Viele Versprechen, viel Skepsis: Kann die Petersberg-Konferenz die Bedenken der Afghanen zerstreuen?|Foto:dpa-PA

Politik

Afghanistan-Konferenz in Bonn

08.12.2011

»Wir haben das Versprechen gehört«

Interview: Marian Brehmer


Sozialarbeiter Mohammad Musa und Stammesführer Mohammad Isa wissen, wie es um ihre Provinzen im Osten und Süden Afghanistans steht. Ob die Konferenz auf dem Bonner Petersberg etwas bewirken wird, bleibt für sie ein großes Fragezeichen.


zenith: Was sind die größten Probleme zurzeit in Ihren Heimatprovinzen?


Musa: Die Sicherheitslage bei uns ist besonders prekär. Weitere Probleme sind Bildung, Arbeitslosigkeit und der Anstieg der Drogenabhängigen. Ein Grund für die verschärfte Drogenproblematik sind die illegalen Einwanderer. Auch mit der Präsenz der ausländischen Truppen sind viele Menschen in meiner Heimat nicht mehr einverstanden. Besonders die nächtlichen Durchsuchungen von Häusern haben großen Widerstand ausgelöst. Man kann so etwas tagsüber durchführen. Aber in der Nacht, das ist respektlos.


Isa: Ich habe es in meiner Rolle als Stammesführer oft mit privaten Auseinandersetzungen zu tun. Wenn zum Beispiel zwischen zwei Parteien ein Streit um Landbesitz entbrennt, versuche ich ihn zu schlichten. Ein weiteres Problem ist die miserable Regierungsführung in unserer Provinz, Korruption ist nach wie vor allgegenwärtig. Natürlich hat sich auch in Kandahar die Sicherheitslage in den letzten Jahren sehr verschlechtert.

Mohammad Musa


ist Leiter der »Logar Youth and Student Association« in der Provinz Logar im Osten Afghanistans. Seine Organisation leistet Aufklärungsarbeit zu Menschenrechten, Bildung, Kultur und Drogen.


Warum sind Sie als Vertreter der Zivilgesellschaft gewählt worden?


Musa: Ich bin in der Jugendarbeit engagiert und kenne die Probleme der jungen Menschen gut. Aus anfänglich 4.000 NGO-Vertretern wurden in einem langen Prozess 34 Vertreter gewählt, die nun hier in Bonn die Zivilgesellschaft Afghanistans vertreten.


Isa: Ich habe vor 34 Jahren Jura und Politikwissenschaft in Kabul studiert und kenne daher politische Zusammenhänge. Gleichzeitig habe ich als Stammesführer den direkten Draht zu meinen Leuten.


Denken Sie, dass die Bonner Afghanistankonferenz etwas bewirken wird?


Musa: Viele Menschen sind besorgt, dass das Ausland nach dem Abzug im Jahr 2014 Afghanistan den Rücken kehren wird und auch die Wiederaufbau- und Hilfsleistungen gestoppt werden. Wenn ich zurückkehre, werde ich den Menschen in Logar von der Konferenz berichten. All das was, wir in den letzten Jahren erreicht haben – die Meinungsfreiheit, das Recht auf Bildung für Jungen und Mädchen – darf auf keinen Fall zur Verhandlung gestellt werden. Auch nicht mit den Taliban.


Isa: Wenn diese Konferenz etwas für Afghanistan bewirken wird, dann hoffe ich, dass diese Veränderungen auch auf Kandahar überspringen. In vielen Distrikten in unserer Provinz stehen die Vorzeichen allerdings alles andere als gut. Auch ich werde den Menschen in Kandahar von den Versprechen erzählen, die die internationale Gemeinschaft hier in Bonn abgegeben hat.

Mohammad Isa


ist Stammesführer des Achakzai-Clans in Kandahar und fungiert als Mediator und Ratgeber seines Stammes.


Musa und Isa sind zwei der 34 gewählten Delegierten, die im Vorfeld der Afghanistan-Konferenz zum »Zivilgesellschaftlichen Forum« der politischen Stiftungen nach Bonn eingeladen waren.




Unbemannte Angreifer, unbekannte Opfer
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