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Najm Sorir berichtet aus Beirut
»Wir sind vorbereitet. Jeder in unserem Lager wird für unsere Brüder und Schwestern aus Syrien zusammenzurücken. Aber sie wissen nicht, wie sie die Hölle verlassen können, und wir wissen nicht, wie wir sie rausholen können«, sagt Mohammed al-A. Er ist ein hochrangiges Mitglied der PLO im Flüchtlingslager Burj al-Barajneh in Beirut.
Hier leben bereits über 20.000 Menschen auf rund einem Quadratkilometer, Poster von Jassir Arafat und Graffitis mit dem Wunsch nach Rückkehr bedecken jeden noch so kleinen Flecken Beton.
Al-A. berichtet von seinem derzeit größten Problem: Ihm wurde berichtet, dass an der syrisch-libanesischen Grenze rund 100 Familien, 700-1000 Menschen, gestrandet seien. Weder ließen die Syrer die Flüchtenden gehen, noch erlaubten die Libanesen ihnen die Einreise. Denn als Palästinenser in Syrien ist man gesetzlich geheißen, zunächst eine Ausreisegenehmigung bei der Sicherheitsbehörde zu beantragen – wenn diese Behörde denn noch steht. Wenn sie dann noch kein von den Rebellen befreites Binnenflüchtlingslager und auch noch keine Rebellenbasis geworden ist. Und nicht umkämpft.
Eine Damaszener Aktivistin, die noch vor einer Woche aus Damaskus zurückkehrte, berichtet von einer im Straßenschmutz kauernden und schlafenden palästinensischen Familie, vollkommen verschmutzt und ausgebrannt wirkend: »Wie die Straßenhunde, elend und verschmutzt, aber noch mit Kopftuch, lagen sie da«, berichtete sie, als wolle sie so die Ehre der ehemaligen Mitbürger retten. Eine Woche später sind es schon 100 Familien.
Al-A.s Job ist es nun, die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah mit den libanesischen Sicherheitsbehörden zu verbinden, um eine Lösung für die gestrandeten Familien zu finden. Groß ist seine Hoffnung nicht. Palästinenser werden im Libanon von fast allen Konfessionen und Parteien für fast alles Elend, das dem Land angetan wurde, verantwortlich gemacht. »Wenigstens sind wir diesmal nicht die Bösen« freut er sich zynisch.
»Wir haben jetzt aber noch weniger zu lachen als die anderen. Weil syrische Palästinenser in ihren Wohngebieten flüchtende syrische Zivilisten aufgenommen haben, kam Yarmuk (das grösste palästinensische Lager in Damaskus) unter Beschuss.« 15 Mitgliedern der PLO wurden bei Aleppo vor kurzem die Kehlen durchgeschnitten, berichtet er, rund 300 Palästinenser seien bislang getötet wurden.
Wann die libanesischen Behörden und die PLO in einer Verhandlungsrunde über die Aufnahme von noch mehr Palästinensern, Menschen, die allesamt in Syrien geboren wurden, sprechen werden, steht in den Sternen.
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