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Mohamed Amjahid
Tiefsitzende Hosen, eine Native Deen-App für das Smartphone und Rapperhandbewegungen gehören zum Repertoire von Joshua, Naeem und Abdul Malik genauso wie ihre islamische Kopfbedeckung, der regelmäßige Gang in die Moschee und der Koranvers am Schlüsselbund. Native Deen sind gerade von ihrer Tournee in Indonesien nachhause zurückgekehrt: »Es war unglaublich, unsere Fans am anderen Ende der Welt hautnah zu erleben!«, sagt Joshua, der Bandleader und Manager zugleich ist.
Native steht für »Native American«, die Jungs sind stolz auf ihre »amerikanische Identität«. »Deen« ist das arabische Wort für Glaube, die Jungs sind stolz auf ihren Islam.
In ihren Songs besingen Native Deen den Beginn des Ramadans, sie rappen, dass ihr Glaube ihnen viel wichtiger als alles andere sei und verarbeiten die Geschichte einer jungen Konvertitin, die das Kopftuch anlegt und somit die Empörung ihres Arbeitgebers und den Zorn ihrer Familie auf sich zieht.
»Wir wollen eine Stimme für die Muslime Amerikas sein«, erklärt Naeem, »aber wir wollen auch, dass uns die anderen Amerikaner hören«. Islam das sei offensichtlich für viele Menschen in den USA noch ein Mysterium, viele verwechseln Islam mit Islamismus und deswegen sehen die Rapper auch einen Bildungsauftrag in ihrer Kunst. »Wir singen aber auch über Umweltschutz und Drogen«, ergänzt Joshua schnell, um nicht den Eindruck zu erwecken es handele sich hier um eine ein-Themen-Musik.
In ihren Texten reimen die drei Rapper nicht um den heißen Brei und so kommen sie von ganz alleine auf das Thema 11. September: »Natürlich hat dieser Tag auch unser Leben verändert«, sagt Abdul Malik, das etwas schüchterne Bandmitglied. »Seit den Terroranschlägen habe ich immer Probleme, wenn ich an einem Flughafen bin«, beschwert er sich, »nur weil ich so heiße wie ich heiße und nur weil ich mich so anziehe wie ich mich anziehe«.
Und zehn Jahre danach? In den USA herrscht eine gemischte Stimmung. Die Menschen in Großstätten wie New York oder Chicago haben meistens kein Problem mit dem Islam, die offiziellen Stellen in Washington preisen die Muslime sogar als »wichtigen Teil der Gesellschaft«, das US-Außenministerium macht mit der Native Deen Werbung für Toleranz und den »American Dream«.
Aber trotzdem zeigt sich auch die hässliche Seite der absoluten Rede- und Meinungsfreiheit: der Priester aus Florida, der letztes Jahr öffentlich den Koran verbrennen wollte, rund 30.000 Menschen die am neunten Jahrestag von 9/11 vor einer Moscheebaustelle unweit von Ground Zero lautstark ein Islamverbot forderten und Politiker der »Tea Party«, die Barack Hussein Obama als einen »Moslem« beschimpfen, ihre Anhänger glauben es ihnen uneingeschränkt, nicht nur im erzkonservativen Utah.
Native Deen sehen das alles ganz easy: »Dann machen wir halt mehr Bildungsarbeit«. Amerika sei eben das Land der Meinungsfreiheit und deswegen müssten man nur eine Mehrheit hinter sich und hinter der Akzeptanz für den Islam versammeln.
Joshua muss kurz in sein Büro in der Moschee in Sterling, Virginia, etwa eine halbe Autostunde von Washington entfernt. Der Bau liegt in einem Industriegebiet, Muslime sind auch in den USA oft Arbeiter am Band oder Selbstständige mit kleinen Unternehmen. Von ihrer Musik können Native Deen »noch nicht leben«, Joshua betreut deswegen die Jugend der Gemeinde, Naeem arbeitet für eine islamisch-amerikanische NGO und Abdul Malik ist Webdesigner.
Die Moschee in Sterling ist an diesem Nachmittag noch verweist, in der Ecke sitzt ein alter Mann, er liest aus dem Koran und bewegt seinen Oberkörper wie in Trance nach vorne und nach hinten. Ein Kind sitzt gelangweilt neben den Schuhregalen. Ein anderer alter Mann betet ausgiebig und still. Nicht daran zu denken, dass in einigen Stunden rund 500 Menschen hier an einem der letzten Ramadantage das Fastenbrechen feiern werden. Abdul Malik und Naeem setzen sich auf den Boden, sie schauen auf die Decke, schauen sich gegenseitig an, schauen auf ihre Socken und erzählen wieder von dem Gefühl zehn Jahre danach.
»Wir haben uns auf unsere Community konzentriert, hier in der Moschee fühlen wir uns wohl«, berichtet Abdul Malik. Native Deen das sei ein Teil von Amerika, und das sei wichtig. »Wir sind Muslime und Amerikaner«, ergänzt Naeem.
»Wir sind Schwarze und wir sind Muslime«, sagt Naeem. Es folgt verlegene Stille. Abdul Malik, der mittlerweile zwar immer noch etwas schüchtern aber immerhin mehr erzählt, zeigt nach oben: »In dieser Moschee kommen wir zusammen: Somalis, Afrikaner, Ägypter, alle Muslime, wir beten und wir fühlen uns wohl«. Daraus entstünde ein amerikanischer Islam, den es so nur in den USA, vielleicht auch nur in ihrer Gemeinde in Sterling, Virginia geben würde: »Ein Multi-Kulti-Islam«.
Und dann fällt der Satz, der auch in anderen Kontexten wie Schwulenparaden, Kriegsveteranenfesten, Tea-Party-Konventen und an der Baustelle im World Trade Center in New York fällt: »Das ist Amerika, Baby! Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten«.
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