
Politik
Dominik Peters
Der Jordanier Ahmed Massade leitet seit dem 5. März 2010 die Mittelmeerunion. Kann der Technokrat widerstreitende Interessen von 43 Mitgliedern vereinen und der Gemeinschaft eine Richtung geben?
Der Jordanier Ahmed Massade leitet seit dem 5. März 2010 die Mittelmeerunion. Seine Ernennung gilt als wichtiges Zeichen an die beteiligten arabischen Staaten. Doch kann der Technokrat widerstreitende Interessen von 43 Mitgliedern vereinen und der Gemeinschaft eine Richtung geben?
Führungslos dümpelte das Schiff der Mittelmeerunion bisher umher. Die supranationale Gemeinschaft fand bisher weder einen gemeinsamen Kurs noch den richtigen Kapitän. Man drohte Schiffbruch zu erleiden. Nun ist ein Steuermann gefunden: Der jordanische Diplomat Ahmed Massade wurde vergangene Woche in Barcelona zum Generalsekretär ernannt.
Er gilt als Shootingstar, hat in den USA und Großbritannien studiert und eine blütenweiße Weste vorzuweisen – gespickt mit Erfolgen auf dem glatten Diplomatenparkett. Seine Kandidatur für das Amt als Generalsekretär erhielt die Rückendeckung aus den arabischen Mitgliedsstaaten. Bisher fiel er durch seinen Reformeifer und ein blitzsauberes Image als Familienvater auf. Er gilt als Technokrat mit verbindlichem Lächeln und Fachkenntnis.
Dass der 40-Jährige Konflikte nicht schafft, sondern lieber löst, dürfte ihm zusätzlich zugute gekommen sein. Seine Reformpläne hat ihm im Königreich Jordanien, wo zwar die Minister ständig wechseln, aber nicht am System gerüttelt wird, niemand übel genommen. Das, so heißt es, liege wohl daran, dass sich Massade auf politisch unverdächtige Arbeitsfelder wie Investitionsförderung, staatliche Dienstleistungen und Privatisierung konzentriert hat.
In seiner noch kurzen Karriere hat er schon zahlreiche Ämter und Posten innegehabt: Er setzte sich für die Einführung des Ombudsmann-Systems in Jordanien ein, war Mitglied des Weltbank-Schlichtungsausschusses für Investitionsfragen und dann wurde ihm für ein Jahr das neu geschaffene Ministerium für die Reform des öffentlichen Sektors übertragen. 2006 kam der Wechsel nach Brüssel. Dort war er als jordanischer Botschafter für Belgien, Luxemburg und Norwegen zuständig; daneben auch für die Beziehungen zur EU und NATO.
Nun soll er, Ahmed Massade, mit der Mittelmeerunion in See stechen – mit viel diplomatischem Wind in den Segeln. 43 Fahnen wurden vor dem Pedralbes-Palast in Barcelona gehisst, als die Zeremonie begann. So viele Staaten beteiligen sich an der Union für das Mittelmeer, einer Partnerschaft der EU mit den Mittelmeer-Anrainern Nordafrikas und des Nahen Ostens. Er werde sich dafür einsetzen, die Kooperation zwischen den Anrainern des Mittelmeers und der Europäischen Union zu verbessern, sagte Massade, dem sechs Stellvertreter aus Israel, den Palästinensergebieten, Italien, Griechenland, Malta und der Türkei zur Seite stehen. Ziel sei es, die Sicherheit und die Stabilität der Region langfristig zu sichern. Ein hehres Ziel. Und genau da lag bisher auch das Problem der im Juli 2008 vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy initiierten Union.
Pläne wie etwa die Sanierung des Mittelmeeres, Schnellrouten für Lkw-Fähren, eine euro-mediterrane Universität sowie eine engere Zusammenarbeit beim Katastrophenschutz waren bisher nur Luftschlösser. Das Prestigeprojekt Sarkozys dümpelte von einem Gipfeltreffen zum nächsten. Spötter sagten, der große Traum von »Euroarabien« sei der Größenwahn des kleinen Mannes an der Seine. Mit dem Gazakrieg im vergangenen Jahr drohte die Union endgültig zu kentern. Nun ruhen die verbliebenen Hoffnungen auf Ahmed Massade. Optimisten hoffen, dass er es schafft, die 43 Staaten mit ihren 43 Meinungen besser zu vereinen. Skeptiker befürchten, die Mittelmeerunion wird den diplomatischen Wellengang im Nahen Osten nicht schaffen. Zurück bleiben wird nur der junge Mann und das Meer.
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