittelbar die Wirtschaft. Ohnehin ist der Erholungsprozess im Jahr 2012 mit einem Wachstum von schätzungsweise real 2,9 Prozent (nach einem Minus im Vorjahr von 1,8 Prozent) nur mäßig ausgefallen. Zudem sind eine hohe Inflationsrate und eine gestiegene Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Die Entwicklung im Land wirkt sich auch auf den Tourismus aus: Über die Osterferien dürften weniger Touristen nach Tunesien kommen, als zunächst erwartet.

Die Ratingagentur Fitch hat infolge der gegenwärtigen politischen Krise angekündigt, die Bonität Tunesiens herabzustufen. Erst im Dezember 2012 hatte Fitch Tunesiens Note auf BB+ mit negativen Aussichten reduziert. Abwartend verhält sich die tunesische Börse: Der tunesische Börsenindex »Tun Index« hat sich nach Verlusten infolge des Attentates um 3,7&nbsp; Prozent bis zum 13. Februar um 1,7 Prozent erholt.

Die mittelfristigen Folgen der politischen Krise sind für die Wirtschaft Tunesiens noch nicht abzusehen. Vieles wird davon abhängen, ob in den kommenden Wochen eine neue Regierung gebildet wird und wie sich diese zusammensetzt. Zu hoffen ist, dass mit einem neuen Kabinett die seit Monaten währende Stagnation des verfassungsgebenden Prozesses wieder in Gang kommt. In einem breiten Konsens hatten sich Parteien und Verbände geeinigt, bis zum Oktober 2012 eine neue Verfassung zu beschließen und daraufhin Wahlen für eine neue Regierung zu organisieren. Mitte Februar 2013 steht weder die Verfassung, noch ein glaubwürdiger Zeitplan für neue Wahlen.
<h3>Größter Pluspunkt ist der hohe Industrialisierungsgrad</h3>
Die Regierung hat immer wieder konstitutionelle Reformen hinausgezögert. Nicht zum ersten Mal hat daher die Präsidentin des wichtigsten tunesischen Unternehmerverbandes UTICA, Wided Bouchamaoui, noch am 4. Februar die verfassungsgebende Versammlung dazu angehalten, ein Datum für den Abschluss des neuen Grundgesetzes zu setzen und die Schaffung konstitutioneller Institutionen zu beschleunigen, um dadurch das Investitionsklima zu verbessern. Zudem forderte sie die neue Regierung auf, etwas gegen die steigende politische Gewalt gegen Oppositionsparteien, Journalisten und Intellektuelle zu unternehmen. Sollten die radikalen Kräfte innerhalb der Ennahda an einer neuen Regierung beteiligt werden, sind Zweifel bei der Umsetzung dieser wichtigen Forderung angebracht.

Insgesamt fallen für Tunesien die Entwicklungsperspektiven bei stabilen Regierungsverhältnissen und einem erfolgreichen Abschluss des politischen Übergangs gut aus; wichtige Impulse wären dann seitens der tunesischen Unternehmen zu erwarten. Tunesische Firmen waren, im Unterschied zu ausländischen Unternehmen, die Leidtragenden der Bereicherung des Ben-Ali-Clans. So bestritten 2004 die Investitionen Privater lediglich 12,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Als wirtschaftliche Pluspunkte des Landes gelten der im regionalen Vergleich hohe Industrialisierungsgrad, eine im produzierenden Gewerbe hohe Mehrwertschöpfung pro Kopf und die geografische Nähe zu Europa. Bei der Erschließung der eher schwierigen Nachbarmärkte können Partnerschaften mit tunesischen Unternehmen helfen. Zu den erfolgversprechenden Branchen für eine Zusammenarbeit zählen der IT- und der Gesundheitssektor oder die erneuerbaren Energien, einschließlich der Bereich Energieeffizienz. Der Tourismussektor des Mittelmeerlandes ist noch ausbaufähig, hier sind vor allem neue Konzepte gefragt.]]></content:encoded>
			<category>Tunesien Wirtschaft Konjunktur</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 18 Feb 2013 11:46:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Hochdruck im Treibhaus</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/hochdruck-im-treibhaus-003575/</link>
			<description>Katar pflegt ein Image als regionaler Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz....</description>
			<content:encoded><![CDATA[Für ein Land, das in diesem Spätherbst die jährliche UN-Klimakonferenz beherbergte und damit die Aufmerksamkeit der weltweiten Umweltschutz-Community auf sich zog, hatte Katar ein objektives Problem. Ungeachtet aller Klimaschutzrhetorik – einschließlich des kühnen Versprechens, ausgerechnet in der Golfregion in zehn Jahren die erste CO2-neutrale Fußball-WM abzuhalten – gibt das reiche Emirat bei den harten Klimafakten bislang kein gutes Bild ab: In der weltweiten Rangliste für den größten »ökologischen Fußabdruck«, die die Umweltorganisation WWF alle zwei Jahre veröffentlicht, ist das Land 2012 wieder auf den ersten Platz vorgerückt.

Dabei mangelt es Katar keineswegs an originellen Ideen. Der Prototyp eines mit Solarenergie gekühlten Fußballstadions ist so ein Fall, die prominent im Sheraton-Park an der Corniche von Doha platzierten Leihfahrräder ein anderer. Beide machen sich stets gut in Powerpoint-Präsentationen über eine grüne Zukunft; doch in der staubigen Realität Dohas setzen sie weitgehend unbeachtet und vor allem ungenutzt eine trübe Patina von Wüstensand an. Was sich vor Ort ganz praktisch beim Thema Nachhaltigkeit bewegt, spielt meist weit unterhalb der Ebene prestigeträchtiger Großprojekte – und könnte längerfristig doch zu einem grundlegenden Wandel beitragen. 

Ein Beispiel dafür ist das wachsende Interesse der Baubranche am Thema Umwelt- und Klimaschutz. Den institutionellen Rahmen dafür bildet der »Rat für Grünes Bauen« (Qatar Green Building Council, QGBC). Der 2009 gegründete Zusammenschluss leistet im Wesentlichen unspektakuläre Grundlagenarbeit. In Fachvorträgen informiert er über Möglichkeiten zum Wassersparen, den Umgang mit kompostierbarem Abfall oder das Pro und Contra wiederverwertbarer Baustoffe. Das Ziel: nachhaltige Ideen ins Gespräch zu bringen, zu informieren, Interessierte zu vernetzen und ihnen mit Fachwissen beratend zur Seite zu stehen.

<h3>Die meisten Baufirmen in Katar sind halbstaatlich – Man kann sie also zwingen, nachhaltig zu bauen</h3>
Doch die Ambitionen der Industrievertreter reichen weiter. Um überhaupt ein Bewusstsein für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in der Öffentlichkeit zu schaffen, gehen sie bewusst an die Basis. Bei regelmäßigen Schulbesuchen ermutigen sie die Kinder etwa, zu Hause und in der Schule den Wasser- und Stromverbrauch zu messen. »Wir wenden uns an die Kinder, um durch sie auch die Gewohnheiten der Erwachsenen zu ändern«, sagt Mohamed Jaber, der den Bildungsausschuss des QGBC leitet.

Und das ist dringend nötig. »Im Vergleich zu Europa hat Katar in Umweltfragen noch viel nachzuholen«, räumt Alex Amato ein, bis vor wenigen Monaten Partner bei der Bau-Consultingfirma Davis Langdon Qatar und jetzt hauptamtlicher Nachhaltigkeitschef des QGBC. »Aber sie sind dabei. Und sie holen nicht nur auf, sondern haben in Teilen die Chance, weltweit führend zu werden.« Gerade den unvorteilhaft hohen Kohlendioxid-Ausstoß Katars führt Amato als gutes Beispiel dafür an, wie sich mit relativ geringem Aufwand das Bewusstsein für Klimafragen in der Wirtschaft schärfen ließe. 

Einerseits, so argumentiert der passionierte Experte für Ökobilanzen, benachteiligten die gängigen CO2-Rankings Katar, weil sie nicht nur den Konsum, sondern auch die Produktion eines Landes berücksichtigten – eine fatale Bewertungsmethode für einen Staat, der einen Großteil seines Einkommens aus dem Erdgasexport erzielt. Deshalb wirbt Amato dafür, auf eine Berechnungsmethode umzustellen, die den Emissionsanteil der Exporte herausrechnet (dafür allerdings auch den der Importe einbezieht), wodurch Katar auf einen Schlag seinen Spitzenplatz unter den CO2-Emittenten verlieren würde. 

Durch diesen statistischen Kniff, so Amato, würde nämlich der Blick darauf gelenkt, an welchen Stellen sich Katar tatsächlich einen überproportionalen Ausstoß an Treibhausgasen leistet. »Wie groß ist zum Beispiel der CO2-Fußbdruck der ganzen Nahrungsmittel, die nach Katar eingeflogen werden? Wie groß ist der CO2-Fußabdruck all der Baustoffe für Katars schnell expandierendes Infrastrukturprogramm?«, fragt er. »Werden das die wahren Problemfelder sein, wenn das CO2 der Öl- und Gasproduktion für den Export aus der nationalen Bilanz herausfällt? Im Moment wissen wir es einfach nicht.« Erst mit diesem Wissen, betont Amato, ließen sich aber realistische Ziele zur Emissionsreduzierung festlegen – auch um vermeidbare Energiekosten zu sparen und damit letztlich im ureigenen wirtschaftlichen Interesse des Landes. 

Speziell in der Bauindustrie, so nun das Argument des QGBC-Funktionärs, könnten selbst kleine Unterschiede in den Klimaeigenschaften der verwendeten Materialien große Wirkung auf den Ausstoß an Treibhausgasen entfalten – wegen der langen Lebensdauer von Bauprojekten, aber auch weil speziell am Golf oft in großen Dimensionen gebaut wird. Als gutes Anwendungsbeispiel führt er die zunehmende Durchsetzung des katarischen Zertifizierungssystem QSAS an, das eine differenzierte Bewertung von Bauprojekten nach ihrer Klima- und Umweltverträglichkeit erlaubt. Bis jetzt ist die Anwendung des Systems zwar freiwillig – mit der Ausnahme von Wasser- und Energieverbrauch bestimmter Regierungsgebäude und Bauten über einer bestimmten Größe. Bis zum Jahr 2015, zeigt sich Amato überzeugt, sei aber damit zu rechnen, dass die QSAS-Zertifizierung schrittweise verbindlich vorgeschrieben werde. 

Darüber hinaus versucht Katar zunehmend, die mittlerweile in GSAS (Global Sustainability Assessment System) umbenannte Zertifizierung auch über die eigenen Grenzen hinaus als Standard zu etablieren. »Nehmen Sie nur einmal die klare und unzweideutige Botschaft, die das an Hersteller von Baustoffen und -produkten sendet: dass die Nachhaltigkeitseigenschaften ihrer Materialien und Produkte als CO2-Äquivalent gemessen werden und dass dies bei den Spezifikationen für jedes Projekt berücksichtigt wird«, sagt Amato. 

Als Voraussetzung werde dazu erst einmal nur ein Benchmarking-System benötigt, das jedem in der Branche die Klimaeigenschaften verschiedener Produkte aufzeige. »Das wird ausreichen, um die Hersteller zur Verbesserung ihrer Produkte zu bewegen.« Für denkbar hält er längerfristig sogar die Einführung eines Emissionsrechtehandels, bei dem Unternehmen mit einem bestimmten CO2-Budget haushalten müssten – was für die Golfregion einer kleinen Revolution gleichkäme. »Es gibt die Chance, in einigen Dingen Vorreiter zu werden«, sagt Amato mit Blick auf die Rolle Katars bei solchen Neuerungen. 

Als wenig erfolgversprechend schätzt er dagegen negative Anreize wie Strafzahlungen bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte ein: »Man muss akzeptieren, dass dies eine ganz andere Gesellschaft als in Europa oder Kanada ist. Man macht das mit anderen Mitteln.« Positive wirtschaftliche Anreize seien dagegen unentbehrlich, um den zur Durchsetzung von Nachhaltigkeitsstandards nötigen Kulturwandel zu erreichen. »Man muss die Unternehmen dazu bringen, ein Geschäft daraus zu machen.«

Lee Allen ist einer derjenigen, die diesen Schritt bereits vollzogen haben. Ausgebildet ist er als Landschaftsarchitekt, aber seine Abteilung bei der Architektur- und Bauberatungsfirma Atkins beschäftigt sich zunehmend mit Nachhaltigkeitsfragen. »Das ist dabei, unser Kerngeschäft zu werden«, sagt Allen. Beim Green Building Council steht er dem Interessenverband für »grüne Infrastruktur« vor – worunter erst einmal alles zu verstehen ist, was außerhalb von Gebäuden liegt und geeignet ist, deren negative Umwelteffekte auszugleichen: Parkplätze, Straßen, Parks, Plätze, Naturraum. Den Grundgedanken erläutert Allen so: »Was das Gebäude wegnimmt, gibt die Landschaft – die grüne Infrastruktur – zurück.«

<h3>Eine fatale Bewertungsmethode für einen Staat, der sein Einkommen aus dem Gasexport erzielt</h3>
Als einfaches Beispiel dafür, wie der bewusste Einsatz von grüner Infrastruktur zu nachhaltigen Lösungen führen kann, nennt er den Umgang mit Regenwasser. Traditionell wird es durch Gullys ins Abwassersystem und letztlich hinaus ins Meer geleitet – oft unbehandelt und womöglich sogar unter Einsatz kostbarer Energie für große Pumpanlagen.

»Wenn man nun die Straßen als grüne Infrastruktur und nicht als schwere Infrastruktur behandelt, kann man das Regenwasser in der Straßenmitte oder auf einem Parkplatz managen, indem man es ihm ermöglicht zu versickern. Man kann es sogar einer Art Bio-Aufbereitung oder -Filterung unterziehen und natürliche Systeme nutzen, die die Qualität des Wassers verbessern, bevor es zurück ins Grundwasser läuft.« 

Das bringt gleich mehrfachen Nutzen: Weil das Regenwasser einer nützlichen Verwendung zugeführt wird, muss weniger Meerwasser aufbereitet werden. Entsprechend weniger Energie wird verbraucht, es entstehen keine Klimagase, und im Idealfall profitieren von dem Wasser sogar Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

Die Schlüsselerkenntnis für solche Lösungen besteht darin, dass eine Infrastruktur mehr als nur eine Verwendung haben kann: Ein Straßenbelag kann durchlässig sein und das Wasser in den Boden sickern lassen. Eine Gebäudehaut kann mit Solarzellen belegt sein und damit zugleich die Sonnen- und Hitzeeinstrahlung im Innern reduzieren. Durch Versickerung gefiltertes Brauchwasser kann Solarzellen vom Wüstensand reinigen und kühlen.

Längst werden solche Erkenntnisse auch in der Praxis angewandt. Atkins etwa arbeite in öffentlichem Auftrag daran, die Seitenstreifen der Straßen in Katar für alternative Fortbewegungsarten zu nutzen, berichtet Allen. Ein wichtiger Schritt dabei sei es, für Schatten zu sorgen, um trotz des heißen Klimas Bewegung im Freien etwa für Fußgänger erträglich zu machen.

Ein anderes Beispiel ist der gezielte Ausbau der Radwege in Doha. Schon jetzt gibt es laut Allen 50 Kilometer davon, auch wenn es derzeit noch an Verbindungen zwischen den Teilstücken mangele. Für alle neuen Straßenprojekte seien begleitende Radwege überdies zwingend vorgeschrieben. Große Hoffnungen setzt der Planer in diesem Zusammenhang auf Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor: Sie ermöglichen das Radeln auch bei heißen Temperaturen und sorgen zudem durch den Fahrtwind für Kühlung. 

Zur grünen Infrastruktur gehöre außerdem, den Übergang zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln zu ermöglichen – etwa durch Fahrradparkplätze und Radverleihe an den Bahnhöfen der künftigen Metro in Doha. Dass es in Katar an Bewusstsein für die Klimaproblematik mangele, lässt Allen jedenfalls nicht gelten: Obwohl es bislang keine gesetzliche Vorschrift zum nachhaltigen Bauen gebe, sei es an vielen Stellen längst Praxis. Auch in den Baubeschreibungen seien immer öfter Elemente nachhaltiger Gestaltung vorgesehen. 

