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Neue Kredite für die Kabul Bank 17.11.2011

Seid umschlungen, Millionen!

Nils Metzger


Nach mehr als einem Jahr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Finanzhilfen für Afghanistan wieder aufgenommen. Die Gelder waren eingefroren worden, nachdem die wichtigste Privatbank der Republik, Kabul Bank, den größten Finanzskandal in der Geschichte des Landes verursacht hatte. Deren Führungskräfte hatten nahezu eine Milliarde US-Dollar in die eigene Tasche gesteckt und windige Immobiliengeschäfte im Emirat Dubai finanziert.


Nach ersten Gerüchten über Finanzschwierigkeiten der Kabul Bank hatten im September 2010 hunderte Kunden Bankfilialen gestürmt und die Auszahlung ihrer Ersparnisse verlangt – rund 1,3 Milliarden US-Dollar verlor das Unternehmen innerhalb weniger Tage. Das Geldhaus stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Zusammenbruch, mehrere Manager wanderten in Untersuchungshaft


Am 16. November gab der IWF bekannt, mit der Aufarbeitung des Skandals soweit zufrieden zu sein, dass ein neuer Kredit in Höhe von 133,6 Millionen US-Dollar bewilligt wurde. Das Geld werde in den kommenden Monaten über den lokalen »Afghan Reconstruction Trust Fund« verteilt. Für die afghanische Regierung ist es ein wichtiger Erfolg, da diverse internationale Geldgeber nach dem Finanzierungsstopp der UN-Organisation ihrerseits auch Mittel zurückgehalten hatten und die Kabul Bank zum Inbegriff des afghanischen Korruptionssumpfes und der Vetternwirtschaft verkommen war.


»Die Behörden haben nach dem Zusammenbruch der Kabul Bank die richtigen Schritte übernommen, um einen Kollaps des Finanzwesens zu verhindern«, so IWF-Vize-Direktorin Nemat Shafik. Die von der Regierung ausgesprochene Zahlungsgarantie für Kleinanleger sei der richtige Schritt zur Stabilisierung gewesen.


Ein Pokerprofi als Bank-Chef

Der Schritt kam überraschend, deuteten in den vergangenen Monaten doch viele Zeichen darauf hin, dass Afghanistan sein marodes Bankenwesen nicht unter Kontrolle bekommt. Abdul Qadir Fitrat, ehemaliger Zentralbankchef, setzte sich im Juni 2011 in die USA ab, nachdem er Todesdrohungen wegen seiner Ermittlungen gegen Personen aus dem Umfeld der Kabul Bank erhalten hatte.


Auch Mahmud Karzai, Bruder des Präsidenten, war in den Fokus der Untersuchungen geraten, da er seinen sieben-prozentigen Anteil an der Bank mit einem Darlehen des gleichen Institutes erwarb – Zinsen hatte er keine zu zahlen. Laut einem Bericht von Le Monde diplomatique liegt der Zentralbank in Kabul eine Liste mit 207 Empfängern zweifelhafter Kredite vor, darunter Politiker, Künstler und ein Fußballclub.


Inzwischen wurde das Geschäft des Geldhauses aufgeteilt – die rentablen Geschäftsbereiche wurden vom afghanischen Finanzministerium übernommen, die faulen Kredite an eine »Bad Bank« ausgelagert. Sherkhan Farnood, früherer Vorsitzender der Kabul Bank und bis 2008 professioneller Poker-Spieler, verlässt inzwischen zusammen mit Khalilullah Ferozi, seinem ehemaligen CEO, für mehrere Stunden täglich die Gefängniszelle und kehrt an seinen früheren Arbeitsplatz zurück, um dabei zu helfen, die verlorenen Millionen wieder aufzutreiben.


Gegenüber dem britischen Guardian kündigte Ferozi jedoch an, er werde nicht mehr weiter bei der Restrukturierung der Kredite mithelfen, sollte er vor Gericht eines Verbrechens für schuldig befunden werden. Er besäße zahllose Dokumente, die eine Verstrickung der Präsidentenfamilie in die Geschäfte der Kabul Bank belegten, pflichtete der sich ebenfalls in Untersuchungshaft befindende Farnood bei.


Bislang konnten nach Angaben von Finanzminister Omar Zakhilwal jedoch lediglich 75 Millionen US-Dollar zurückgewonnen werden – ein Betrag, der nicht einmal die zusätzlichen Verluste deckt, die während der jüngsten Finanzinvestigationen entdeckt wurden. Man sei aber zuversichtlich, bis zu 600 Millionen US-Dollar von den Schuldnern eintreiben zu können – ein schwieriges Unterfangen, sind doch viele der Empfänger schlicht als »unbekannt« in den Büchern vermerkt.



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