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Veit Raßhofer
Noch ist nicht klar, ob die ägyptische »Revolte des 25. Januar« Erfolg haben wird und wie viel sich im Land am Nil tatsächlich ändert. Ein Verlierer der Entwicklungen der letzten Tage steht dagegen schon fest: die Islamisten.
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Ob die Rebellion der Jugend in Ägypten wirklich Früchte trägt, muss sich erst zeigen. Zurzeit scheint sie in Gewalt und Chaos zu versinken, und es bleibt vorerst nur die Spekulation, wie viel davon provoziert wird. Erst in den kommenden Tagen wird zu sehen sein, ob die Ohnmacht und Sprachlosigkeit der Regierung während der ersten Tage des Aufstands sich fortsetzen. Die Rolle der Armee bleibt undurchsichtig. Es ist immer noch möglich, dass der Staatsapparat sich jetzt neu formiert, um dann verzögert, dafür mit umso härterer Repression zu reagieren.
In Tunesien hat sich die Revolution dagegen durchgesetzt. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, wann auch der langjährige Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi seinen Hut nehmen muss, und sei es erst nach den Wahlen, die seine Regierung, die er selbst als eine des Übergangs bezeichnet, jetzt vorbereiten muss.
Ein Verlierer in beiden Revolten steht dagegen fest: die Islamisten. In Tunesien war das noch nicht bemerkenswert, dort waren sie traditionell schwach und nur ein Teil von vielen in der lebendigen Oppositionsszene. Der Staat hatte sie kleingehalten, verfolgt und nicht als Partei zugelassen. In Tunesien waren die Bürger nie zwingend auf religiöse Strukturen angewiesen, um sich gesellschaftlich zu organisieren. Ein säkulares Gewerkschafts- und Verbandswesen blühte sogar im Reich Ben Alis, und stärker noch bei Exilanten und Migranten.
Im Falle Ägyptens ist es dagegen überraschend, wie wenig die Muslimbrüder bei der Revolte des 25. Januar zum Zuge kamen. Hatten sie doch seit Jahrzehnten die einzig wirklich starke und gut organisierte Opposition gebildet. Zwar sind die Muslimbrüder in Ägypten lange verboten, doch saßen ihre Vertreter die längste Zeit im Parlament, das von der Regierungspartei NDP dominiert wird. Sie haben starke soziale Netz- und Hilfswerke aufgebaut, die oft als einzige den vielen Chancenlosen in der Bevölkerung Unterstützung anbieten.
Schon vor Jahrzehnten hatten sich die Muslimbrüder auf den Marsch durch die Institutionen gemacht. Zumindest einige einflussreiche davon, etwa die Anwaltsvereinigung oder Studentenorganisationen, dominierten sie zuletzt sogar. Wie viel Einfluss ihnen zugemessen wurde, zeigt sich im Lavieren der Staatsmacht gegenüber den Muslimbrüdern, im Lavieren zwischen Zuckerbrot und Peitsche. Während die Muslimbruderschaft offiziell verboten blieb, wurden ihre Repräsentanten und Organisationen toleriert.
Gleichzeitig versuchte der Staat vermehrt auf islamische Symbole zurückzugreifen, mehr noch, den Islamisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er sich ihren Anliegen gegenüber aufgeschlossen zeigte. All das führte in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Re-Islamisierung des öffentlichen Raumes und Diskurses in Ägypten. Die Muslimbrüder, zu deren Kernanliegen diese gesellschaftliche und kulturelle Hinwendung zum Islam von Anfang an gehörte, konnten das als ihren Erfolg verbuchen.
Und jetzt stand diese trotz ihres Verbots fest in der Bevölkerung etablierte Bewegung im Abseits, als zur Rebellion gerufen wurde. In atemberaubender Weise hatten sich die Islamisten das Internet zunutze gemacht, und jetzt wurden sie in Ägypten von der Generation der Facebook-Jünger und Twitter-User einfach komplett übergangen. Auf ein Maß zurechtgestutzt, das sie zumindest in Ägypten zwingen wird, sich im politischen Prozess, der sich nun hoffentlich anbahnt, einzuordnen. Sich ihm anzuschließen. Und sollte es dem ägyptischen Präsidenten samt seiner Regierung wider Erwarten doch gelingen, die politische Neuordnung auf längere Zeit zu verhindern - die Schwächung, die die ägyptischen Islamisten erfuhren, wird nicht mehr völlig zu revidieren sein.
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