Zudem spiele eine Eigenheit des katarischen Markts dem politisch gewünschten Wandel in die Hände: »Die meisten Baufirmen hier sind halbstaatlich – was bedeutet, dass man sie automatisch dazu bringen kann, nachhaltig zu bauen.« Selbst der Finanzdistrikt West Bay mit seinen planlos wuchernden Hochhäusern, der bislang eher notorisch für eine&nbsp; nichtnachhaltige Bauweise stand, hält Allen nicht für einen hoffnungslosen Fall, was den intelligenten Einsatz grüner Infrastruktur angeht. »Ich weiß, dass es geschehen wird und schon in Arbeit ist«, sagt er. 

Entscheidend sei, was zwischen den Gebäuden geschehe: welche Verkehrsinfrastruktur es dort gebe, wie der öffentliche Raum genutzt werde, wie viel davon für Autospuren zur Verfügung stehe. »Weil Katar die Fußball-WM hat, musste es sich festlegen. Das Land ist in der einzigartigen Lage, nicht von Etatschwankungen beeinflusst zu werden, und es hat einen Plan«, sagt Allen. Und wagt eine kühne Prognose: »Ich halte es für möglich, dass Doha innerhalb der kommenden zehn Jahre eine der nachhaltigsten Städte sein wird.
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="/fileadmin/img/vorlagen/zenith_6_12_126x162.jpg" style="cursor:move; " height="162" width="125" alt="" /> 						</div>
<div style="margin-left: 120px; "><div class="csc-textpic-text"><h2> 								zenith Januar/Februar 2013</h2>
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<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>]]></content:encoded>
			<category>Katar Wirtschaft Umwelt</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 11 Feb 2013 14:26:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Die Maitresse des Emirs</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/die-maitresse-des-emirs-003564/</link>
			<description>Milliarden-Deals und eine Männerfreundschaft: Katar und Frankreich liebten sich leidenschaftlich....</description>
			<content:encoded><![CDATA[Wer in Paris aus der Metro-Station »Charles de Gaulle – Etoile« steigt, um auf den Champs-Élysées zu flanieren, dem fällt eine imposante Villa ins Auge. Noch immer sieht man Gruppen von Touristen, die über deren exotische weiß-braun-gezackte Fahne rätseln – aber das sind Fragen, die sich die Pariser schon lange nicht mehr stellen. Katars Botschaft an der Seine hat nicht nur die beste Postanschrift – spätestens seit der katarische Sender Al-Jazeera Sport sogar die französischen Übertragungsrechte für die Champions League gekauft und einen eigenen Pay-TV-Kanal in Frankreich betreibt, wissen die Franzosen, was sich hinter dem Namen eines winzig kleinen Emirats verbirgt. »Schließt man neue Freundschaften, empfiehlt es sich, die erste Runde zu spendieren«, witzelt ein französischer Diplomat im Gespräch mit zenith.

Er spielt damit auf die Nachricht an, dass Katar beabsichtige, 50 Millionen Euro für heruntergekommene Viertel der Pariser Banlieue zu spendieren. Als der Deal vor Monaten die Runde machte, löste er bissige Reaktionen an allen Enden des politischen Spektrums aus. Marine Le Pen, Kampfgeschütz der französischen Rechten, witterte Verschwörung: Der Plan sei ein »trojanisches Pferd des Islam«; schließlich investiere Katar ausschließlich dort, wo mehrheitlich Muslime lebten. »Wir lassen fremde Länder ihre Investitionsentscheidungen auf Grundlage der Religion treffen«, schimpfte Le Pen. Diese Worte trafen die französische Gesellschaft an einer empfindlichen Stelle: Viele Franzosen sehen verarmte Vorstädte und arbeitslose Migranten nicht nur als Fanal des Scheiterns der Integrationsgesellschaft, sondern auch als Bedrohung für den französischen »way of life«.

Auch linke Kommentatoren waren empört: Frankreich solle sich nicht auf Geschäfte mit einer Monarchie einlassen, die sich am Ende nur das Wohlwollen einer Veto-Macht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kaufen wolle – um dort möglicherweise selbst einmal zu sitzen.

Immerhin: Die Kataris sind wieder zurück an der Seine. Für einige Monate wussten die Polit- und Investitionsstrategen des Emirs in Doha nämlich nicht mehr, woran sie waren. Würde der erste sozialistische Präsident seit fast 20 Jahren die katarisch-französische Affäre so leidenschaftlich fortsetzen wie sein Vorgänger Sarkozy? Immerhin hatte das Emirat sich diese Liebe etwas kosten lassen: In den zurückliegenden fünf Jahren investierte Katars Herrscherhaus in französische Immobilien, Sportvereine und Industriefirmen. Verwandte des Emirs ließen sich historische Stadtpaläste in Paris umbauen und erhielten Steuerprivilegien. Und nun hatten die Franzosen einen Mann gewählt, dem nichts besseres einfällt, als die Reichen zu besteuern?
<h3>Über die letzten zwölf Monate lief Katars Investitionsmaschinerie in Frankreich auf Hochtouren </h3>
Nicolas Sarkozy, vor seiner Läuterung ein Bling-Bling-Präsident an der Seite eines Ex-Models, schien ein weitaus besserer Partner für Katars energischen, aber jovialen Herrscher Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani und seine telegene Gattin Mozah. Beide suchten nach einer Führungsrolle in der Weltdiplomatie – zwei Macher eben. Und sehr zum Ärger höherer Chargen im Pariser Quai d'Orsay hatte der Emir eine Standleitung zum Präsidenten, denn in den Golfstaaten zählen persönliche Beziehungen eben noch mehr als auf dem alten Kontinent.

François Hollande dagegen: ein selbsternannter Normalo, ein Technokrat, der zunächst einmal die Bewirtungskosten des Élysées herabsetzte. Paris und Doha standen sich, so berichten Diplomaten, auf einmal skeptisch gegenüber. »Hollande und Hamad sind keine natürlichen Verbündeten, und die Kataris fürchteten, dass Frankreich von Sarkozys Strategie nun Abstand nehmen würde«, sagt Vincent Forest, ehemaliger Mitarbeiter des französischen Außenministeriums und heute Westeuropa-Spezialist der »Economist Intelligence Unit« (EIU).

Auch in der Routine-Kommunikation musste man offenbar bei null anfangen, sagt Karim Bitar, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale und Strategische Beziehungen in Paris (IRIS): »Selbst die französischen Staatsbeamten hatten keine Telefonnummern ihrer Kollegen in Katar«, erklärt Bitar.

Da die französische Wirtschaft derzeit angeschlagen ist und ein Interesse daran hat, den solventen Partner – trotz aller sozialistischen Parolen der neuen Regierung – nicht vor den Kopf zu stoßen, könnte man vermuten, dass die Franzosen auf die Kataris zugehen würden. Aber die erste Charme-Offensive ging allem Anschein nach von Doha aus: Premierminister Hamad bin Jassim bin Jaber bin Muhammad Al Thani – kurz: »HBJ« – reiste nur wenige Wochen nach Hollandes Amtsantritt an die Seine, um das Terrain auszukundschaften. Es lief nicht schlecht: Im August kam dann Scheich Hamad, und als HBJ im September wieder in Paris auftauchte, schien es beinahe wie früher. »Die Kataris setzen auf soft diplomacy«, findet Marc Pellas, Spezialist für die Golfstaaten bei der Monatszeitung Le Monde Diplomatique. Die massiven Investitionen der »Qatar Investment Authority« (QIA) in Frankreich seien auch im Sinne einer diplomatischen Aufwertungskampagne zu bewerten.

Gewiss: Ginge es nur um die Rendite, hätte Katar womöglich anderswo investiert. Insgesamt hat die staatliche Investitionsgesellschaft dafür weit über 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Katar hält Anteile beim US-Juwelier Tiffany's, bei Volkswagen, Harrods, Shell, Barclays and Credit Suisse und 11 Prozent am globalen Minenunternehmen Xstrata. Aber ein erheblicher Teil katarischen Investitionskapitals floss nach Frankreich – mit Beteiligungen am Bauunternehmen Vinci, an den Dienstleistern Suez Environment und Veolia, diversen Luxushotels wie Hotel du Louvre, Royal Monceau Hotel Lambert und Concorde Lafayette in Paris. Darüber hinaus gehören den Kataris das Martinez und das Carlton in Cannes, das Palais de la Méditeranée in Nizza und Anteile an der Société des Bains de Mer, die mehrere Luxushotels in Monaco betreibt.
<h3>»Frankreich steckt in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Es lohnt sich, reiche Freunde zu haben«</h3>
Katars Herrschaftsfamilie gilt als frankophil, zumindest seit den 1980er Jahren: Damals verbrachte Scheich Hamads Vater, Emir Khalifa bin Hamad Al Thani, seine Sommerfrische an der französischen Riviera und ließ sich dort prächtige Anwesen errichten – offenbar ohne zu merken, dass sich in Doha eine Verschwörung zusammenbraut, an deren Spitze kein anderer stand als der Sohn des Herrschers: 1995 wurde Khalifa von seinem Sohn Hamad entmachtet. Vergeblich bat Khalifa seinen »alten Freund« Jacques Chirac um Hilfe: Chirac, ein Mann mit politischem Instinkt, schickte keine Fallschirmjäger, sondern arrangierte sich stattdessen mit dem neuen Herrscher.

In der Ära Sarkozy, vor allem aber innerhalb der letzten zwölf Monate, lief Katars Investitionsmaschine in Frankreich immer höhere Drehzahlen: Kataris kauften den Fußballclub Paris Saint-Germain, die Lederwarenfirma Le Tanneur und beteiligten sich mit immerhin zwei Prozent am Unterhaltungskonzern Vivendi. Zudem hält Katar 13 Prozent der mächtigen Mediengruppe Lagardère, die ihrerseits am deutsch-französischen Luftfahrtunternehmen EADS beteiligt ist.

Drei Prozent des französischen Petroleumriesen Total – derzeit kapitalisiert mit 98,96 Milliarden Euro – sind ebenso in katarischer Hand wie ein Prozent des Luxusgutherstellers LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton (LVMH). Ob es sich bei Letzterem um ein strategisches Investment oder eine Liebhaberei handelt, liegt wohl im Auge des Betrachters.

Aber just, als die Scheichs einer Rückversicherung zur Steuerpolitik bedurften, war die Direktverbindung nach Frankreich plötzlich gekappt. Eine der größten Sorgen wäre wohl die mit Sarkozy auf fünf Jahre ausgehandelte Befreiung von der französischen Vermögenssteuer gewesen, die Wirtschaftsgüter ab 1,3 Millionen Euro betrifft. »Sollte er die katarischen Investoren nun zwingen, mehr Steuern zu bezahlen, würde er vielleicht für ein paar Jahre 100 Millionen Euro extra einnehmen, aber die Kataris könnten ihr Vermögen aus Frankreich abziehen und damit weit größere Probleme hinterlassen«, erklärt EIU-Spezialist Forest. Das müsse auch der Sozialistischen Partei einleuchten.
<h3>Viele Franzosen misstrauten der politischen Agenda des Emirats</h3>
Hollandes anfängliche Zurückhaltung gegenüber den Kataris erwuchs nicht nur aus der Unsicherheit, sondern auch aus politischem Kalkül. Immerhin sei es nicht nur gut für das Image eines sozialistischen Präsidenten, einen reichen Golf-Emir zum Freund zu haben, sagt Denis Bauchard vom französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI): »Es könnte der Eindruck entstehen, er verrate seine Grundüberzeugungen.« 

Denn Katars Ruf sei nicht unumstritten. »Das Emirat wird eben auch als Sponsor von Islamisten und Dschihadisten in der arabischen Welt gesehen«, erläutert Bauchard, und viele Franzosen misstrauten der politischen Agenda des Emirats. »Die Wählerschaft der französischen Sozialisten war widerwillig«, meint auch Katar-Experte Karim Bitar, »sie erlebt Katar als ein islamistisches Land und einen politischen Verbündeten der USA« – beides wecke altbekannte Ressentiments der Linken. Zudem habe Hollandes Partei die Steuervorteile und Immobiliendeals der Kataris mit Sarkozy scharf kritisiert – zumindest, als sie sich noch in der Opposition befand.

Nun steht die Regierung Hollande auch vor dem Problem, die rüstungstechnische Zusammenarbeit mit Katar ihrer Wählerschaft zu erklären: Derzeit erwerben die Kataris, die nicht von US-amerikanischen Waffen abhängig sein wollen, rund 80 Prozent ihrer militärischen Ausrüstung in Frankreich. Für die französische Rüstungsindustrie sind diese Geschäfte beinahe überlebenswichtig.<br />»Katar will diplomatisch in der ersten Liga spielen. Wenn du nur an Konferenzen teilnimmst, aber aus einer militärischen Perspektive nichts zu bieten hast, funktioniert das nicht«, sagt der ehemalige Militärattaché der französischen Botschaft in Doha, Philippe Meyer, im Gespräch mit <i>zenith</i>.

Allerdings buhlten auch andere um die Militärbudgets der Scheichs. »Da ist immer die Angst, dass uns Großbritannien mit seiner Waffenindustrie am Golf den Schneid abkauft«, fügt Meyer hinzu. Für Karim Bitar vom IRIS steht fest, dass die Regierung Hollande ihr Verhältnis zu Katar auch langfristig der Bürokratie überlassen werde: »Er sagt Ja oder Nein und reicht dann das Telefon weiter, um Staatsbeamte die Einzelheiten verhandeln zu lassen.« Mit Hollande werde die klassische Diplomatie sich wieder durchsetzen: »Bewege dich vorsichtig und analysiere alles.« Mit Katar angemessen umzugehen sei nun zwar eine schwere, aber keine unlösbare Aufgabe für Paris.

Nach dem Wahlerfolg ernannte Hollande den sozialistischen Ex-Premier Laurent Fabius zum Außenminister; der Diplomat Jean Paul Ortiz wurde sein Top-Berater. Ortiz' Spezialgebiete sind allerdings Asien und besonders China. Manchen Beobachtern der französischen Außenpolitik gilt das als Indiz dafür, dass sich der Fokus deshalb ein Stück weit weg vom Golf und mehr auf Ostasien richten könnte.]]></content:encoded>
			<category>Katar Wirtschaft Investitionen</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 30 Jan 2013 11:52:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Bier für den Boom</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/bier-fuer-den-boom-003555/</link>
			<description>Libanons Brauereien wollen im Export wachsen und so auch Investitionen in Produktionserweiterungen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die weltweit verstreuten Auslandslibanesen haben einen besonderen Draht zur Heimat, den die libanesischen Bierbrauer für ihre Exporte nutzen. Jetzt hat ein neue kleine Brauerei den Export in die USA aufgenommen, wo es eine große Gemeinschaft von Bürgern mit libanesischen Wurzeln gibt. Die erst 2006 gegründete Brauerei Gravity Brewing mit ihren Marken »961 Beer« und »Lebanese Brew« setzt jetzt neben der Binnennachfrage nach eignen Angaben auf den US-amerikanischen Markt. »961 Beer« soll erst an der US-Ostküste eingeführt werden.

Dominierender Anbieter im Libanon ist die alteingesessene Brauerei Brasserie Almaza Sal. Bis 2006 war Almaza der einzige Hersteller im Land. Die libanesische Inlandsproduktion betrug 2011 etwa 1,45 Millionen Kisten mit je 24 Flaschen. Davon entfiel der Löwenanteil auf Almaza während Gravity Brewing mit inzwischen 300.000 Kisten jährlich in einer anderen Liga spielt. Zu der Inlandsproduktion kommen nach Angaben der »Association of Alcohol, Wines and Spirits in Lebanon« weitere 950.000 eingeführte Bierkisten hinzu.

