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Gazprom und Libyen 24.02.2011

Russlands lange Leitung

Alexander von Hahn


Als Teil der im September 2010 ausgehandelten Vereinbarung war ursprünglich geplant, dass Gazprom im Gegenzug zu Enis Anteil an der Ausbeutung russischer Arktisfelder zu einem Drittel am »Elephant Field« in Libyen beteiligt wird. Gemäß des am 17. Februar geschlossenen Vertrages scheint die Gazprom-Tochter »Gazprom Neft« auf den Tausch verzichtet zu haben und den Anteil am nordafrikanischen Förderprojekt zum Preis von 163 Millionen US-Dollar Eni abgekauft zu haben.


Eine Übereinkunft für die sibirischen Gasvorkommen ist für den 28. Februar geplant, wenn Gazprom- und Eni-Vertreter ein Gasverkaufsabkommen (GSA) für das Feld im russischen Severenergija unterzeichnen möchten. Seit 2006 kooperieren Gazprom und Eni auf dem Gebiet der Förderung und Raffination.


Rund 28 Milliarden US-Dollar an Direktinvestitionen zur Steigerung der libyschen Öl- und Gas-Förderung veranschlagte das 2007er Abkommen zwischen italienischer Eni und dem staatlichen Ölkonzern Libyens über den Zeitraum von zehn Jahren. Der Einstieg Russlands wurde laut Eni-CEO Paolo Scaroni bereits von libyschen Behörden bewilligt – während die staatlichen Nachrichtenagenturen Russlands jedoch vermelden, eine solche offizielle Zustimmung fehle noch.



Im »Elephant Field« ruhen schätzungsweise 110 Millionen Tonnen Öl, in der Murzuq-Senke wird es bereits seit 1997 gefördert, 2006 bis zu 124.000 Fass am Tag. Damit kann eine jährliche Produktion von annähernd 6 Millionen Tonnen aufrecht erhalten werden. Der Standort ist inzwischen voll mit Raffinerien und Pipelineverbindungen ausgebaut. So konnte Libyen zum Versorger Italiens, Deutschlands, Ägyptens und der Schweiz avancieren.


Erst 2007 näherten sich Russland und Libyen wieder an

Nach Auflösung der Sowjetunion kühlten die russisch-libyschen Beziehungen deutlich ab. Besonders die libysche Unterstützung des kommunistischen Putschversuches 1991 schadete dem Verhältnis nachhaltig. Russland stellte den Import libyschen Rohöls ein – eine Praxis, die zu sowjetischen Zeiten etabliert wurde, die jedoch ausschließlich politische und keine wirtschaftliche Motivation besaß.


Seit 2007 setzte eine langsame Verbesserung im Verhältnis beider Staaten ein. Als eine seiner letzten Amtshandlungen als Präsident stattete Wladimir Putin seinem Kollegen Muammar al-Gaddafi im April 2008 einen Besuch ab. Im Koffer hatte er Militär- und Infrastruktur-Verträge im Wert von knapp 10 Milliarden US-Dollar, auch russische Schulden im Wert von 4 Milliarden US-Dollar wurden nach mehr als einem Jahrzehnt bezahlt.


Libyen stand nun die Mitgliedschaft im russischen »Forum Gas exportierender Länder« offen, das versucht, das erfolgreiche Konzept der OPEC auf den Gasmarkt anzuwenden. Westliche Analysten sehen in diesem Schritt eine gesteigerte Handlungsfähigkeit Libyens auf dem internationalen Parkett.


Insgesamt verfügt der Maghreb-Staat laut der von BP veröffentlichten »Statistical Energy Survey 2007« über 0,84 Prozent der weltweiten Gasreserven, die aktuelle Fördermenge macht jedoch nur 0,51 Prozent des weltweiten Angebots aus.


Parallel zur Unterzeichnung des Kooperationsvertrages diskutierten Gazprom-Chef Alexey Miller und Eni-CEO Scaroni auch die jüngste Machbarkeitsstudie für das europäisch-russische Pipeline-Projekt »South Stream«: Besondere Beachtung von Seiten Gazproms erhält derzeit die Frage, welchen Verlauf die Leitung unter dem Schwarzen Meer nehmen soll. Auch hier baut man auf die jahrelange Kooperation mit der italienischen Eni.



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