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Hannes Alpen
Mohammed musste mit ansehen, wie seine Großmutter und sein Vater ermordet wurden. Über Ägypten machte er sich auf den Weg nach Israel, wo er in seinen Mitschülern und Lehrern der Bialik-Rogozin-Schule im Süden Tel Avivs seine neue Familie fand. Mohammed ist einer von drei Protagonisten in der Dokumentation »Strangers no more« der Amerikaner Karen Goodman und Kirk Simon, die am Sonntag mit einem Oscar für die beste Kurzdokumentation ausgezeichnet wurde.
Der 40-minütige Film begleitet die Schüler über den Verlauf eines Schuljahres. Rund 750 Schüler aus 48 Ländern lernen zusammen in der Bialik-Rogozin-Schule. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge oder Kinder von Immigranten und kommen ohne Sprachkenntnisse in die Schule, mit wenig oder keiner Schulerfahrung, aber mit einer traumatischen Vergangenheit. Um so beeindruckender sind die Geduld und die Mühe der Lehrer sowie die Erfolge einiger Schüler, die es schaffen, in wenigen Jahren Ungelerntes nachzuholen.
Am Montagmorgen war der Eingang der Schule mit bunten Luftballon geschmückt und ein Schild verkündete stolz: »Glückwunsch, Wir haben den Oscar!« Auch der israelische Staatspräsident Schimon Peres sowie der Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Huldai, beeilten sich, den Oscar-Gewinnern zu gratulieren. Goodman und Kirk sagen, die Bialik-Rogozin-Schule sei ein Ort, an dem man unglaubliche Menschlichkeit spüre, und sie verdiene die Aufmerksamkeit der ganzen Welt.
Allerdings bildet die Schule in Israel eine Ausnahme. Denn nicht nur in Europa, auch in Israel sind Flüchtlinge aus Afrika ein heißes Thema. Flüchtlinge aus dem Sudan oder Eritrea machen sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben immer wieder auf den beschwerlichen Weg über Ägypten nach Israel. Erst in der vergangenen Woche machte die Organisation Ärzte ohne Grenzen in Israel darauf aufmerksam, dass viele der Flüchtlinge von ihren beduinischen Schmugglern im Sinai gefoltert und erpresst werden.
Auch in Israel erwartet die Flüchtlinge ein ungewisses Schicksal, da das Verfahren zum Erlangen des Flüchtlingsstatus zum Teil Jahre dauert und keineswegs garantiert ist. Daher müssen die Flüchtlinge mit Gefängnis, Abschiebung oder illegalem Aufenthalt ohne jegliche rechtliche Absicherung rechnen.
Rund 27.000 Flüchtlinge und Asylsuchende leben laut »African Refugee Development Center« (ARDC) in Israel. Besonders der israelische Innenminister Eli Yishai der religiös-konservativen Shas-Partei hat in den vergangenen Jahren immer wieder für die Abschiebung plädiert. Eine Knesset-Entscheidung des vergangenen Jahres, 400 Kinder von illegalen Einwanderern abzuschieben, begrüßte er mit der Begründung, dies würde dazu beitragen, die jüdische Identität des Landes zu bewahren.
Auch Kindern aus der Bialik-Rogozin-Schule droht die Abschiebung. Nichtregierungsorganisationen hoffen nun, dass die Aufmerksamkeit der Oscar-Auszeichnung von »Strangers no more« dazu beitragen wird, dies zu verhindern.
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