Vor allem die Türkei steigert ihre Exporte an den kleinen Nachbarn im Süden stetig, wenn auch noch auf niedrigem Niveau. Zwischen 2008 und 2012 legte der türkische Bierexport in den Libanon von 1,8 Millionen auf 2,6 Millionen US-Dollar zu. Auch andere Anbieter aus dem Ausland haben offenbar ihre Hände im Spiel, da die Gesamteinfuhr 2012 bei 9 Millionen US-Dollar lag. Vorläufiges Spitzenjahr bei den Einfuhren war 2010 mit 14 Millionen US-Dollar.
<h3>Bier nur an dritter Stelle hinter Spirituosen und Wein</h3>
Mit rund 5,5 Liter Bierkonsum pro Jahr und Kopf liegt der Libanon weit unten in der weltweiten Verbrauchsstatistik. Aus einer Rangfolge von 123 Staaten rangiert das Land auf Platz 89. Allerdings hat sich immerhin der Bierdurst im Lande im Vergleich zu den 1950er Jahren, als der noch bei 3,5 Liter lag, deutlich erhöht. Noch ist der Libanon eher ein Land der Spirituosen und des Weines, dessen Anbau eine Jahrtausende alte Tradition hat. Vom Gesamtkonsum an Alkoholika entfallen 46 Prozent auf Spirituosen, 33 Prozent auf Wein und nur 21 Prozent auf Bier.

Während Firmen wie Almaza und Gravity versuchen, eine Bierkultur im Lande zu initiieren, bleibt des Biergeschäft saisonal mit dem Hauptabsatz in den heißen Sommermonaten. Hier liegt allerdings auch das Potenzial, da mit einem Boom im Tourismus keine Zweifel an einer explodierenden Biernachfrage bestehen. Allerdings machen dem gebeutelten libanesischen Tourismus immer wieder politische Umstände einen Strich durch die Rechnung, wie jetzt die Krise in Syrien.

Die Einfuhrstatistik für Brauereitechnik spiegelt die geringe Zahl der libanesischen Brauereien wider. Allerdings könnten die tatsächlichen Investitionen unterschätzt werden, da einige der Technikimporte unter anderen Kapiteln des Zolltarifs, wie zum Beispiel Abfüllanlagen allgemein oder andere Ausrüstungen zu finden sein dürften.]]></content:encoded>
			<category>Libanon Wirtschaft Investitionen</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 24 Jan 2013 13:17:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Grünstaatenlösung</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/die-gruenstaatenloesung-003542/</link>
			<description>Khaled al-Sabawi will Palästinas Unabhängigkeit forcieren. Für derart hohe Ambitionen muss man die...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Khaled al-Sabawi, 29, Gründer von MENA Geothermal Energy, ist nicht der einzige Palästinenser, der sich über seine Stromrechnung ärgert. Denn von allen Bewohnern der Nahost-Region zahlen seine Landsleute die höchsten Energiepreise. Sabawi geht aktiv dagegen vor – und will im gleichen Atemzug noch den Kohlenstoffdioxidausstoß in seiner Heimat reduzieren und sein Land ein Stück weit unabhängiger von Israel machen: Palästinas Energieversorgung hängt zu 97 Prozent an fossilen Rohstoffen, die aus Israel importiert werden. »Wir haben gar keine Wahl, als uns nach alternativen Formen der Energiegewinnung umzusehen«, sagt Sabawi. Seine Firma MENA Geothermal Energy – 2007 gegründet – ist auf die Installierung von Heiz -und Kühlungsanlagen in Wohnräumen, Büros und größeren Gebäudekomplexen spezialisiert.

Das Prinzip der Geothermie: Bei der oberflächennahen geothermischen Energiegewinnung zirkuliert Wasser oder ein anderer Wärmetauscher in einem geschlossenen Rohrsystem, das einen bis zwei Meter unter der Erdoberfläche verlegt ist. Durch Thermostate kann die Temperatur reguliert werden. Da das Erdreich im Winter wärmer und im Sommer kühler ist als die Außenluft, kann eine optimale Nutzbarkeit erreicht werden. 

»In Ramallah liegt die Bodentemperatur konstant bei 17 Grad Celsius während des gesamten Jahres«, sagt Sabawi. Weltweit nutzen mehr als 72 Länder geothermische Energiegewinnung. Aber die Installation solcher Anlagen ist kostspielig. Sabawi hat einen Weg gefunden, die Effizienz der Anlagen zu steigern: Kalksteinpulver – ein Abfallprodukt der örtlichen Bauindustrie in Palästina – wird zu besonders feinem Mörtel verarbeitet, der die Bohrlöcher der Anlagen abdichtet. Dies, so Sabawi, senke die Kosten um rund 15 Prozent. Das Unternehmen hat sich das Verfahren inzwischen patentieren lassen. 
<h3>Madaba könnte den Elektrizitätsverbrauch für Heizung und Klimatisierung um rund 200.000 Kilowattstunden jährlich verringern</h3>
In einer Krisenregion mit einfachen Mitteln eine nachhaltige Energiegewinnung aufzubauen – dafür erntet er inzwischen auch internationale Anerkennung. Die US-Online-Zeitung <i>Global Post</i> nennt Sabawi einen der innovativsten Energieunternehmer weltweit.&nbsp; 

Für die Installationen am Sitz der Union Construction and Investment (UCI) in Ramallah und an der Amerikanischen Universität in Madaba (AUM) in Jordanien wurde MENA Geothermal Energy bereits zweimal mit dem Energy Globe Award für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Nach Sabawis Angaben kann Madaba damit den Elektrizitätsverbrauch für Heizung und Klimatisierung um rund 200.000 Kilowattstunden jährlich verringern.

Offenbar steht dahinter also nicht nur ein lobenswertes Ansinnen, sondern auch ein Business Case: »Arabia 500+Turkey«, ein Forum, das die 500 am schnellsten wachsenden Unternehmen der Nahost-Region prämiert, hat MENA Geothermal Energy auf seine Shortlist genommen. Sabawi behindern vor allem zwei Faktoren: palästinensische Bürokratie und israelische Besatzung. »Nicht nur beim Import und Export von Waren, sondern auch bei meinen Reisen muss ich immer wieder bangen«, sagt Sabawi, dem schon dreimal die Einreise ins Westjordanland verweigert wurde. 
<h3>Sabawi behindern vor allem zwei Faktoren: palästinensische Bürokratie und israelische Besatzung</h3>
Als Sabawi 2011 auf der »TEDx Ramallah«, einer Konferenz, die seit 1984 unter dem Motto »Ideas worth spreading« eine bunte Mischung aus jeweils 18-minütigen Beiträgen zu Technik, Wissenschaft und Kunst anbietet, eingeladen wurde, erläuterte er die Vorteile der geothermischen Energiegewinnung für seine Heimat. Aber nicht nur mit seiner Idee sondern auch durch sein Charisma beeindruckte der palästinensisch- kanadische Ingenieur seine Zuhörer. In einer humorvollen Rede mokierte er sich über die israelischen Sicherheitsbeamten und über die arabische Bürokratie, die ihm das Leben schwer machen und seine Arbeit behindern.

Es scheint, als habe Israel, das seinerseits ja weltweit für Technologie und Innovation steht, aber großes Interesse an der Erfindung: »Wir können wohl noch vieles von Ihnen lernen«, heißt es in der E-Mail eines israelischen Beamten des Ministeriums für Infrastruktur, die Sabawi vorzeigt. In Europa haben manche Energie-Investoren in den vergangenen Monaten ihr »Waterloo« erlebt – der studierte Informatiker Sabawi aber verbindet mit diesem Begriff sehr positive Erinnerungen: Die Universität Waterloo im kanadischen Staat Ontario ist seine Alma Mater. Als Sohn palästinensischer Flüchtlinge wurde er 1983 in Kuwait geboren und kam mit drei Jahren nach Kanada.

Ein Hindernis für Startup-Unternehmer sieht Sabawi in dem, was er »die goldenen Handschellen der Entwicklungshilfe« nennt. »Durch die hohen Summen ausländischer Gelder, die in die palästinensische Wirtschaft gepumpt werden, können NGOs überhöhte Gehälter zahlen.« Als kleines Unternehmen sei es schwer, da mitzuhalten, sagt Sabawi. Dennoch frei von Opferrhetorik wolle er vor allem eines: Optimist bleiben. »Wir brauchen keine Einstaaten- oder Zweistaaten-, sondern eine Grünstaatenlösung! Wenn wir Israelis und Palästinenser uns da zusammentun, und den Konflikt überwinden würden, können wir es wirklich zu etwas bringen.« 
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="/fileadmin/img/vorlagen/zenith_6_12_126x162.jpg" style="cursor:move; " height="162" width="125" alt="" /> 						</div>
<div style="margin-left: 120px; "><div class="csc-textpic-text"><h2> 								zenith Januar/Februar 2013</h2>
<p class="copytext_grau">Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Print-Ausgabe. Lesen Sie <i>weiter</i> in der neuen <link 812 - internal-link "Opens internal link in current window">zenith Januar/Februar 2013.</link> Erhältlich im Handel, im <link https://www.zenithonline.de/deutsch/abo/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">Abo</link> und im <link http://www.zenithonline.de/deutsch/shop/kategorien/categories/zenith-ausgaben-bestellen/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">Shop</link>.</p></div></div></div>
<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>]]></content:encoded>
			<category>Palästina Wirtschaft Energie</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 15 Jan 2013 13:31:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Wieder im Geschäft</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/wieder-im-geschaeft-003531/</link>
			<description>Die Türkei ist in Libyen wieder im Geschäft. Die Handelszahlen gehen steil nach oben, auch bei...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die türkische Strategie, in Libyen an die außerordentlichen Geschäftserfolge in der Gaddafi-Ära anzuschließen, scheint aufzugehen. Das legt zumindest die jüngste Entwicklung der türkischen Exporte nach Libyen nahe. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2012 belief sich die türkische Ausfuhr auf bemerkenswerte 1,7 Milliarden US-Dollar. Damit scheint für das Gesamtjahr der Rekordwert aus 2010 erreichbar, als noch zu Vorkrisenzeiten die Türkei Waren im Wert von 1,9 Milliarden US-Dollar nach Libyen lieferte. Zum Vergleich hat Deutschland in den ersten acht Monaten 2012 für 418 Millionen Euro nach Libyen geliefert, nachdem der Export 2011 auf nur noch 319 Millionen Euro kollabiert war.

Von der Normalisierung der Beziehungen Libyens zum Westen – verbunden mit der Aufhebung der internationalen Sanktionen seit 2004 – hat die türkische Wirtschaft überdurchschnittlich profitiert. Das belegt die Entwicklung der Ausfuhren in den letzten zehn Jahren, die sich fast verzehnfacht haben. Für andere Exportländer mit Interesse am libyschen Markt dürften die türkischen Erfahrungen überaus nützlich sein.

Neben dem reinen Exportgeschäft war die Türkei massiv an Projekten in Libyen beteiligt. Bis 2011 war von Vorhaben im Wert von bis zu 15 Milliarden US-Dollar die Rede. Wegen des vollständigen Zusammenbruchs des Projektgeschäfts 2011 mussten die beteiligten Firmen zweifellos erhebliche Abschreibungen vornehmen. Allerdings ist von einer staatlichen Absicherung großer türkischer Engagements in Libyen auszugehen.
<h3>Ausländische Firmen verzichten auf Entschädigung für Verluste aus der Revolutionszeit</h3>
Auch 2012 hat sich wegen des trotz Wahlen andauernden Machtvakuums, mit Abspaltungstendenzen im Osten des Landes, kaum etwas bei den großen Infrastruktur- und Bauvorhaben bewegt. Rechtliche Probleme bei Haftung und Entschädigung und die in manchen Landesteilen noch heikle Sicherheitslage bremsten die Wiederaufnahme der Großvorhaben aus.

Dies scheint sich Ende 2012 langsam zu ändern, wie unter anderem aus dem Elektrizitätssektor berichtet wird. Das für große Bau- und Stadtentwicklungsvorhaben zuständige »Housing and Infrastructure Board« (HIB) soll sich im November 2012 mit ausländischen Vertragspartnern auf die Wiederaufnahme von drei Projekten in Tripoli im Wert von 1,1 Milliarden Libyschen Dinar (umgerechnet 670 Millionen Euro; 1 Euro = 1,64 LD) geeinigt haben, meldet der <i>Libya Herald</i>. Insgesamt soll sich der Wert von Bauvorhaben in Libyen nach Angaben des HIB auf 45 Milliarden LD belaufen.

Als Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Arbeiten an den drei Projekten hätten die ausländischen Firmen auf Entschädigungen für Verluste aus der Revolutionszeit verzichtet, so der Leiter des HIB-Büros in Tripoli, Ali Ferjani. Es handelt sich um Infrastruktur in den Stadtteilen Tajoura, Seraj and Hadba Al-Khadra. Ferjani zufolge stehen die Finanzmittel für die Projekte zur Verfügung. Weitere vier Vorhaben stünden kurz vor der Einigung. Die mit den Projektpartnern ausgehandelten Konditionen sähen eine 50-prozentige Zahlung für bereits geleistete Arbeit vor, während der Rest fließen werde, nachdem sich das HIB davon überzeugt habe, dass die Arbeiten ernsthaft wieder aufgenommen worden seien, so Ferjani.
<h3>Die Türkei kann auf bereits geleistete Arbeit zurückgreifen</h3>
Bemerkenswert ist, dass die Türkei scheinbar keine Nachteile aus ihrer offenen Parteinahme gegen das Gaddafi-Regime im Konflikt 2011 ziehen muss. Scheinbar nahtlos gehen die Geschäfte mit neuen Partnern weiter, nachdem auch mit Gaddafi, der immer noch über Anhänger im Land verfügt, bestens gehandelt worden war. Für den Zeitraum 2012/2013 hat das türkische Wirtschaftsministerium Libyen zu einem der Schwerpunktländer seiner Außenwirtschaftsstrategie gemacht.

Dabei kann die Türkei auf bereits geleistete Arbeit zurückgreifen. Das 2009 unterzeichnete Investitionsschutzabkommen ist seit 2011 in Kraft. Die türkische Fluglinie war die erste Gesellschaft, die noch 2011 die Flüge nach Libyen wieder aufnahm. Inzwischen werden Tripoli und Benghazi mehrmals wöchentlich angeflogen. Pläne für eine Seeverbindung Tripoli-Izmir sind in der Vorbereitung.

Nicht zuletzt ist die noch mit Gaddafi vereinbarte Visafreiheit zwischen beiden Staaten für die Erleichterung der Geschäftstätigkeit kaum zu unterschätzen. Das erleichtert den über 100 türkischen Unternehmen in Libyen das Wirtschaften enorm.]]></content:encoded>
			<category>Türkei Wirtschaft Investitionen</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 21 Dec 2012 10:38:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Wildwest auf Libyens Kfz-Markt</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/wildwest-auf-libyens-kfz-markt-003519/</link>
			<description>Libyens Kfz-Markt hat sich zum Eldorado für gebrauchte Pkw entwickelt, die ohne Kontrolle ins Land...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Libyens Kfz-Markt präsentiert sich unübersichtlicher denn je. Fahrzeuge werden in großen Stückzahlen offenbar inoffiziell ins Land gebracht. Der Staat hat die Kontrolle darüber verloren. Eine Einfuhr-Statistik ist nicht verfügbar. Es gibt wohl auch niemanden, der sie derzeit erheben könnte.

Als eine Bedrohung für die Sicherheit auf Libyens gefährlichen Straßen wird besonders die Einfuhr gebrauchter Pkw gesehen. Sie sollen in großer Zahl ins Land strömen und wegen technischer Mängel nicht uneingeschränkt fahrtüchtig sein.

Zu Zeiten des Gaddafi-Regimes war die Einfuhr gebrauchter Kraftfahrzeuge verboten. Dieses Verbot war 2011 vom Übergangsrat unter Mahmud Jibril aufgehoben worden. Die Folge war eine regelrechte Flut gebrauchter Autos, die vor allem über die libyschen Häfen ins Land kamen. Obwohl die erste Übergangsregierung unter Übergangspremier Abdel Rahim al-Kib die Einfuhrerlaubnis auf Fahrzeuge mit einem Maximalalter von fünf Jahren einschränkte, wurden offenbar weiterhin auch ältere Fahrzeuge eingeführt.
<h3>Gaddafi teilte als Gunstbeweis einst ganze Pkw-Flotten an einzelne Bevölkerungsgruppen zu</h3>
Seit der Normalisierung der Beziehungen zum Westen 2004 hatte der Kfz-Import in Libyen kräftig zugelegt. Der Markt hatte Nachholbedarf und das Gaddafi-Regime benutzte auch sporadische Zuteilungen ganzer eingeführter Pkw-Flotten an einzelne Bevölkerungsgruppen als Gunstbeweis. Der Bestand privater Pkw legte zwischen 2005 und 2009 von knapp einer Million auf 1,7 Millionen Einheiten zu. Inzwischen dürfte die 2-Millionen-Marke überschritten sein.

