Quicknews
Nils Metzger
Mit der Rolle des Hansdampf in allen Gassen ist Muhammed Hassan Omran als Lenker des wichtigsten Kommunikationsunternehmens am Golf längst vertraut. Im Monatstakt veröffentlicht seine Presseabteilung Berichte über neue Übernahmen und Joint-Ventures: Dezember 2010 – Kooperation mit sechs weiteren Anbietern der Region beim Bau eines neuen Glasfasernetzes zwischen Fudjaira und Istanbul, Januar 2011 – geplante Übernahme der kuwaitischen Zain Group für 12 Milliarden US-Dollar, Februar 2011 – mit CABSAT MENA soll der erste HD- und 3D-Fernsehanbieter gegründet werden.
1976 war die Emirates Telecommunications Cooperation (ETC) durch britische Unternehmer als Netzanbieter für Telefonanschlüsse im ganzen VAE-Staatenbund gegründet worden. 1981 übernahm schließlich die Regierung einen 60-prozentigen Anteil am alleinigen Marktteilnehmer.
Der große Erfolg der ETC-Marke Etisalat begann, als sie in den 1990er Jahren unter Omrans Leitung auch Internet- und Mobilfunk-Verbindungen anbieten konnte. Eine Niederlassung in Islamabad begründete 2001 das Engagement in der Region – gezielt in ausländische Märkte einzusteigen entwickelte sich zur Unternehmensstrategie, nachdem 2006 das zuvor rechtlich zugesicherte Monopol in den VAE aufgelöst wurde.
Eine solche Kooperation war auch geplant, um mit Hilfe des indischen Immobilienkonzerns Reality DB im großen Stil Anteile am Milliardenmarkt des Schwellenlandes zu erwerben. Das neue Tochterunternehmen Etisalat DB (ursprünglich Swan Telecom genannt) mit Sitz in Mumbai wurde diesen Monat Ziel diverser Razzien indischer Ermittlungsbehörden. Bei der Versteigerung mehrerer 2G-Lizenzen soll der ehemalige Telekommunikationsminister Andimuthu Raja dem Unternehmen zur Hilfe gekommen sein – die Vergabe erfolgte zu dem Schleuderpreis von 365 Millionen US-Dollar.
Am 9. Februar wurde der Vize-Chairman von Etisalat DB, Shahid Balwa, verhaftet, da er die Akquisition der 15 Lizenzen verantwortet hatte. Balwa zählt mit einem Privatvermögen vor mehr als einer Milliarde US-Dollar zu den 50 reichsten Unternehmern des Landes. Die Konzernzentrale in Abu Dhabi beeilte sich, jede Verantwortung für die Intransparenzen abzustreiten: Die besagten Vorfälle hätten vor dem Einstieg Etisalats im Dezember 2008 ereignet, so die Pressestelle. Ein Untersuchungsbericht bezifferte den Schaden für den indischen Steuerzahler auf 39 Milliarden US-Dollar.
In den kommenden Monaten soll sich ein Untersuchungsausschuss mit den Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft beschäftigen. Ob eine Strafe auf Etisalat zukommt, ist derzeit schwer abzuschätzen. Der am 10. Februar veröffentlichte Quartalsbericht weist für 2010 einen Jahresgewinn von rund 2 Milliarden US-Dollar aus – die Aktien stiegen nach der Veröffentlichung der Zahlen auf den höchsten Wert seit Herbst vergangenen Jahres.
Der einzige Mitbewerber auf dem Binnenmarkt EITC mit seiner Markte »du« konnte Etisalat jedoch erfolgreich in einen Preiskampf verwickeln und seit 2007 einen 37-prozentigen Marktanteil erreichen. ETC versorgt laut eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Kunden im gesamten Nahen Osten.
In den kommenden Wochen könnte bei den Verhandlungen mit Zain ein entscheidender Durchbruch erzielt werden. Bislang verweigerte die kuwaitische Herrscherfamilie al-Sabah stets den Einstieg der emiratischen Konkurrenz – Etisalat muss sein Angebot nun nachbessern.
Deutlichstes Argument für Zain ist der am 16. Januar verkündete Gewinnanstieg von 132 Prozent der Tochter Zain Saudi im vergangenen Jahr – 220 Millionen US-Dollar. Die Frequenz der Übernahmegerüchte und den scheinbaren Nimbus des emiratischen Marktführers kommentierte die emiratische Online-Zeitung Kipp Report bissig: »Etisalat, Etisalat, Etisalat, willst du uns nicht einen Moment lang Frieden geben?«
Das zenith-Jahresheft

zenith-Jahresheft: Das Nahost-Album 2011
Gewinner und Verlierer, Israelis und Palästinenser, Gesichter des Arabischen Frühlings und Menschen, von denen wir noch hören werden. Sowie zum letzten Mal: Gaddafi.
Für Abonnenten und im Shop!
Gefunden im Netz
Exodus aus dem Heiligen Land
Die Sendung »60 Minutes« auf CBS darüber, warum immer mehr palästinensische Christen Jerusalem und Bethlehem verlassen.
Stellenausschreibung

Kalender
Die zenith-Satireseite
Die wahrhaft innovative Piratenpartei wird konsequenterweise am Horn von Afrika aus der Taufe gehoben, meint der Diwan.