Prestigeerfolg für die »Partei Gottes«? Die Enttarnung eines CIA-Agentenrings bringt die USA in Erklärungsnot|Foto:dpa-PA

Politik

CIA-Agenten im Libanon und im Iran verhaftet

24.11.2011

»Die Hizbullah macht in der Regel kurzen Prozess«

Interview: Ramon Schack


Autor und Ex-Geheimdienstler Robert Baer im Interview über die jüngste Enttarnung von CIA-Agenten im Iran und im Libanon und die Wirksamkeit westlicher Spionage im Nahen Osten.


zenith: Amtliche Stellen in den USA haben bestätigt, dass ein CIA-Agentenring im Libanon und im Iran entdeckt und zerstört wurde. Sie selbst waren in den 1980er Jahren als CIA-Offizier in Beirut aktiv, bzw. spionierten damals die Hizbullah im Südlibanon aus. Wie schwerwiegend ist dieser jüngste Verlust einer Agentenzelle für die USA?


Robert Baer: Das ist ein herber Schlag für den CIA und die USA. Ferner sagt dieser Vorfall einiges über die Kräfteverhältnisse vor Ort aus. Wenn es einer nichtstaatlichen Organisation – wie der Hizbullah – gelingt, die CIA zu schlagen, beziehungsweise dessen Agentennetze zu enttarnen, ist es auch möglich, dass die USA den Krieg der Nachrichtendienste dort verlieren. Wenn wir schon die Hizbullah nicht schlagen können, wir sollten wir dann gegenüber dem Iran gewinnen können?


Wie lautet Ihre Prognose bezüglich des Schicksals der enttarnten Agenten? Sind diese Menschen noch am Leben?


Falls es sich um echte Spione handelte, die gegen die Hizbullah spioniert haben, dann glaube ich nicht, dass wir sie wiedersehen werden. Die Hizbullah macht in der Regel kurzen Prozess. Die CIA-Mitarbeiter im Iran werden im Gefängnis gelandet sein.

Robert Baer,59,


arbeitete von 1976 bis 1997 für die CIA und ist heute als Kolumnist und Autor tätig. Seine Zeit beim amerikanischen Auslandsgeheimdienst verarbeitete Baer im Bestseller »See No Evil« (2003). Das Buch diente als Vorlage für den Spielfilm »Syriana« (2005), die Rolle des Bob Barnes (gespielt von George Clooney) basiert auf Robert Baer.


Angeblich sollen zwei Hizbullah-Doppelagenten die CIA-Spione enttarnt haben. Von einer Pizzeria in Beirut ist die Rede, wo sich CIA-Agenten mit Informanten treffen. Gab es diesen Treffpunkt schon zu Ihrer Zeit?


Darüber kann ich Ihnen keine Auskunft geben.


»Es ist nicht immer wie bei James Bond, manchmal aber schon«

Aber vielleicht darüber, ob nachrichtendienstliche Tätigkeit im feindlichen Ausland, oder in einer feindlichen Umgebung wirklich so vollzogen wird?


Ich kann Ihnen nur so viel sagen: Es ist nicht immer wie bei James Bond, manchmal aber schon.


Spionage ist ein riskantes Unternehmen. Einige dieser Risiken führen zu Erfolgen, andere zu Niederlagen. Halten Sie Spionage heute noch für eine wirksame Waffe?


Ja. Wenn die USA ihre Augen und Ohren im Nahen Osten verlieren, würden wir uns von Israel einseitig abhängig machen. Das kann keine Alternative sein.


Warum nicht?


Weil die USA und Israel durchaus viele gemeinsame Interessen haben, aber auch gegensätzliche Strategien dort verfolgen.


Glauben Sie, der Westen wird es lernen, mit einer iranischen Atombombe zu leben?


Das werden wir müssen. Der Iran strebt übrigens danach, das technische Wissen für den Bau einer Atombombe zu erhalten, nicht unbedingt nach einer Bombe selbst. Können wir technisches Wissen wegbomben?




Gescheiterter Übergang?
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