Die weitere Entwicklung des Kfz-Markts in Libyen wird davon abhängen, wie sich die Kaufkraft der Bevölkerung entwickelt. Es ist noch nicht klar, ob sich die wohlfahrtsstaatlichen Segnungen aus dem Erdölexport ähnlich stark auf die breite Bevölkerung verteilen werden, wie dies in der Gaddafi-Ära der Fall war. Dämpfend dürfte sich auch der inzwischen recht hohe Pkw-Bestand auswirken. Auf eine Bevölkerung von 6,5 Millionen ist eine private Pkw-Flotte von mindestens 2 Millionen Fahrzeugen ansehnlich, auch wenn der Bestand während der Krise erheblich gelitten haben dürfte.

Die zuletzt verfügbaren detaillierten Einfuhrzahlen für 2010 belegen den anhaltenden Boom auf dem Kfz-Markt. Neben rund 116.000 Pkw wurden auch erhebliche Mengen an Nutzfahrzeugen importiert, die in der bis 2011 blühenden Bauwirtschaft und im Ausbau der Infrastruktur benötigt wurden.]]></content:encoded>
			<category>Libyen Wirtschaft Investitionen</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 17 Dec 2012 15:50:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Pioniere aus Südwest</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/pioniere-aus-suedwest-003503/</link>
			<description>Weniger spektakulär als China, aber durchaus erfolgreich investiert Brasilien seit einigen Jahren...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Luanda im Juli: Der brasilianische Pavillon auf der Internationalen Messe in der angolanischen Hauptstadt lockt mit seiner jährlich wachsenden Zahl an Ständen angolanische Besucher an. Lebensmittel, Haushaltsgeräte und Busse der Marke Marcopolo werden angepriesen, dazu wird Caipirinha gereicht. Samba-Rhythmen bringen die Gäste in Stimmung. »Es sollen alle Sinne angesprochen werden, wir Brasilianer wollen ein Lebensgefühl vermitteln«, sagt Pedro Monteiro von der brasilianischen Exportfördergesellschaft Apex-Brasil. 

Das kommt gut an, denn Brasilianer und Afrikaner haben enge historische und kulturelle Bindungen. Durch den jahrhundertelangen Sklavenhandel ist Brasilien mit rund 90 Millionen Schwarzen heute das Land mit der zweitgrößten afrikanischstämmigen Bevölkerung nach Nigeria. Diese enge Beziehung hatte sich Brasiliens voriger Präsident Luiz Inácio »Lula« da Silva gezielt zunutze gemacht. Während seiner Regierungszeit von 2003 bis 2010 wurde Afrika zum Pionierland, zur großen Herausforderung für Brasilien, wie es der Historiker Jerry Dávila von der Universität Illinois kürzlich ausdrückte.

Traditionell pflegt Brasilien enge Beziehungen zu den portugiesischsprachigen Ländern Afrikas, die häufig unter dem Kürzel PALOP (»Países Africanos de Língua Oficial Portuguesa«) zusammengefasst werden: Angola, Mosambik, Kap Verde, São Tomé und Príncipe sowie Guinea-Bissau. Aufgrund der sprachlichen und historischen Gemeinsamkeiten sind diese Beziehungen vor allem kultureller Art. 1996 gründeten diese Länder gemeinsam mit Portugal, Brasilien und Osttimor die »Gemeinschaft portugiesischsprachiger Staaten« (CPLP), die besonders bildungs- und kulturpolitische Initiativen fördert. 
<h3>Der Schwerpunkt der Beziehungen liegt auf Angola</h3>
An den PALOP-Ländern Angola und Mosambik hat Brasilien indes auch starkes wirtschaftliches Interesse. Von vier Milliarden Dollar im Jahr 2000 ist das brasilianisch-afrikanische Handelsvolumen bis zum vergangenen Jahr auf fast 28 Milliarden Dollar gestiegen. Zwar verfolge das lateinamerikanische Land keine explizite Rohstoffstrategie, sagt Christina Stolte vom »German Institute for Global and Area Studies« (GIGA). Dennoch bestehen die brasilianischen Importe aus Afrika zu über 80 Prozent aus fossilen Rohstoffen. Die Regionalmächte Nigeria und Südafrika sind deshalb für Brasilien aufgrund ihres Ressourcenreichtums seit Jahrzehnten von zentraler Bedeutung. 

Doch für Brasilien gehe es heute vor allem um die Diversifizierung seiner Exportmärkte, argumentiert Stolte. Schon deshalb konzentriere sich die brasilianische Afrikapolitik heute nicht mehr nur auf wenige Schlüsselpartner. Besonders erfolgreich agieren in Afrika Brasiliens große Konzerne aus dem Infrastrukturbereich wie Odebrecht, Camargo Corrêa und Queiroz Galvão, aber auch Rohstoffkonzerne wie Vale und Petrobras. Brasilianische Firmen sind in vielen Ländern an großen staatlichen Infrastrukturprojekten vom Straßen- und Eisenbahnbau über Wasserkraftwerke bis zum Bau neuer Flug- und Seehäfen beteiligt. Petrobras weitet die Ölförderung im Golf von Guinea aus. Vale hat seit 2006 fast zwei Milliarden Dollar in die Förderung von Steinkohle in Mosambik investiert. Der Bushersteller Marcopolo eröffnete im Jahr 2000 eine Fabrik in Südafrika, um den afrikanischen Markt mit seinen Fahrzeugen zu versorgen.

Der Schwerpunkt der Beziehungen liegt jedoch eindeutig auf Angola. Der Staat im Südwesten Afrikas ist für Brasilien mittlerweile wirtschaftlich bedeutsamer als Nachbarländer wie Peru oder Ecuador. Mehr als 100 brasilianische Unternehmen sind im Land aktiv, aber es finden sich auch brasilianische Supermärkte, Boutiquen, Restaurants und Buchhandlungen. Insgesamt leben mehr als 25.000 Brasilianer in Angola. Telenovelas aus dem lateinamerikanischen Land locken auch die angolanische Jugend täglich vor den Fernseher und bringen damit das brasilianische Lebensgefühl ins heimische Wohnzimmer.
<h3>Globale Ambitionen – und innenpolitisches Kalkül?</h3>
Der größte private Arbeitgeber in Angola ist ebenfalls brasilianisch: Der Baukonzern Odebrecht, dessen Wurzeln auf einen deutschen Einwanderer aus Vorpommern zurückreichen, beschäftigte zeitweise mehr als 25.000 Angolaner. Anhaltende Zahlungsrückstände der angolanischen Regierung infolge des Ölpreisverfalls Ende 2008 führten allerdings zu einer sichtbaren Reduzierung der Geschäftsaktivitäten und einem Stellenabbau auf heute noch 13.000 Mitarbeiter im Land.

Der Baukonzern beschäftigt in Afrika ebenso wie andere brasilianische Firmen fast nur einheimische Arbeiter. Dies funktioniere hervorragend, berichtet Pedro Paulo Tosca, der als Odebrecht-Projektmanager in Liberia den Wiederaufbau einer 240 Kilometer langen Eisenbahnstrecke koordiniert hat. Man habe viel in die Schulung der Arbeiter investieren müssen. Aber letztlich sei das »viel günstiger und zeitsparender gewesen, als Baumaschinen ins Land zu holen«, denn den Großteil der Arbeit habe man mit lokalen Arbeitskräften erledigen können. Auch wenn die Bezahlung nicht hoch sei: Die Arbeiter seien froh, überhaupt Geld zu verdienen und gut behandelt zu werden, unterstreicht einer der Vorsteher eines Dorfes an der Bahnstrecke.

Ein brasilianischer Diplomat in Westafrika argumentiert, mit der historisch-kulturellen Verwandtschaft habe sein Land einen Vorteil gegenüber anderen ausländischen Wirtschaftsmächten: »Brasilianer werden in den afrikanischen Ländern willkommen geheißen. Wir waren auch eine Kolonie; die Menschen sehen uns als gleichwertig an und denken nicht, wir kommen als Kolonisatoren.«

Lula da Silva leitete als Präsident auch eine moralische Verpflichtung gegenüber den afrikanischen Ländern aus diesen Bindungen ab: Seine expansive Afrikapolitik sei nicht zuletzt innenpolitisch motiviert gewesen und habe auch darauf abgezielt, die Wählerstimmen der schwarzen Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen, sagt Gerhard Seibert vom »Zentrum für Afrikastudien« an der Universität Lissabon.

Doch auch außenpolitisch hofft das aufstrebende Schwellenland, von den verstärkten Beziehungen mit afrikanischen Ländern zu profitieren. Als sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt hegt Brasilien globale Ambitionen, etwa auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Allein 24 afrikanische Länder besuchte Lula in seiner Regierungszeit. Seit seinem Amtsantritt stieg die Zahl afrikanischer Botschaften in Brasilien von 16 auf 25 und die der brasilianischen Vertretungen in Afrika von 20 auf 37. Deren Hauptaufgabe ist es mittlerweile, die wirtschaftlichen Interessen brasilianischer Unternehmen zu vertreten. Dennoch tritt Brasilien dabei weniger aggressiv auf als China – schon weil es sich keine so massive finanzielle Unterstützung seiner Firmen leisten kann wie das asiatische Riesenreich. 
<h3>Brasilien ist in Afrika Vorreiter bei der Produktion von Bioethanol</h3>
Zum Beispiel in Gabun: 2005 wurde der Bergbaukonzern Vale dort beauftragt, die Möglichkeit zur Erschließung der Eisenerzvorkommen Belinga zu untersuchen. Noch vor Fertigstellung der Machbarkeitsstudie traf das chinesische Joint Venture CMEC in Gabun ein – im Gepäck Pläne für den Bau eines Staudamms, einer Eisenbahnstrecke und eines Tiefseehafens als Gegenleistung für den Zuschlag bei der Explorationslizenz. Den Auftrag zur Eisenerzförderung erhielt schließlich CMEC.

Nachdem sich der Bau jedoch als komplizierter als erwartet herausstellte, die Staudammpläne wegen des Standorts an einem naturgeschützten Wasserfall einen Skandal provozierten und die Weltmarktpreise für Eisenerz stark fielen, wurde das komplette Projekt auf Eis gelegt. Der heutige gabunische Präsident Ali Bongo soll nun wieder Gespräche unter anderem mit den Brasilianern führen.

Auch seine Entwicklungshilfe in Afrika baut Brasilien seit einigen Jahren stetig aus. Die Beträge seien allerdings eher symbolisch und dienten vor allem dazu, den Anspruch der aufstrebenden Wirtschaftsmacht zu unterstreichen, monieren Kritiker. Insgesamt wandte Brasilien dafür vergangenes Jahr 65 Millionen Dollar auf, verteilt auf mehr als 300 Projekte in 37 Ländern; mehr als 50 Prozent des Geldes flossen in die PALOP-Länder.

Das Hauptaugenmerk dieser Entwicklungshilfe liegt neben Bildung und Gesundheitsversorgung auf der Landwirtschaft. Als einer der treibenden Sektoren der brasilianischen Wirtschaft hat sie in den vergangenen Jahren zum wirtschaftlichen Aufschwung des Landes sichtbar beigetragen. 

Afrikanische Länder könnten aufgrund der ähnlichen klimatischen Bedingungen also durchaus von einem Knowhow-Transfer profitieren. Zu den großen Initiativen gehört das »Cotton-4«-Projekt, das erfolgreich die Baumwollproduktion in Benin, Burkina Faso, Tschad und Mali fördert. Doch während Brasilien jährlich nur rund 17 Millionen Dollar in Agrarprojekte in Afrika investiert, hat China 2009 allein eine Milliarde Dollar für den Wiederaufbau der angolanischen Landwirtschaft zugesagt.

Vorreiter in Afrika ist Brasilien indes bei der Produktion von Bioethanol. Das 2008 gegründete brasilianisch-angolanische Joint Venture Biocom baut für diesen Zweck Zuckerrohr an, aus dem bald 20 Millionen Liter des Biosprits pro Jahr hergestellt werden können. Anfang des Jahres hat auch ein japanisches Unternehmen Investitionspläne für die Ethanolherstellung in Angola vorgelegt. 
<h3>Betreibt auch Brasilien Exportdumping?</h3>
Der Vorsprung der Brasilianer liegt jedoch auf der Hand: Die jungen angolanischen Techniker erhalten einen Teil ihrer Ausbildung direkt in Brasilien. »Durch den Sprachvorteil und die kulturelle Nähe lernen unsere Mitarbeiter viel schneller und effizienter«, sagt Carlos de Almeida, der landwirtschaftliche Direktor von Biocom.

Malawi importierte schon 2007 die ersten in Brasilien hergestellten ethanolbetriebenen Fahrzeuge, sogenannte Fuel-Flex-Autos, um den Betrieb mit heimischem Ethanol zu testen. Die Steigerung der Ethanol-Produktion auf heute 18 Millionen Liter in dem kleinen afrikanischen Land wurde von Brasilien stark gefördert. Dass jährlich vor der Ernte für einen Großteil der Malawier die Nahrungsmittel knapp werden, wurde beim Ausbau der Zuckerrohrplantagen allerdings nicht berücksichtigt.

Überhaupt steht in der Realität nicht unbedingt die moralische Verpflichtung gegenüber Afrika an vorderster Stelle, sondern meist der eigene wirtschaftliche Vorteil. Den sahen vor wenigen Monaten etwa brasilianische Hähnchenproduzenten in Gefahr und beschwerten sich deshalb bei der Welthandelsorganisation über die Sonderimportzölle von bis zu 63 Prozent, die Südafrika seit einiger Zeit auf ihre Ware aufschlägt. Lokale Produzenten in Südafrika werfen den Südamerikanern Dumping vor, weil diese als weltgrößter Geflügelproduzent ihre Waren in großen Mengen zu Niedrigpreisen exportieren.

Letztlich verfolgt Brasilien also – durchaus vergleichbar mit China – eindeutig wirtschaftliche und politische Ziele mit seiner Afrikapolitik. Doch unter dem Strich profitieren davon meist auch die afrikanischen Partner: Beim Hähnchenstreit etwa sind es die Endverbraucher, denn mit der günstigen Ware aus Brasilien bestreitet Südafrika drei Viertel seiner Geflügelimporte.
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="/fileadmin/img/vorlagen/zenith_5_12_125x162.jpg" style="cursor:move;" height="162" width="125" alt="" /> 						</div>
<div style="margin-left: 120px; "><div class="csc-textpic-text"><h2> 								zenith 5/12</h2>
<p class="copytext_grau">Dieser Artikel stammt aus dem Schwerpunkt der aktuellen Print-Ausgabe. Lesen Sie <i>weiter</i> im Brasilien-Spezial der neuen <link 812 - internal-link "Opens internal link in current window">zenith 5/12</link>. Erhältlich im Handel, im <link https://www.zenithonline.de/deutsch/abo/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">Abo</link> und im <link http://www.zenithonline.de/deutsch/shop/kategorien/categories/zenith-ausgaben-bestellen/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">Shop</link>.</p></div></div></div>
<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>]]></content:encoded>
			<category>Überregional Wirtschaft Investitionen</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 12 Dec 2012 10:14:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Geschäft auf Umwegen</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/geschaeft-auf-umwegen-003495/</link>
			<description>Täglich werden etwa 6 Millionen Liter Diesel aus dem Iran herausgeschmuggelt – 27 Prozent mehr als...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ob im 20-Liter-Plastikbehälter im Kleinlastwagen oder per Frachter über die See: Es gibt viele Wege, auf denen iranische Schleichhändler täglich Millionen Tonnen Diesel illegal aus dem Iran in die Nachbarländer transportieren. Dort können sie den Sprit zum zwanzigfachen Preis verkaufen. Beliebteste Ziele sind die Türkei, Afghanistan, der Irak und vor allem Pakistan.

