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Investitionen im Irak 08.06.2011

Wer wird Millionär?

Waheed Ghanim/WP-Irak


Es gibt viele gute Gründe, nach Basra zu reisen: Hier liegen 60 Prozent der irakischen Ölreserven, hier gibt es den einzigen Zugang des Landes zum Meer und sämtliche wichtige Straßen laufen hier im Verkehrsknotenpunkt zusammen. Genau deswegen hatten sich auch Vertreter von 19 deutschen Unternehmen Mitte Mai in die südirakische Stadt aufgemacht. Sie hofften, dort lukrative Verträge abschließen oder reizvolle Projekte anschieben zu können. Sie kamen aus unterschiedlichen Branchen, unter anderem aus den Bereichen Gesundheit, Elektrizität, Wasser, Landwirtschaft, Öl und Infrastruktur. Auf dem Programm standen vor allem Treffen mit politischen Entscheidungsträgern und Vertretern der Privatwirtschaft.


Es war die zweite deutsch-irakische Veranstaltung dieser Art in Basra nach 2003. Der deutsche Botschafter im Irak, Christian Berger, der die Delegation begleitete, sprach vor allem von den großen Chancen und günstigen Konstellationen, die derzeit für ein Engagement im Irak sprächen. Gerade erst habe Basra einen neuen Gouverneur bekommen und die Lokalregierung verfüge über einen großen Etat.


»Das ist ein guter Zeitpunkt für deutsche Firmen«, sagte er. Wirtschaftstreffen dieser Art böten die Gelegenheit dazu, »dass sich die deutsche als auch die irakische Seite ein genaueres Bild vom Anderen machen und sich von den Stärken und Portfolios der Unternehmen überzeugen kann.«


Haidar Fadhil, der Vorsitzende der Investitionskommission Basra, bestätigte, dass die Provinzregierung zur Zeit ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit habe. »Sie steht momentan unter großem Zeit- und Erfolgsdruck.« Die Öffentlichkeit erwarte Fortschritte, die Kassen seien auch voll, die Zeit für die Umsetzung knapp.


Basra braucht nachhaltige Projekte und Know-how

In der Tat: Basra hat mit mehreren hundert Millionen Euro landesweit das größte Budget. Diese Summe speist sich aus verschiedenen Töpfen, sowohl aus dem von Bagdad zugeteiltem Budget für Regionalentwicklung als auch dem Anteil der Provinz an den Einnahmen aus dem Ölgeschäft – den Petro-Dollars – sowie den Zolleinnahmen. Um die kommunalen Dienstleistungen so schnell wie möglich zu verbessern, versucht die örtliche Regierung nun, mit öffentlichen Geldern in Investitionsprojekte der Privatwirtschaft einzusteigen.


Der Vorsitzende des Provinzrates Basra, Dschabbar Amin, unterstrich, dass Basra jetzt nachhaltige Projekte von höchster Qualität und Know-how brauche. Die Konferenz sei ein erster wichtiger Schritt für den Einstieg deutscher Unternehmen in der Provinz. Um die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Irak weiter zu festigen, wünscht er sich ein deutsches Konsulat in Basra. »Es könnte nicht nur die deutschen Interessen vertreten, sondern auch eine Brücke für die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit sein.«


Bis dahin sieht sich das Deutsche Wirtschaftsbüro Irak (DWI) als Brückenbauer, zumindest für die wirtschaftlichen Belange. Seit dem vergangenen Jahr unterhält das DWI eine Außenstelle in Basra. Der Geschäftsführer der Hauptstelle in Bagdad, Clemens von Olfers, weiß, dass viele der Firmen bislang gezögert haben, weil sie die Sicherheitslage nicht einschätzen können. Die meisten der Delegationsteilnehmer sind auch zum ersten Mal in der Stadt. Er hofft, dass sie erkennen, wie viel Potenzial Basra hat, auch wenn die Sicherheitslage noch nicht internationalen Standards entspricht.


Von Olfers Assistent im Wirtschaftsbüro Basra, Hani Abd Al-Hasan, informierte die Teilnehmer dann im einzelnen über die Möglichkeiten, die Basra bietet: »Auf jeden Fall viel mehr als Öl.« Gesucht würden Investoren im Bereich Landwirtschaft, Gesundheit oder der produzierende Industrie. Allerdings seien hier langfristige Investitionsverträge gefragt, die deutschen Firmen hingegen bevorzugten derzeit eher kurze Vertragslaufzeiten und überschaubare Geschäfte.


Die »Logistic City« entsteht auf dem Gelände eines ehemaligen Gefängnisses

Unerwartetes Interesse erfuhren die Deutschen vom irakischen Parlamentsabgeordneten Amer Al-Fayez, der sie teilweise auf ihren Besuchen begleitete. Al-Fayez ist Scheich eines Stammes, der einer kleinen schiitischen Konfession angehört – der Sheikhiyya. Diese Gruppe ist nicht nur dafür bekannt, besonders liberal, sondern auch geschäftstüchtig zu sein. So diskutierte der Scheich mit den deutschen Unternehmern über einige seiner Pläne – eine Abfüllanlage für Mineralwasser beispielsweise oder ein »German House«, ein Geschäftshaus, das Läden und Büros deutscher Firmen unter einem Dach vereinen soll.


Die Idee, die hinter dem Konzept des »German House« steckt, ist in Basra derzeit sehr aktuell. Neben der »Iraq Energy City«, einem den neuen Stützpunkt für Unternehmen der Ölindustrie, wird seit kurzem an einem zweiten ähnlichen Projekt gearbeitet: der »Basra Logistic City«. Die Delegation konnte den Stand der Bauarbeiten begutachten und sich über das Konzept der »Logistic City« informieren. Gedacht als Zentrum für Logistik- und Lagerdienstleistungen soll es auch Wohnungen für Firmenmitarbeiter umfassen. Die »Logistic City« wird in den Anlagen des früheren Gefängnis Camp Bucca gebaut, das die amerikanischen Truppen Ende 2010 an die Iraker zurückgegeben hatten. Dieser Standort bietet Sicherheit – ein kostbares Gut für ausländische Firmen.


Das haben auch die Investoren der irakischen Kufan Group erkannt, die eng mit englischen und amerikanischen Unternehmen zusammenarbeitet. Die »Logistic City« soll neben einem Warenumschlagsplatz deswegen auch eine neue Heimat für die Mitarbeiter ausländischer Unternehmen werden. Zur Zeit ist es noch eine Baustelle, gerade werden Strom- und Wasseranschlüsse gelegt. »Aber bald«, erklärt Abd Al-Hasan, »sollen hier Restaurants mit internationaler Speisekarte, Swimming Pools und Freizeitanlagen für die künftigen Bewohner entstehen.«


Mit freundlicher Genehmigung der Wirtschaftsplattform Irak.



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