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Doreen Reiling
Jorgo Chatzimarkakis, Suat Bakir und Cem Özdemir sind alles bedeutende deutsche Staatsbürger, deren Namen weder deutsch klingen, noch deutsche Ursprünge haben. Sie sind Menschen, die Deutschland bereichern, jeder in einer anderen Art. Und sie sind Menschen, deren Familien als Arbeiter aus Griechenland, der Türkei und weiteren Ländern nach Deutschland kamen und einst »Gast« in Deutschland waren.
Die Einwanderung in die Bundesrepublik begann in den 1950er Jahren mit dem Anwerben von Gastarbeitern aus anderen Ländern. Zunächst aus Italien, erst später kamen Griechenland, die Türkei und Jugoslawien hinzu. Deutschland benötigte damals dringend Arbeiter, um die Wirtschaft und deren Wachstum im Gang halten zu können. Gastarbeitern wurde versprochen, in Deutschland gutes Geld zu verdienen. Und sie träumten davon, sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat, eine glückliche Existenz aufbauen zu können. Doch die Zahl der Gastarbeiter nahm stärker als geplant zu, worauf im Jahr 1973 der sogenannte Anwerbestopp folgte. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 12 Prozent aller Arbeiter in Deutschland Gastarbeiter.
Was damals in der Einwanderungspolitik schief gelaufen ist, wirkt sich immer noch auf die Gegenwart aus – die Gegenwart, in der die Zugewanderten noch immer als Gäste gesehen werden, wo sie doch schon längst Bürger geworden sind.
Den Gastarbeitern gefiel es in Deutschland und Gedanken an die vorgesehene Rückkehr in ihre Heimat verflogen. Sie wollten bleiben. Die Politik förderte dies weder, noch forderte sie dazu auf, zu gehen. Sie tat nichts und genau das war der Fehler. Cem Özdemir, Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen ist qua Lebensgeschichte Experte für die Thematik: »Man verweigerte sich der Erkenntnis und entsprechender Konsequenzen in der Integrations- und Bildungspolitik.« Er fügt hinzu, Teile der Politik hätten es durchaus erkannt, dass Deutschland durch die Gastarbeiterströme zum Einwanderungsland geworden sei, jedoch »haben dies maßgebliche Parteien nicht begreifen wollen«. Integrationsprogramme, Deutschkurse oder Förderung von Vereinsmitgliedschaften gab es nicht. Deutschland als Einwanderungsland habe damaligen Regierungen nicht der »Vorstellung der Zukunft des Landes«, entsprochen, so Özdemir.
»Beide Seiten sollten aufeinander zugehen«, meint Jorgo Chatzimarkakis, Mitglied des Europäischen Parlaments. »Wer sich zu Deutschland bekennen will, der muss sich auch zu seinen Werten bekennen. Da spielen Fragen wie Zwangsheirat, Ehrenmord, das Tragen der Burka, das Schächten von Tieren, eine große Rolle.« Gleichzeitig müssten die Deutschen die Migranten mit offenen Armen aufnehmen.
Auch Suat Bakir, Geschäftsführer der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer, kritisiert die »fehlende Willkommenskultur in Deutschland«. Was der Integration häufig im Weg stünde, sei, dass »das Unbekannte befremdet und beängstigt«. Hinzu kommt die fehlende Offenheit auf Seiten der Deutschen, die verhindert, dass sich viele Migranten in die Mehrheitsgesellschaft eingliedern.
Als weiteren Grund für eine scheiternde Integration nennt Suat Bakir »die hohe Konzentra¬tion dieser Menschen in einigen Ballungsgebieten. Sie leben untereinander leichter als mit oder in der Mehrheitsgesellschaft.« Schon zu Beginn der Einwanderungswelle gab es unter vielen Migranten keine Bestrebungen, die Sprache zu erlernen oder sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Man ging schlicht davon aus, der Aufenthalt in Deutschland sei zeitlich begrenzt.
Aufnahmebereitschaft herrschte vor fünfzig Jahren lediglich in Bezug auf die Arbeitskraft. Ein Interesse an Persönlichkeiten, an den Menschen, die sich auf den Weg nach Deutschland gemacht hatten, gab es nur selten. Die Einsicht, dass diese Menschen ihr ganzes Leben im unserem Land verbringen und ihre Kultur mitbringen werden, fehlte. Die Politik hatte und hat immer noch »die Aufgabe, diese Einsicht zu vermitteln. Doch die Politiker selbst haben leider nicht die Einsicht, nur durch Integration könne die Erhaltung des Lebensstandards in Deutschland gewährleistet werden«, sagt Bakir.
Deutschland war und ist auf die Integration angewiesen. Damals war es die Politik, die sich nicht mit dem Thema auseinander¬setzen wollte. Heute wird in der Integrationspolitik versucht auszubügeln, was man bei der Gastarbeiterpolitik nicht bedacht hat. Während die Debatten meist die Rolle der Migranten im Integrationsprozess beleuchten, wird die Bereitschaft der Deutschen nur unzureichend gefördert. Beides gehört jedoch dazu.
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