Ein kleiner Preisvergleich macht das lukrative Geschäft deutlich: Drei Liter Diesel kosten im Iran nur 2 Cent. In Pakistan kostet ein Liter schon 1,20 Euro. Dazu kommt, dass die Wechselkurse im Iran einen Rekordstand erreicht haben. So können die Schwarzhändler noch mehr Rendite erzielen. Vor einem Monat beschlagnahmte die Polizei etwa 300.000 Liter Diesel, die illegal auf einem Frachter im Persischen Golf transportiert wurden.

Laut einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur <i>Fars</i> sind auch Fabrikanten bei dem Sprit-Schmuggel aktiv. Verantwortlichen sollen Beweise vorliegen, aus denen hervorgeht, dass einige Produzenten im Süden des Landes falsche Angaben zu ihrem Dieselverbrauch gemacht hätten. Dabei hätten die Fabrikanten bei Anträgen für subventionierten Sprit zum Teil doppelte Verbrauchsmengen mitgeteilt, um den vergünstigten Diesel zu hohen Preisen auf dem illegalen Markt weiter zu verkaufen. Auch einige zuständige Behörden in den betroffenen Regionen sollen darüber informiert gewesen sein, heißt es in dem Bericht. Hinzukommen die vielen illegalen Grenzübergange des Landes, an denen nicht nur Diesel, sondern auch Drogen, Alkohol, Zigaretten und Medikamente geschmuggelt werden.
<h3>Drei Liter Diesel kosten weniger als ein Liter Wasser</h3>
Ein Milliardengeschäft, das längst kein Geheimnis mehr ist. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad sagte kürzlich in einer Rede: »Alle illegalen Grenzübergange des Landes müssen geschlossen werden.« Zudem stellte er fest, dass jede Organisation, Institution und Einrichtung für sich eine passende Nische gefunden hätte, um heimlich Import-Export-Geschäfte zu betreiben. Dabei nutzte der Regierungschef die tobenden Machtkämpfe innerhalb des konservativen Lagers aus und griff nicht nur die Fahrlässigkeit der Behörden an, sondern zielte auch auf die Mitwirkung von militärischen Einrichtungen wie der iranischen Revolutionsgarden: »Ganz gleich, ob eine Ware der Sicherheit, der Information oder militärischen Zwecken dienen sollte – alles muss von nun an durch unseren staatlichen Zoll und über die offiziellen Grenzen laufen«, so Ahmadinejad. Er hatte zuvor indirekt die Revolutionsgarden beschuldigt, am Schmuggelgeschäft beteiligt zu sein.
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="../fileadmin/img/content/politik/full_article/tfi_logo_small.jpg" height="33" width="125" alt="" /> 						</div>
<div style="margin-left: 120px; "><div class="csc-textpic-text"><p class="copytext_grau">Die Redaktion von <b>Transparency for Iran</b> bietet weiterführende Hintergrundinformationen, die in deutschen Medien aufgrund der Nachrichtenlage nicht genug Beachtung finden. Durch dichte Beschreibungen des vielschichtigen Iran-Puzzles ermöglichen die persisch-sprachigen Autoren und Journalisten ein ganzheitliches Bild der gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Meinungsbildungsprozesse im Iran. Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.</p>
<p class="copytext_grau"><link http://www.transparency-for-iran.org>www.transparency-for-iran.org</link></p></div></div></div>
<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>

Tatsächlich sprechen die Zahlen über den illegalen Handel im Iran für sich: Ein iranischer Parlamentarier und Angehöriger des Wirtschaftsausschusses schätzte im Sommer 2011 die Einnahmen des Schwarzmarktes auf 20 Milliarden US-Dollar.

Täglich werden etwa 95 Millionen Liter Diesel im Iran hergestellt. »Derzeit kosten drei Liter Diesel zum subventionierten Preisen etwa 450 Tuman – umgerechnet etwa 2 Eurocent — und somit weniger als ein Liter Wasser mit 500 Tuman«, so Irans Erdöl Minister Rostam Ghasemi am vergangenen Mittwoch. Neben Preisänderungen sieht der Ölminister eine weitere Maßnahme zur Bekämpfung von Diesel-Schmuggel darin, den Sprit zu rationieren. In 16 iranischen Provinzen wird Diesel gegenwärtig bereits rationiert. Mit der neuen Regelung, die voraussichtlich ab März 2013 gelten soll, will die Regierung nun auch die weiteren 13 Provinzen dazu holen.]]></content:encoded>
			<category>Iran Wirtschaft Energie</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 10:34:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Schlafender Reiseriese</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/schlafender-reiseriese-003487/</link>
			<description>Bislang zog vor allem Bali Touristen nach Indonesien. Investitionen in die Infrastruktur sollen die...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Über 17.500 tropische Inseln mit endlosen Sandstränden, eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Ethnien mit faszinierenden kulturellen und religiösen Traditionen, aufstrebende asiatische Millionenstädte neben noch archaisch lebenden Volksstämmen, unberührte Dschungel, kunstvolle Reisterrassen, teils noch aktive Vulkane, Gewässer mit einer der höchsten maritimen Biodiversität der Welt – kaum ein Land Südostasiens verfügt über eine derartige Vielfalt wie Indonesien. Eigentlich traumhafte Voraussetzungen für eine boomende Tourismusindustrie. 

In der Tat verzeichnete Indonesien in den vergangenen Jahren einen Anstieg der Besucherzahlen. Kamen 2006 noch 4,8 Millionen ausländische Touristen, waren es 2011 bereits 7,65 Millionen Besucher, ein Zuwachs von 9,24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2012 werden an die acht Millionen ausländische Reisende erwartet. 2011 trug die Fremdenverkehrsindustrie rund 9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der Sektor stellt mit über acht Millionen Beschäftigten 7,7 Prozent aller Arbeitsplätze.

Doch der Verweis auf steigende Wachstums- und Besucherzahlen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das mit über 240 Millionen Einwohnern viertgrößte Land der Welt und Südostasiens größte Volkswirtschaft im Vergleich mit seinen Nachbarn touristisch gesehen noch einen deutlichen Nachholbedarf hat. So konnte Thailand 2011 über 19 Millionen Besucher verzeichnen – ein dickes Plus von 20,7 Prozent zum Vorjahr. Malaysia, Indonesiens direkter Nachbar, empfing im letzten Jahr 24,7 Millionen ausländische Gäste.

Selbst Indonesiens Tourismusmagnet Bali, seit den 1930er Jahren als mythisch-verklärte »Insel der Götter« weltberühmt für seine einzigartige, im Hinduismus wurzelnde Kultur, zieht mit 2,7 Millionen Besuchern (2011) deutlich weniger Touristen an als das thailändische Phuket, das sechs Millionen Gäste verzeichnen kann.

Woran liegt es also, dass das Inselreich auch als Ferienziel noch an den sprichwörtlichen »schlafenden Riesen« erinnert? Einige Gründe liegen auf der Hand und sind schnell genannt: In den internationalen Medien ist Indonesien vor allem vertreten als Land von verheerenden Naturkatastrophen und islamistischen Terroranschlägen, Nachrichtenberichte über Gewalt gegen religiöse Minderheiten, Scharia in Aceh, interreligiöse und interethnische Konflikte sind dem so wichtigen Image von einem sicheren Urlaubsland nicht gerade zuträglich.
<h3>Verheerende Naturkatastrophen und islamistische Terroranschläge bestimmen das Bild in den Medien </h3>
Die Besucherzahlen von Bali zeigen aber, dass die Ursachen für Indonesiens Schwierigkeiten im Tourismussektor tiefer liegen. Denn trotz des Terroranschlags von 2002, der Balis Touristenzentrum Kuta traf, konnte die Insel bereits 2004 mit 1,45 Millionen Besuchern wieder an Wachstumszahlen aus den Jahren vor dem Anschlag anknüpfen. Dieses Jahr wird mit drei Millionen internationalen Gästen gerechnet, für 2015 geht Balis Gouverneur I Made Mangku Pastika gar von bis zu fünf Millionen Besuchern aus. Und hier beginnen die Probleme. Denn Balis unzureichende Infrastruktur ist bereits mit den jetzigen Besucherzahlen überfordert. Besonders im touristisch erschlossenen Süden der Insel sind die negativen Auswirkungen des Massentourismus schon seit einigen Jahren nicht mehr zu übersehen:<br />zum Teil endlos lange Schlangen am überlasteten Einreiseschalter des Flughafens, zuvor in Bali unbekannte Verkehrsstaus sogar im dörflichen Künstlerort Ubud, Stromausfälle, Wasserknappheit, vermüllte Strände und Flüsse, Berge von Abfall an Straßenrändern. Das stellt man sich nicht unter einer paradiesischen Trauminsel vor.

Obwohl lokale Infrastruktur, Abfallentsorgung, Strom- und Wasserversorgung längst an ihre Grenzen gestoßen sind, wird in großem Stil weiter investiert. In den nächsten zwei Jahren sind Eröffnungen von Resorts der High-End-Hotelketten Banyan Tree, InterContinental Hotel Group, Ritz Carlton und Kempinski geplant. Aber auch jenseits von Bali wird verstärkt investiert: So hat die französische Accor-Gruppe angekündigt, zusätzlich zu ihren 13 bereits im Bau befindlichen Hotels in Indonesien 21 weitere Häuser zu eröffnen. 

Damit soll auch ein Gegengewicht zum billigen Massentourismus geschaffen werden. Denn obwohl die Besucherzahlen steigen, zeigte sich in den vergangenen Jahren ein bedenklicher Trend: Verbrachten die Besucher im Jahr 2007 noch durchschnittlich 9,2 Tage in Indonesien, so waren es 2011 nur noch 7,84 Tage. Auch die Ausgaben pro Tag liegen deutlich unter denen anderer Länder in der Region: im Schnitt bei 142 Dollar pro Tag. Wie die Ministerin für Tourismus und Kreativwirtschaft, Mari Elka Pangestu, in einem Interview mit dem indonesischen Nachrichtenmagazin <i>Tempo</i> betonte, sollen daher verstärkt »Qualitätstouristen« angezogen werden – denn diese verbringen tendenziell mehr Tage in Indonesien, geben mehr aus und interessieren sich für die lokale Kultur und Natur. Auch der Ökotourismus soll verstärkt gefördert werden. 
<h3>Ministerin mit Masterplan</h3>
Für 2014 will Pangestu eine Besucherzahl von 9,5 Millionen erreichen. Die Ministerin hat sich viel vorgenommen, und es ist durchaus davon auszugehen, dass Indonesiens Tourismusindustrie unter ihrer Amtsführung endlich den lange erwarteten Sprung nach vorne schafft. Mari Elka Pangestu gilt als eine der fähigsten Politikerinnen Indonesiens. Als Handelsministerin war es ihr bereits gelungen, Indonesien gekonnt durch die globale Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre zu führen. Seit Ende 2011 steht Pangestu nun dem neu gebildeten Ministerium für Tourismus und Kreativwirtschaft vor, das das Ministerium für Tourismus und Kultur ablöst. Mit der Zusammenführung von Tourismus und Kreativwirtschaft soll den engen Beziehungen zwischen den beiden Sektoren Rechnung getragen und vor allem das Potenzial der gegenseitigen Förderung verstärkt genutzt werden.

Im Rahmen des im Mai 2011 vorgelegten »Master Plan for the Acceleration and Expansion of Indonesia’s Economic Development 2011–2025« (MP3EI) sind die Provinzen Bali sowie West- und Ost-Nusa Tenggara als »Fünfter Wirtschaftskorridor« explizit für den gezielten Ausbau der Tourismusindustrie vorgesehen. Der »Master Plan of National Tourism&nbsp; Development« sieht bis 2025 die Entwicklung von 50 nationalen Tourismuszielen vor und benennt als seine vier Hauptsäulen die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus,&nbsp; Verbesserung der Strategien des Tourismusmarketing, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des touristischen Sektors sowie die Etablierung einer nachhaltigen, tourismusbezogenen Infrastruktur.

Alle genannten Punkte weisen einen großen und längst überfälligen Nachholbedarf auf. Indonesiens frühere Tourismuswerbung konnte im Vergleich mit dem gelungenen Branding der Nachbarländer – man denke an das geradezu geniale »Malaysia – Truly Asia« – nicht mithalten. Schlimmer noch, sie hinterließ oft einen ausgesprochen unprofessionellen Eindruck. Webseiten und Broschüren zeichneten sich durch fehlerhaftes Englisch und oft nur halbfertige »Übersetzungen« in andere Sprachen aus, bei denen allem Anschein nach das Budget nicht in die Arbeit von kompetenten muttersprachlichen Übersetzern investiert, sondern lieber anderweitig verwendet worden war.
<h3>Warum nicht mehr Selbstvertrauen in die islamisch geprägte Kultur? </h3>
Ob die noch unter dem vorherigen Tourismusminister Jero Wacik Anfang 2011 gestartete neue »Wonderful Indonesia«-Werbekampagne sich einreihen wird in die international erfolgreichen Programme von Malaysia, Thailand oder auch Indien mit seinem einprägsamen Slogan »Incredible India«, bleibt abzuwarten. Auffällig ist, dass im Promotion-Video mit Bildern von Indonesien geworben wird, in denen der Islam vollkommen ausgeblendet bleibt – und das, obwohl Indonesien das größte muslimische Land der Erde ist. 

Wurde hier eine Chance verpasst, sich mutig von vermeintlichen Asien-Klischees zu verabschieden und in der Selbstrepräsentation kreativ etwas Neues zu wagen? Denn auf weitverbreitete westliche Phantasien und Träume von einem buddhistischen Asien kann Indonesien – im Gegensatz zu den Ländern Festlandsüdostasiens – in seinen Werbekampagnen nicht bauen. Mehr Selbstvertrauen gerade auch in die asiatisch-islamisch geprägte kulturelle Vielfalt Indonesiens könnte aber in der Außendarstellung langfristig viel zur Etablierung einer ganz eigenen, unverwechselbar »indonesischen« Identität in der internationalen Tourismuslandschaft beitragen.

Inzwischen ist auch unter der indonesischen Bevölkerung das Bewusstsein für das eigene kulturelle Erbe und dessen Potenzial für eine professionellere Vermarktung ihres Landes gestiegen. Mehrfach kam es in den letzten Jahren zu großer Empörung, weil Malaysia sich unter Berufung auf die gemeinsame kulturhistorische Vergangenheit immer wieder indonesischer Kulturgüter bedient hatte, um damit für Malaysia zu werben, so mit dem balinesischen Pendet-Tanz.

Im Bereich der unzulänglichen Infrastruktur sind neue Entwicklungen dringend erforderlich, da unter den bestehenden Bedingungen die lokalen Kapazitäten den steigenden Touristenzahlen längst nicht mehr gewachsen sind. Als Inselreich ist Indonesien auf Flug- und Seeverbindungen angewiesen. Die Etablierung von Billigfluggesellschaften hat seit der Jahrtausendwende erheblich dazu beigetragen, dem innerindonesischen Verkehr zwischen den Inseln einen gewaltigen Zuwachs zu bescheren und auch schwer erreichbare Gebiete stärker in das nationale Verkehrsnetz einzubinden. Damit erleben diese bisher vergleichsweise isolierten Regionen einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung, der auch eng mit der touristischen Erschließung verbunden ist.
<h3>Erschließung neuer Tourismusziele</h3>
War der Tourismus bisher vor allem auf die Zentren Bali, Yogyakarta und Jakarta begrenzt, ist nun dank günstiger neuer Direktverbindungen mit einem deutlichen Besucherzuwachs für Gebiete zu rechnen, die vor allem Kulturinteressierte und Tauchliebhaber anziehen: das Land der Batak um den Toba-See in Nordsumatra, Westsumatra mit seiner islamisch-matrilinearen Kultur, die Dörfer der Toraja auf Sulawesi, die Unterwasserwelt von Bunaken in Nord-Sulawesi. Derzeit ist die gezielte Förderung von 16 so genannten »priority destinations« geplant.

Noch in den Anfängen hingegen steckt die touristische Erschließung ganz neuer Gebiete in Ostindonesien, so der Raja-Ampat-Inselgruppe in West-Papua, die eine Südsee-Traumlandschaft wie aus dem Bilderbuch bietet. Die langen und zum Teil sehr mühsamen Anreisewege werden jedoch dafür sorgen, dass viele dieser neuen Ziele vorerst weiterhin »Geheimtipps« bleiben für Reisende, die viel Zeit mitbringen und vor Ort auf den Luxus von Fünf-Sterne-Hotels verzichten können.

Als problematisch erweist sich bei der Erschließung neuer Regionen die drohende Zerstörung des sensiblen Ökosystems. Indonesiens Restbestand an tropischen Regenwäldern und die vor allem im Osten gelegenen Korallenriffe gehören zu den gefährdetsten Naturräumen der Welt. Im Meeresnationalpark Bunaken können Taucher inzwischen nicht nur eine reiche Artenvielfalt von Fischen und Korallenriffen bewundern, sondern müssen auch deren Erosion durch Plastikabfall und anderen im Meer entsorgten Müll zur Kenntnis nehmen. Aber nicht nur diese Umweltprobleme lassen Schlimmes ahnen, auch die häufige Missachtung der traditionellen Landrechte der lokalen Bevölkerung wirft dunkle Schatten auf viele neue Entwicklungsprojekte in entlegenen Regionen.

Inzwischen werden der balinesische Flughafen Ngurah Rai und Jakartas Soekarno-Hatta-Flughafen erweitert, um für die steigenden Passagierzahlen gerüstet zu sein. Zudem ist der Bau eines zweiten Flughafens in Balis bisher touristisch kaum erschlossenem Norden geplant. Auf Balis Nachbarinsel Lombok hat 2011 ein neuer internationaler Flughafen den Betrieb aufgenommen. Internationale Direktflüge von Billigfluglinien – wie die seit Herbst 2012 dreimal wöchentlich zwischen Lombok und Kuala Lumpur verkehrende Air Asia – sollen helfen, Balis »kleine Schwester« und von ihr ausgehend auch die östlichen Nachbarinseln als neue Urlaubsziele zu fördern.

Das indonesische Archipel liegt zwischen dem südlichen Festlandasien und Australien – eigentlich sollte das ein perfektes Ziel für Kreuzfahrten sein. Doch auch dieses vielversprechende Potenzial wurde bisher kaum genutzt. Ein Großteil der indonesischen Häfen entspricht noch nicht internationalen Standards, größere Kreuzfahrtschiffe können nicht anlegen. Die dringend erforderliche Modernisierung der wichtigsten Häfen wird inzwischen in Angriff genommen.

Auch auf anderen Gebieten gibt es viel zu tun: Der Qualitätsstandard im Hotel- und Gastgewerbe entspricht außerhalb der Geschäfts- und Tourismuszentren Jakarta, Yogyakarta und Bali meist noch nicht internationalen Anforderungen. Für die Etablierung wettbewerbsfähiger neuer Tourismusziele ist es jedoch unabdingbar, auf professionell geschultes Personal zurückgreifen zu können. Das erweist sich aber gerade in den ländlichen, noch stark von traditionellen Weltsichten geprägten Regionen Ostindonesiens als eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. 

Die Provinzen West- und Ost-Nusa Tenggara, Papua und die Molukken bilden in den nationalen Statistiken regelmäßig das Schlusslicht und gelten als das »Armenhaus« Indonesiens. Infrastruktur, Bildungsstand und Einkommen liegen weit unter dem nationalen Durchschnitt. Auch die nötige Zusammenarbeit und Koordination mit den Lokalregierungen gestalten sich oft schwierig. Andererseits erlaubt diese bisher erst in Ansätzen erreichte touristisch-marktwirtschaftliche Durchdringung der Region dem Reisenden persönliche Begegnungen mit Menschen und fremden Welten, die man so im vergleichsweise touristisch »durchprofessionalisierten« Thailand oder Malaysia kaum noch erleben kann.
<h3>Vor allem aus dem asiatischen Raum steigen die Besucherzahlen</h3>
Ein weiteres Tourismussegment mit großem Wachstumspotenzial ist die Tagungsindustrie (MICE), deren Ausbau verstärkt gefördert werden soll. Bislang können größere internationale Konferenzen nur in Jakarta oder auf Bali stattfinden. Die Errichtung neuer Konferenzzentren mit internationalem Standard in anderen Großstädten soll auch dazu dienen, gezielt für den Tourismus in diesen Regionen zu werben. Allerdings geht Ministerin Pangestu davon aus, dass Indonesien erst in fünf Jahren wirklich wettbewerbsfähig sein wird.

Angesichts des großen Potenzials steckt Indonesiens Fremdenverkehrsindustrie noch in den Kinderschuhen, viele lang aufgeschobene Aufgaben werden gerade erst angegangen. Doch die Aussichten sind gut. Für die nächsten Jahre ist mit einem weiteren Wachstum zu rechnen, denn vor allem aus dem asiatischen Raum steigen die Besucherzahlen: 20 Prozent mehr Chinesen und Australier kamen 2011 im Vergleich zum Vorjahr, 15 Prozent mehr Inder und Russen. Deshalb wird sich Indonesien auch auf dem Tourismussektor auf diese neuen Wachstumsregionen konzentrieren.

2013 bieten sich große Chancen für den indonesischen Tourismus: Das Inselreich wird sich im Frühjahr als Partnerland auf der ITB in Berlin vorstellen, im September die Miss-World-Wahlen auf Bali ausrichten und im November Gastgeber für den APEC-Gipfel auf Bali sein.

<i>Dieser Artikel wurde zuerst in der Zeitschrift IP – Internationale Politik der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) veröffentlicht. Die Ausgabe November/Dezember 2012 beleuchtet <link https://zeitschrift-ip.dgap.org/de/archiv/ausgaben/jahrgang/2012/ip-l%C3%A4nderportr%C3%A4t-indonesien _blank external-link-new-window "Opens external link in new window">Indonesien in einem Länderschwerpunkt</link>.</i>]]></content:encoded>
			<category>Indonesien Wirtschaft Tourismus</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 28 Nov 2012 12:02:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Konzern im Untergrund</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/konzern-im-untergrund-003478/</link>
			<description>Auch wenn die militärische Eskalation zwischen Israel und der Hamas wieder abklingt, wird der...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Seit Beginn der israelischen Grenzblockade 2007 ist der Grenzübergang Rafah für die 1,6 Millionen Palästinenser im Gazastreifen der einzige offizielle Weg nach draußen; eine ungemütliche Alternative bieten nur die Untergrundtunnel. Doch selbst damit scheint es langsam vorbei zu sein. Nach dem Anschlag im Sinai begann Ägypten, zahlreiche Tunnel zu schließen. Sie sollen von den Angreifern benutzt worden sein und werden deshalb als Sicherheitsrisiko eingestuft.

Die Unterbrechung des Tunnelverkehrs zeigte schon nach einer Woche fatale Wirkung. Im Gazastreifen kamen 30 Prozent weniger Treibstoffimporte und 70 Prozent weniger Baumaterialien als in der Woche zuvor an. Der Treibstoffmangel im einzigen Kraftwerk des Palästinensergebiets führte zu Stromausfällen von bis zu 16 Stunden am Tag, was wiederum den Benzinverbrauch durch die unzähligen Generatoren ansteigen ließ. So kam es täglich zu langen Warteschlangen vor Tankstellen, sofern überhaupt Benzin verfügbar war.

Den Kritikern der Tunnelökonomie hat diese Krise Aufwind verschafft. Sie hoffen, dass der Schmuggelbetrieb im Untergrund bald durch geregelte Importe und Exporte an der Oberfläche ersetzt wird. Der Vizeaußenminister der Hamas-Regierung des Gazastreifens, Ghazi Hamad, sprach in einer Presseerklärung Anfang August sogar von Plänen für eine Freihandelszone mit Ägypten, die den Gazastreifen »befreien« werde. Die Hamas versucht das Nachbarland schon seit Monaten zu einer Formalisierung der Handelsbeziehungen zu bewegen, doch bislang ohne sichtbaren Erfolg.

Dennoch hat gerade die Krise nach dem Anschlag auf die Grenze viele optimistisch gestimmt. »Wenn der Übergang Rafah für den Handel geöffnet wird, werden die Tunnel bald Geschichte sein«, sagt Azzam al-Shawwa, Generaldirektor der palästinensischen Quds Bank und früherer Energieminister in der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). »Die Tunnel haben zwar billige Güter gebracht, doch im Endeffekt haben sie der Privatwirtschaft geschadet.«

In den Verhandlungen über eine Formalisierung der Handelsbeziehungen zwischen Gaza und Ägypten wird über mehrere Optionen diskutiert. »Eine Freihandelszone ist nur eine der Möglichkeiten«, sagt Vizeminister Hamad. Dabei könnten Waren über den ägyptischen Hafen Al-Arish ohne Einfuhrzölle nach Gaza importiert werden. Doch Hamad warnt schon einmal vor zu hohen Erwartungen: »Das würde den Gazastreifen nicht zu einer Art Taiwan machen. Wir müssen realistisch bleiben.«
<h3>25 Dollar für eine Passage</h3>
Auch eine Art Industriezone, zu der Arbeiter aus dem Gazastreifen freien Zugang hätten, ist seit Jahren im Gespräch. Dagegen sprechen allerdings Ägyptens eigene Probleme. »Ägypten hat selbst 90 Millionen Einwohner. Eine weitere Million aus Gaza wird nicht erwünscht sein«, räumt Hamad ein.

Ägyptens neuer Präsident Mursi, der sich als Muslimbruder der historisch und ideologisch verwandten Hamas politisch verbunden fühlen dürfte, hat früh seine Unterstützung für die Menschen in Gaza angekündigt. Vizeminister Hamad wertet die Wiederaufnahme des Personenverkehrs durch Rafah schon als ersten Schritt zur Besserung. Der nächste soll bald folgen: In einigen Wochen könnte Ägypten laut Hamad den Grenzübergang für die ersten kommerziellen Exporte aus Gaza öffnen. Doch solange die Grenze nicht auch für Importe offen ist, wird der Schmuggel durch die Tunnel wohl weitergehen. 

Denn einer konsequenten Aufwertung der Beziehungen zwischen Gaza und Ägypten stehen auch die Profiteure des lukrativen Tunnelgeschäfts im Weg. »Die Tunnel dienen nur einer kleinen Schicht an Akteuren und privaten Interessen«, kritisiert Tayyeb Abdul Rahim, der Büroleiter von PA-Präsident Mahmud Abbas, dessen Behörde die Versiegelung einiger Tunnelausgänge durch Ägypten begrüßte.

Zwischen 500 und 700 Millionen Dollar an Gütern werden jedes Jahr durch die Gänge transportiert. Seit diesem Jahr verzollt die Hamas nach Informationen der unabhängigen Thinktank International Crisis Group (ICG) jegliches Schmuggelgut mit mindestens 14,5 Prozent. Daneben verdienen auch die Tunnelbetreiber gut am Status quo. Sie verlangen für die Durchreise einer Person 25 Dollar und für den Import eines ganzen Autos 500 Dollar, wie die israelische Zeitung <i>Haaretz</i> berichtet. Allein vergangenes Jahr sollen laut einem ICG-Bericht rund 13.000 Autos durch die Tunnel gebracht worden sein, was immerhin 6,5 Millionen Dollar an Einnahmen ergibt.

Auch der Privatwirtschaft Gazas, die nach Beginn der Grenzblockade 2007 völlig eingebrochen war, haben die Tunnel neuen Aufschwung verschafft. Billige Importe und Investitionen arabischer Länder befeuern die Bauwirtschaft, so dass zurzeit hunderte Wohntürme in die Höhe schießen. Solvente Geldgeber aus den Golfstaaten wie die Islamische Entwicklungsbank mit Sitz im saudi-arabischen Jiddah investieren hunderte Millionen in Gaza – und nicht im Westjordanland, wo die PA seit Jahren in einem tiefen Budgetloch steckt. »Es stimmt schon, dass es viele Profiteure des Tunnelschmuggels gibt«, sagt Nathan Thrall, ICG-Experte für Israel und die Palästinensergebiete. »Aber die Hamas kann das lösen, indem sie Profiteure später in den formellen Handel einbindet.« 
<h3>»Die Tunnel dienen nur einer kleinen Schicht von Akteuren und privaten Interessen«</h3>
Anders ausgedrückt: Wer die Tunnelökonomie beenden will, müsste den Betreibern der Gänge wohl durch eine Beschäftigung im formellen Handel ein gutes Einkommen gewähren oder ihnen andere finanzielle Anreize bieten. Thrall jedenfalls sieht auch für die Hamas durchaus eine Motivation zum Wandel: Durch reguläre Zolleinnahmen könne sie mehr verdienen als in der jetzigen Situation.

Doch auch politische Interessen sprechen dagegen, die Tunnel einfach zu schließen. Denn eine Vertiefung der Beziehungen zwischen Gaza und Ägypten könnte den Gazastreifen politisch und wirtschaftlich endgültig vom Westjordanland abkoppeln. Auch könnte Israel versuchen, sich aus der humanitären Verantwortung für den Gazastreifen zu stehlen, sollte der Grenzübergang Rafah zu einem Handelsknotenpunkt aufgewertet werden.

Der israelische Übergang Kerem Shalom, der zurzeit in begrenztem Umfang für Importe offen ist, könnte dann ganz geschlossen werden. »Israel will Gaza nach Ägypten abschieben. Aber wir sehen Gaza als Teil unseres palästinensischen Vaterlandes«, warnt deshalb Gaza-Vizeaußenminister Ghazi Hamad.

Solche Befürchtungen treiben auch Ex-Energieminister Shawwa um. »Das ist eine ernste Angelegenheit. Wollen wir wirklich eine unabhängige Wirtschaft im Gazastreifen sehen?«, gibt er zu bedenken. »Das könnte uns in eine neue Ära der palästinensischen Teilung führen.« Die Teilung allerdings ist auch jetzt schon weit fortgeschritten, und der Versöhnungsprozess zwischen Fatah und Hamas bleibt trotz aktiver Vermittlung durch Kairo ohne große Erfolge. Allerdings könnte Ägyptens Präsident Mursi die Formalisierung der Handelsbeziehungen mit Gaza von der Bildung einer Einheitsregierung aus beiden Streitparteien abhängig machen.

»Die Beziehungen zwischen Ägypten, Israel und der Hamas sind komplex«, sagt Abdel Monem Said, Direktor des Al-Ahram-Zentrums für Politische und Strategische Studien in Kairo. »Mursi weiß, dass er die Palästinenser im Gazastreifen nicht verhungern lassen kann.« 

Gleichzeitig müsse Ägypten aber auch mit Israel in Sicherheitsfragen zusammenarbeiten. Seit dem Anschlag Anfang August etwa ist die ägyptische Armee mit Panzern und Luftwaffe gegen militante Gruppierungen am Sinai vorgegangen – was gemäß dem Friedensabkommen von 1978 nur in Absprache mit Israel geschehen sein kann.

»Ich denke, es gibt eine realistische Chance, dass Rafah bald auch für den Handelsverkehr geöffnet wird«, sagt Ghazi Hamad von der Hamas-Regierung. Deren Dringen auf einen freien Handel müsse auf die Dauer keineswegs ungehört verhallen. »Aber vielleicht ist es einfach noch zu früh für Ägypten, darauf eine Antwort zu geben.«
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="/fileadmin/img/vorlagen/zenith_5_12_125x162.jpg" style="cursor:move;" height="162" width="125" alt="" /> 						</div>
<div style="margin-left: 120px; "><div class="csc-textpic-text"><h2> 								zenith 5/12</h2>
<p class="copytext_grau">Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Print-Ausgabe. Lesen Sie <i>weiter</i> im Nahost-Spezial der neuen <link 812 - internal-link "Opens internal link in current window">zenith 5/12</link>. Erhältlich im Handel, im <link https://www.zenithonline.de/deutsch/abo/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">Abo</link> und im <link http://www.zenithonline.de/deutsch/shop/kategorien/categories/zenith-ausgaben-bestellen/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">Shop</link>.</p></div></div></div>
<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>]]></content:encoded>
			<category>Palästina Wirtschaft Infrastruktur</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 21 Nov 2012 16:19:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Neue Perspektiven für den Wachstumspfeiler</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/neue-perspektiven-fuer-den-wachstumspfeiler-003470/</link>
			<description>Ägyptens Touristiksektor spürt langsam Aufwind. Er gehörte zu den besonders stark von den Umbrüchen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ägyptens Tourismus strebt nach Normalisierung. Insbesondere nach den Präsidentschaftswahlen blickt das Land seit Jahresmitte 2012 wieder nach vorne. Mit Belegungsraten von 60 bis 70 Prozent befinden sich die Baderegionen Rotes Meer und Sinai im Vorwärtsgang. Schwächer sieht es noch für die Nilschiene aus, die vor allem vom Kultur- und Bildungstourismus abhängt. Für Kairo und Alexandria stellt die Erhöhung der Besucherzahlen weiterhin eine Herausforderung dar. Im Jahr 2012 erhofft man sich insgesamt immerhin 12 Millionen Auslandstouristen, die etwa 10 Milliarden US-Dollar an Devisen bringen sollen.

Dies liegt zwar noch klar unter dem Höhepunkt 2010 mit 15 Millionen Reisenden bei 12,5 Milliarden US-Dollar, überwindet aber den revolutionsbedingten Knick des Jahres 2011. Für die Branche scheinen die Belegungsraten nicht das Hauptproblem, sondern der eingetretene Preisverfall. Drei bis vier Jahre soll es dauern, bis die Preise wieder auf dem früheren Niveau angelangt sind, denn die Einbußen können nicht kurzfristig rückgängig gemacht werden.

Die Bautätigkeit im Touristikbereich erscheint stark reduziert. Dies gilt sowohl für große inländische Entwickler wie auch für ausländische, die meist aus der Golfregion stammen. Nur wenige neue Projekte sind in der Planung zuletzt fortgeschritten. Eine Reihe von Vorhaben wurde angesichts der politischen Umwälzungen und den damit verbundenen Einbrüchen der Touristenzahlen auf Eis gelegt und harrt nun der Wiederaufnahme. Etwa 20 größere Projekte, meist in einer Größenordnung von 100 bis 200 Millionen US-Dollar sind betroffen. Hierbei geht es um Hotels, Ferienanlagen, Golfplätze und ähnliche Projekte.
<h3>Das Konzept des billigen Massentourismus soll gezielt ergänzt werden</h3>
Der Investitionsstau sollte sich in den kommenden Jahren abbauen und Anlass für weitere neue Vorhaben geben. Die fortgesetzte Konsolidierung der politischen und Sicherheitslage vermittelt Zuversicht. Die Politik scheint sich im Klaren, dass die Weiterentwicklung des Tourismus eine der Grundbedingungen für einen nachhaltigen Aufschwung der Wirtschaft ist. Das Programm der regierenden islamistischen »Partei für Freiheit und Gerechtigkeit« (FJP) weist dem Tourismus eine führende Rolle zu.

Der Tourismusentwickler »Radamis for Hotels and Touristic Resorts« blickt optimistisch in die Zukunft und setzt auf Investitionen. Fünf Hotels werden auf dem Süd-Sinai in der beliebten Ferienregion Sharm El Sheikh gebaut. Das erste wird über eine Kapazität von 444 Zimmern verfügen, komplettiert durch den größten Wasserpark des Landes, wenn nicht im Nahen Osten. Die Fertigstellung ist für Oktober 2013 vorgesehen. Die anderen vier Hotels werden auf 800.000 Quadratmetern Land direkt am Roten Meer in Sharm gebaut, drei Hotels mit zusammen rund 3.300 Zimmern sowie ein Boutique Hotel mit etwa 200 Zimmern. Zudem entsteht eine 42.000 Quadratmeter große Lagune zwischen Strand, Promenade und Hotels. Die Fertigstellung soll 2015 erfolgen.

Die politische Umbruch- und touristische Ruhephase haben zu einen intensiven Prozess des Nachdenkens geführt, wohin und wie sich das Land am Nil touristisch entwickeln soll. Diversifizierung ist das Schlüsselwort. Das Konzept des billigen Massentourismus, der für wenig Geld nach Sonne, Strand und Meer strebt, soll ergänzt werden durch gezielte Vermarktung des Landes in Segmenten wie kaufkräftiger beziehungsweise Luxustourismus, Kurztrips, Öko-, Tauch- und Wüstentourismus, Nilkreuzfahrten oder Residenztourismus. Es fehlt an abendlicher Unterhaltungs-Attraktivität jenseits von Diskotheken. Kinos und Theater sollten die Angebotspalette erweitern.
<h3>Ägypten verfügt trotz der großen Bedeutung des Reiseverkehrs nicht über Hotelfachschulen</h3>
Für eine vor allem muslimische Klientel soll ein Halal-Tourismus gemäß Scharia angeboten werden, der von getrennten Stränden über das Burkini-Gebot bis hin zum Alkoholverbot reicht. Verbessert werden soll auch die medizinische Versorgung in den Feriengebieten.

Als notwendig gilt ein Rebranding des Landes mit Promotion bestimmter Regionen und Produkte. Zudem sollen neue Besuchermärkte erschlossen werden wie China, Indien oder Lateinamerika. Neue Destinationen, die sich zum Beispiel aus der Wiedereinführung der langen Nilkreuzfahrten von Kairo bis Luxor ergeben, bedürfen des Ausbaus der touristischen Infrastruktur, so in Städten wie Minya, Assiut oder auch Sohag. Hier bieten sich kleinere Hotels und Anlagen mit exzellenter Qualität an. Eine verbesserte Gästebetreuung gilt generell als erforderlich. Personaltraining zählt zu den Schwachpunkten, die Unternehmen geben in der Regel kein Geld für adäquate Schulung aus. Das Land verfügt trotz der großen Bedeutung des Reiseverkehrs nicht über Hotelfachschulen. Regionalflughäfen sind neu zu bauen beziehungsweise auf internationale Standards anzuheben.

Auch auf politischer Ebene gibt es großen Handlungsbedarf. Die Vielzahl involvierter Ministerien und Behörden erschwert nicht nur die Herausbildung klarer Leitlinien für den Tourismus. Vielfach behindern sich die Träger gegenseitig, hebeln sich aus und verhindern eine notwendige Transparenz. Ein Hohes Komitee für Tourismus in kontinuierlicher Kooperation mit dem Privatsektor wird als ein Lösungsansatz angesehen. Vor allem eine bessere Koordination der investiven Aktivitäten scheint vonnöten. Die angestrebten Zuwächse bei den Besucherzahlen erfordern gezieltere regionale und lokale Investitionen, damit die Vielzahl von Bauruinen nicht weiter wächst.]]></content:encoded>
			<category>Ägypten Wirtschaft Investitionen</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 16 Nov 2012 10:54:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>»Nachholbedarf auf allen Gebieten«</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/nachholbedarf-auf-allen-gebieten-003460/</link>
			<description>Seit August ist Brita Wagener Deutschlands Botschafterin im Irak. Mit zenith sprach sie über...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>zenith: Über das vergangene Jahr hat der Irak eine sehr positive Entwicklung der Wirtschaftslage zu verzeichnen. Verknüpfen Sie das hauptsächlich mit der verbesserten Sicherheitslage?</blockquote>

Brita Wagener: Verglichen mit früheren Jahren hat sich die Sicherheitslage in der Tat verbessert. Dies hat einen wichtigen Teil zur wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen, aber auch der Fortschritt bei den ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen. Allerdings kommt es immer noch zu schweren Anschlagsserien wie zuletzt am 28. Oktober.
<blockquote>
Weite Teile des Iraks sind heute sicher. Dennoch trauen sich nur wenige Betriebe außerhalb Kurdistans zu investieren. Sind Problemfelder, die deutsche Unternehmer heute beklagen, vor allem psychologischer Natur?</blockquote>

Wie gesagt – die Lage hat sich verbessert im Vergleich zu früheren Jahren, ist aber nach wie vor problematisch. Unsere Reisewarnung hat nach wie vor Bestand. Unter bestimmten Voraussetzungen sind geschäftliche Reisen in Teile des Iraks dennoch vertretbar. Auch dabei sollten jedoch die bestehenden Sicherheitsrisiken berücksichtigt werden.
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="/fileadmin/img/content/wirtschaft/full_article/interview_wagener_box.jpg" style="cursor:move;" height="162" width="110" alt="" /> 						</div>
<div style="margin-left: 120px; "><div class="csc-textpic-text"><h2>Brita Wagener, 58,</h2>
<p class="copytext_grau">ist seit den 1980er Jahren im diplomatischen Dienst tätig. Nach Stationen u.a. in Kairo und Tel Aviv war die Juristin von 2009 bis 2012 Generalkonsulin in Istanbul. Seit August 2012 ist Wagener Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland im Irak.</p></div></div></div>
<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>
<blockquote>Aus der deutschen Wirtschaft wird regelmäßig Kritik an der irakischen Regierung laut. Die Firmen hätten mit mangelnder Rechtssicherheit und Behördenwillkür zu kämpfen.</blockquote>

Bei dem Bemühen, Unternehmern Geschäftsmöglichkeiten aufzuzeigen, darf man keine falschen Vorstellungen wecken. Es gibt immer wieder Probleme, insbesondere sobald man mit Behörden zu tun hat: Manche Abläufe sind nicht klar. Zuständigkeiten nicht formuliert, Verfahren nicht einheitlich. Das wirkt sich natürlich auf die Stimmung unter den Unternehmern aus. Gleichzeitig gibt es deutsche Firmen, die – mit Unterbrechungen – seit Jahrzehnten vor Ort tätig sind.
<blockquote>
Ist der aktuelle Aufschwung vor allem durch den irakischen Mittelstand angetrieben, oder noch immer durch die staatliche, zentral gelenkte Wirtschaft?</blockquote>

Der Irak ist noch immer stark durch seine Staatswirtschaft geprägt, von dem ein Großteil der für deutsche Unternehmer interessanten Projekte angeschoben werden. Den Mittelstand gibt es zwar, er ist aber noch nicht in dem Maße ausgeprägt. Das Land befindet sich gerade in einer Übergangsphase hin zu einer privat finanzierten Wirtschaft.
<blockquote>
In welchen Branchen und im welchem Umfang können deutsche Unternehmen bei den aktuellen Privatisierungsbestrebungen der Regierung aktiv werden?</blockquote>

Da gibt es keine Einschränkungen. Die Chancen finden sich im gesamten wirtschaftlichen Spektrum. Besonders im Fokus steht gerade der Wiederaufbau der landesweiten Infrastruktur, wovon der Industriesektor, die Energiewirtschaft, Wohnungsbau und Landwirtschaft genauso betroffen sind wie das Gesundheits- und Bildungssystem. Auf allen Gebieten besteht im Irak ein großer Nachholbedarf.
<blockquote>
Politische Konflikte zwischen einzelnen Landesteilen, insbesondere mit dem autonomen Nordirak, haben in den vergangenen Monaten Zweifel daran aufkommen lassen, dass diese Vernetzung aller Provinzen möglich ist.</blockquote>

Interne Auseinandersetzungen, wie zum Beispiel zwischen der Zentralregierung und einzelnen Provinzen, tragen immer wieder dazu bei, dass Entscheidungen nur langsam fallen. Das macht die Arbeit im Irak nicht gerade einfach. Das wissen auch viele Verantwortliche im Irak. Es ist begrüßenswert, dass es mehr und mehr Bestrebungen gibt, auch die Provinzen zu Wort kommen zu lassen, föderale Strukturen einzurichten und die rechtliche Grundlage für eine zweite Kammer – vergleichbar mit unserem Bundesrat – zu schaffen.
<blockquote>
Seit Anfang August 2012 haben Sie Ihre Botschafterposition im Irak angetreten. Wo sehen Sie für die kommenden Jahre Ihren Handlungsschwerpunkt?</blockquote>

Primäres Ziel der irakischen Regierung ist, die politische Stabilität und die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen des Landes zu verbessern. Darin unterstützen wir sie. Das kommt am Ende deutschen Unternehmen genauso wie der Zivilbevölkerung zugute. Das Potenzial des Landes muss einfach genutzt werden.
<blockquote>
Kann man mit gutem Gewissen einerseits Geschäfte im Irak fördern, gleichzeitig aber saubere Geschäftspraktiken einfordern? Geht das in einem Land wie dem Irak, wo ohne Korruption kaum ein Geschäft zustande kommt?</blockquote>

Das ist etwas, dass wir immer wieder gegenüber den irakischen Behörden deutlich machen müssen. Wenn wir unsere Werte und Vorstellungen nachdrücklich formulieren und sie gradlinig verfolgen, dann sind Geschäfte auch im Irak möglich.]]></content:encoded>
			<category>Irak Wirtschaft Investitionen</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 09 Nov 2012 10:24:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Wettlauf vor der Küste</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/wettlauf-vor-der-kueste-003450/</link>
			<description>Ab Frühjahr 2013 fließt erstes Erdgas aus israelischen Offshore-Vorkommen. Allerdings muss Israel...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Im Frühjahr 2013 wird die Inbetriebnahme des israelischen Offshore-Feldes »Tamar« erwartet. Damit kann die israelische Energiewirtschaft die ersten Früchte der in den letzten Jahren entdeckten Vorkommen ernten. Um die Belieferung einheimischer Kunden zu beschleunigen, hat das Energieministerium den Tamar-Betreibern den Einsatz von Kompressoren an der Anlandestelle in der Stadt Ashdod erlaubt. Auf diese Weise lassen sich die Liefermengen um 25 Prozent steigern. Dennoch ist die Entwicklung des Erdgassektors noch lange nicht abgeschlossen.

Die Aufnahme einheimischer Erdgaslieferungen ändert nichts am Beschluss der Regierung, verflüssigtes Erdgas (LNG) zu importieren. Gegenwärtig ist vorgesehen, dass der staatseigene Stromversorger Israel Electric Corporation (IEC) zwischen Dezember 2012 und April 2013 insgesamt zehn LNG-Ladungen erwirbt. Im Oktober hat die israelische Stromaufsichtsbehörde den von der IEC geschlossenen Leasingvertrag für ein FSRU-Schiff (»Floating Storage Regasification Unit«) für den Transport und Regasifizierung von verflüssigtem Erdgas genehmigt. Das Schiff gehört der US-amerikanischen Firma Excelerate Energy.

Dabei erklärte die Stromaufsichtsbehörde, der Bedarf an LNG-Importen werde auch durch die Inbetriebnahme von »Tamar« nicht beendet sein. Weil »Tamar« nicht den gesamten israelischen Erdgasbedarf decken könne, ersetze importiertes Erdgas keine Erdgaslieferungen aus einheimischen Quellen, sondern den teureren Import von Erdöl. Die Stromaufsichtsbehörde geht davon aus, dass LNG-Importe in den Jahren 2014 Kosteneinsparungen von insgesamt rund 2 Milliarden Neue Schekel (NIS, rund 500 Millionen US-Dollar) mit sich bringen werden.

Die Möglichkeit von LNG-Importen will sich Israel auch für den Fall von Lieferausfällen aus einheimischen Quellen offenhalten. Dabei wird an technische Störfälle ebenso wie an Lieferunterbrechungen durch militärische Konflikte oder Terroranschläge gedacht. Deshalb geht die Planung zum Bau eines festen Aufnahmeterminals für LNG-Lieferungen weiter. Im Oktober 2012 hat das Energieministerium zwei mögliche Standorte für dieses Projekt vorgeschlagen: einen Steinbruch am Dor-Strand südlich von Haifa und eine Abwasserbehandlungsanlage im Kibbuz Ein Hahoresh zwischen Haifa und Tel Aviv. Damit wurden die Pläne zum Bau des Terminals einen wichtigen Schritt vorangebracht.
<h3>Russen und Amerikaner buhlen um »Leviathan«</h3>
Derweil geht die Suche nach weiteren Vorkommen vor der Mittelmeerküste weiter – nicht immer mit Erfolg. Im September und Oktober 2012 wurde die Exploration an zwei Standorten – Myra1 beziehungsweise Sarah ­– nach Investitionen von insgesamt rund 150 Millionen US-Dollar als erfolglos aufgegeben. Allerdings werden weitere Standorte geprüft. Angesichts günstiger geologischer Bedingungen gelten die Chancen, weitere große Vorkommen zu finden, als gut.

Unterdessen suchen die Lizenznehmer des bisher größten entdeckten Erdgas-Vorkommens, des »Leviathan«-Feldes, nach einem strategischen Partner. Medienberichten zufolge bevorzugen die israelischen Partner des »Leviathan«-Konsortiums dabei den russischen Energiekonzern Gazprom, der Interesse an einem Engagement gezeigt habe.

Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung <i>Globes</i> glauben die Israelis, eine Teilhabe des russischen Staatskonzerns würde das Risiko von Terroranschlägen auf »Leviathan« senken, weil die Drahtzieher potenzieller Anschläge Rücksicht auf russische Interessen zu nehmen hätten. Dem gegenüber sollen amerikanische Teilhaber des Konsortiums westliche Partner bevorzugen. Unbestritten ist, dass die Wahl des strategischen Partners für »Leviathan« eine der wichtigsten Entscheidungen für die israelische Energiewirtschaft ist.]]></content:encoded>
			<category>Israel Wirtschaft Energie</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 05 Nov 2012 12:38:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>»Deutsche Firmen übertreiben das Sicherheitsrisiko«</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/deutsche-firmen-uebertreiben-das-sicherheitsrisiko-003446/</link>
			<description>Sabah Al-Shammari, Geschäftsführer der irakischen Investmentgruppe SAPCO, über deutsche...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>zenith: Deutsche Unternehmer zögern, im Irak zu investieren. Was hält sie vom Markteintritt ab – etwa die sprichwörtliche deutsche Übervorsichtigkeit?</blockquote>

Sabah Al-Shammari: Ich denke, es gibt drei Gründe. Erstens, gibt es einfach keine großen Ölkonzerne in Deutschland. Zweitens, fürchten sich die Deutschen vor der Konkurrenz mit amerikanischen Firmen im Ölsektor. Und schließlich, ja, die meisten deutschen Firmen sind übervorsichtig. Sie übertreiben das Sicherheitsrisiko.
<blockquote>
SAPCOs Ziel ist es also, deutsche Firmen und Investoren zu überzeugen, dass sie sich um die Sicherheit nicht sorgen brauchen?</blockquote>

Wenn sie in die Ausbildung irakischen Personals investieren, bedürfte es nur einer minimalen Anzahl deutscher Fachkräfte vor Ort im Irak. Unser Ziel ist es, eine Brücke zwischen irakischen und deutschen Firmen zu schlagen. Wir möchten Partnerschaften in unterschiedlichen Bereichen aufbauen, wie zum Beispiel in der Versorgung mit Ausrüstung und Dienstleistungen im Bereich der erneuerbaren Energien, Energiegewinnung und -distribution sowie in der Wasseraufbereitung. Derzeit steht uns ein Budget von 127 Milliarden US-Dollar für den Irak zur Verfügung, davon soll circa ein Drittel für Infrastruktur, Versorgungsbetriebe und Wohnprojekte ausgegeben werden. In meinen Augen stellt dies eine exzellente Möglichkeit für deutsche Firmen dar, sich einen gerechten Anteil am irakischen Markt zu sichern. Leider gibt es derzeit keine deutschen Wettbewerber im Öl- und Gassektor, aber um den deutschen Energiebedarf decken zu können, sollten sie wirklich herkommen. Wir würden beispielsweise gern eine Pipeline von Irak über die Türkei nach Deutschland bauen
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="/fileadmin/img/english/business/interview_shammari_box.jpg" style="cursor:move;" height="162" width="110" alt="" /> 						</div>
<div style="margin-left: 120px; "><div class="csc-textpic-text"><h2>Sabah Al-Shammari,</h2>
<p class="copytext_grau">ist seit 1980 Geschäftsführer der irakischen Investmentgruppe SAPCO. Seit 2003 ist Mitglied im Irakischen Wirtschaftsrat in Dubai und im Irakischen Unternehmerverband. Zenith sprach mit Al-Shammari am Rande des »3rd Arab-German Ghorfa Energy Forum« in Berlin.</p></div></div></div>
<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>
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Wie können die investitionswilligen deutschen Firmen Fuß fassen im irakischen Markt – und warum sollten sie das überhaupt?</blockquote>

Der Irak hat keine zentralisierte Regierung mehr, darum ist die Wirtschaft frei und der Privatsektor ist stark. Es gibt großartige Gelegenheiten, Partnerschaften mit verlässlichen irakischen Firmen einzugehen, was auch dabei helfen wird, den Sicherheitsaspekt zu umgehen. Außerdem würden einheimische Arbeitskräfte deutschen Firmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Die Deutschen können die richtigen Technologien, die nötige Ausrüstung und die relevanten Führungsfähigkeiten einbringen.
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Wie zum Beispiel im Bereich erneuerbare Energien. Spielt dieser Sektor eine Rolle in SAPCOS Investmentstrategie?</blockquote>

Ja, wir haben unterschiedliche Projekte in diesem Bereich. Es gibt ein Pilotprojekt in Bagdad, bei dem wir Bauteile für Systemintegration aus Spanien und Deutschland einsetzen. Darüber hinaus planen wir eine emissionsfreie Chemiefarbik in einer abgelegenen Region, in der es keine Stromversorgung gibt. Deshalb wollen wir zur Versorgung der Lampen und Klimaanlagen Solar- und Windenergie einsetzen. In der Zukunft sollen erneuerbare Energien sogar für die Produktion genutzt werden. Die Fabrik wird ein »Green Building«, da wir auch planen, das gesamte Wasser aufzubereiten und für Bewässerungsanlagen zu nutzen.
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Warum spielen dann Solar- und Windenergie bislang keine entscheidende Rolle im Irak?</blockquote>

Bisher gibt es lediglich Untersuchungen über die Nutzung von Solarenergie. Die irakische Regierung lädt nun Firmen aus dem Asien-Pazifik-Raum ein, Solaranlagen zu installieren. Stattdessen sollten wir meines Erachtens die fortschrittlichen Technologien aus Deutschland nutzen und mit Fördergeldern Iraker in der Nutzung der Technologie schulen. Ich denke, der Zukunftstrend wird die Nutzung von Solarenergie sein. Wir haben 365 Sonnentage im Jahr, wir sollten das Öl exportieren und die Sonnenenergie nutzen, um unseren eigenen Energiebedarf zu decken. Leider gibt es im Irak aufgrund der geografischen Beschaffenheit sehr wenig Möglichkeiten zur Nutzung von Windkraft.
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An deutschen Investitionen mangelt es – welche anderen Nationen sehen Sie im irakischen Markt aufsteigen?</blockquote>

China bewegt sich momentan sehr aggressiv im irakischen Markt und ist bereits ein sehr wichtiger Akteur. Sie waren unter den ersten, die nach 2003 Ölfelder im Irak kultiviert haben und kollaborieren nun mit BP. China plant, mehr als eine Million Barrel pro Tag zu fördern und hat bereits Pipelines und mit dem Sektor verbundene Dienstleistungen eingerichtet. Zusätzlich unternehmen sie sehr viel in den Bereichen Transport und Konsumgüter. Mittlerweile gibt es sogar chinesische Banken, die der Regierung und der Industrie Geld zur Verfügung stellen. Im Schatten der Chinesen haben aber auch die Südkoreaner sehr ambitioniert den irakischen Markt betreten.]]></content:encoded>
			<category>Irak Wirtschaft Investitionen</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 01 Nov 2012 10:39:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Bonanza und Blausäure</title>
			<link>http://www.zenithonline.de//deutsch/wirtschaft//artikel/bonanza-und-blausaeure-003438/</link>
			<description>Die Mine Kumtor birgt eines der größten Goldvorkommen der Welt. Seit dem Ende der...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Immer höher windet sich die Straße die Berge hinauf. Ein Wegstein am Rand der Fahrbahn gibt die Meereshöhe mit 2.900 Metern an – fast so hoch wie die Zugspitze. Die Luft wird merklich dünner, auf den restlichen 1.100 Höhenmetern bis zum Ziel lässt selbst die Zugkraft des Automotors allmählich nach. Oben angekommen, verursacht jede Bewegung ein Schwindelgefühl. Drei Besucher nehmen an diesem Tag bereits die Dienste der Medizinstation samt Sauerstoffzelt in Anspruch. 

Willkommen in der kirgisischen Goldmine Kumtor, einem Ort der Extreme und Superlative. Mit 606,5 Tonnen gilt Kumtor nicht nur als eines der größten Vorkommen des begehrten Metalls, es ist auch eine der höchstgelegenen Goldminen der Welt. Entsprechend unwirtlich ist die Umgebung. Die Durchschnittstemperatur auf dieser Höhe beträgt minus 7,6 Grad Celsius. Beißend kalt pfeift der Wind über die Hochebene. Nur noch Hartgräser und kleinstes Gebüsch wachsen hier oben, die Baumgrenze hat man längst hinter sich gelassen. Den Horizont bilden Gletscher und Gipfel des Tian-Shan-Gebirges. Die chinesische Grenze ist nur 60 Kilometer entfernt.
<h3>Die hochgiftigen Rückstände werden in Deponien im Permafrostboden abgelagert</h3>
Von dem Schatz im unwirtlichen Boden Kumtors ist auf den ersten Blick nichts zu sehen: Er liegt versteckt im Fels. Die Schichten, die als Goldvorrat gezählt werden, haben hier einen durchschnittlichen Anteil von 3,3 Gramm Gold pro Tonne. Um eine einzige Feinunze Gold – also 31,1 Gramm – zu gewinnen, braucht man zehn Tonnen Gestein. Mit der romantischen Vorstellung von der Suche nach faustdicken Nuggets hat das nichts mehr zu tun. 

2011 wurden hier nach Angaben der Betreibergesellschaft Centerra Gold 150 Millionen Tonnen Gestein verarbeitet, also 413.000 Tonnen pro Tag. Zur Gesteinsmühle werden diese Massen mit fast 1.800 PS starken Speziallastwagen, den sogenannten Muldenkippern, transportiert. Jeder dazu nötige Tropfen Treibstoff muss selbst erst auf 4.000 Höhenmeter transportiert werden.

Gefährlicher für die Umwelt sind jedoch die weiteren Arbeitsprozesse. <br />Um den Gesteinsmassen das Edelmetall abzuringen, wird das Erz fein zermahlen und in Natriumzyanidlösung aufgeschwemmt. Diese Laugung mit dem giftigen Salz der Blausäure findet unter freiem Himmel statt, da sich das Gold nur in Reaktion mit Sauerstoff löst. Dazu stehen Becken von der Größe jeweils eines Fußballfeldes mit hellblauer Brühe auf dem Minengelände. Aus dem so erzeugten Schlamm wird in weiteren Verarbeitungsschritten Rohgold gewonnen, das schließlich zu Feingold raffiniert wird. Dieser Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt; Besucher bekommen in Kumtor keinen einzigen Goldbarren zu sehen.

Die hochgiftigen Rückstände der Goldgewinnung werden in Deponien im Permafrostboden abgelagert. Aufgrund des Klimawandels birgt dies unabsehbare Gefahren, denn Kumtor befindet sich im Einzugsgebiet des Naryn-Flusses. Der wiederum mündet in den Syr Darya, der große Baumwoll-Anbaugebiete in Zentralasien bewässert. 

»Sollten die gewaltigen Deponien hochgiftiger Schlämme undicht werden, dann wären davon aufgrund der Flusssysteme Millionen Menschen in Kirgistan, Usbekistan und Kasachstan betroffen«, warnt der Kulturgeograf Matthias Schmidt von der Leibniz-Universität Hannover.

Seit 1997 die kommerzielle Ausbeutung des Vorkommens in Kumtor begann, hat Centerra Gold hier mehr als 260 Tonnen gefördert – nicht zuletzt zur Freude der kirgisischen Regierung, die mit 33 Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist. 2011 betrug die Produktion 18,1 Tonnen. 

Die kanadische Betreibergesellschaft geht davon aus, dass in Kumtor bei einem Goldpreis von 1.200 Dollar je Feinunze weitere 196 Tonnen wirtschaftlich gewonnen werden können. Beim derzeitigen Preis von rund 1.600 Dollar je Feinunze entspricht dies einem Marktwert von zehn Milliarden Dollar. Mindestens weitere 149,3 Tonnen sind demnach gegenwärtig noch nicht gewinnbringend abbaubar, was sich mit effizienterer Technik oder weiter steigendem Goldpreis jedoch schnell ändern könnte.
<h3>2011 trug Kumtor fast zwölf Prozent zur Wirtschaftsleistung Kirgistans bei</h3>
Dennoch dürfte die Stimmung bei Centerra, das neben Kumtor nur eine weit weniger ergiebige Mine in der Mongolei betreibt, in den vergangenen Monaten eher verhalten gewesen sein. Ein zehntägiger Arbeiterstreik im Februar lieferte nur einen schwachen Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte: Nachdem ein Untersuchungsbericht Umwelt- und Gesundheitsschäden durch die Mine anprangerte, wies das kirgisische Parlament die Regierung an, die Verträge mit der Betreibergesellschaft neu zu verhandeln; einige Abgeordnete hatten sogar eine Verstaatlichung der Mine gefordert.

Ende August schließlich musste der erste Versuch abgebrochen werden, gemäß einem neuen Bergbaugesetz die Schürfrechte für einige kleinere Minen öffentlich zu versteigern. Demonstranten stürmten das Fernsehstudio, aus dem die Auktion live übertragen werden sollte. Sie verlangten, bevor die Regierung weitere Bodenschätze verkaufe, müsse sie zunächst die Überprüfung der Kumtor-Verträge abschließen. Den Gewinnausblick für das laufende Jahr musste Centerra Gold inzwischen kräftig nach unten korrigieren. Statt ursprünglich bis zu 19,4 Tonnen Produktion rechnet das Unternehmen jetzt nur noch mit höchstens 12,75 Tonnen – deutlich weniger als in allen Jahren seit 2007. 

Centerra machte für den Rückgang vor allem verstärkte Gletscherbewegungen verantwortlich, die den Zugang zu besonders ergiebigen Gesteinsschichten versperrt hätten. Der Streik vom Februar habe diesen Effekt noch verstärkt.

Das wird auch die kirgisische Volkswirtschaft zu spüren bekommen, denn die hängt am Tropf des Goldes. Vergangenes Jahr trug die Mine Kumtor fast zwölf Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei, ihr Anteil an der nationalen Industrieproduktion betrug gut ein Viertel. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres nun schrumpfte Kirgistans Wirtschaft – auch infolge der Beeinträchtigungen in Kumtor – um fünf Prozent, was im Sommer mit zum Zerbrechen der Koalitionsregierung von Ministerpräsident Omurbek Babanow führte.

Doch ganz gleich wer in Bischkek regiert, zumindest kurzfristig hat er wirtschaftlich kaum Alternativen zu der Goldmine. Zu Zeiten der Sowjetunion wurde das heutige Kirgistan noch von den industriellen Zentren im heutigen Russland subventioniert. Diese Unterstützung brach 1990 zusammen mit dem sowjetischen Wirtschaftssystem schlagartig weg. Der Goldabbau ist der wirtschaftliche Strohhalm, an den sich die kirgisischen Regierungen seitdem klammern.
<div id="infobox_full_article" class="wrap_infobox_full_article box_height_176_no_border_top span-15 last"><div class="span-15 box_height_176_no_border_top last"><div class="inner_wrap_info_boxes"><div class="csc-default"><div class="csc-textpic csc-textpic-intext-left-nowrap"><div class="csc-textpic-imagewrap csc-textpic-single-image"> 							<img src="/fileadmin/img/vorlagen/zenith_4_12_126x194.jpg" style="cursor:move; " height="162" width="126" alt="" /> 						</div>
<div style="margin-left: 120px; "><div class="csc-textpic-text"><h2> 								zenith 4/12</h2>
<p class="copytext_grau">Dieser Artikel stammt aus der neuen zenith-Ausgabe. Heft 4/12 ist ab sofort erhältlich: im Handel, im <link https://www.zenithonline.de/deutsch/abo/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">Abo</link> und im <link http://www.zenithonline.de/deutsch/shop/kategorien/categories/zenith-ausgaben-bestellen/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">Shop</link>.</p></div></div></div>
<div class="csc-textpic-clear"></div></div></div></div></div>]]></content:encoded>
			<category>Kirgistan Wirtschaft Umwelt</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 26 Oct 2012 13:38:00 +0200</pubDate>
			
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