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Björn Zimprich
Der amerikanische Präsident mit kenianischem Vater wird in Afrika grenzenlos verehrt. Während sich in den USA nach über einem Jahr Amtszeit Ernüchterung breit macht, ist Obama in Afrika ein Popstar. Die Spannbreite an Produkten mit seinem Konterfei scheint dabei keine Grenzen zu kennen.
»Wo kommst du her?«, so die Frage eines jungen Mannes, an den wegen seiner weißen Haut leicht zu identifizierenden Fremden. »Deutschland!«, lautet die Antwort. Normalerweise würden jetzt einige nette Bemerkungen folgen, samt der Aufzählung einiger Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Aber dieses Gespräch verläuft anders. »Oh, Deutschland ist gut, aber Amerika ist großartig – Kennst du Obama?
«Auf die Antwort wird nicht gewartet. Obama ist einfach großartig, schießt es aus dem jungen Mann heraus und dieser Meinung wird wohl die Mehrheit der Afrikaner zustimmen. Die Wahl eines afroamerikanischen Präsidenten zum Anführer der einzig verbliebenen Supermacht erfüllt viele Menschen in Afrika mit Stolz und dieses Gefühl wird gerne mittels Kleidung und Accessoires nach Außen getragen.
Clevere Geschäftsleute in Fernost müssen dies schon sehr früh geahnt haben, denn als der Vorwahlkampf in den USA noch im vollen Gange war, wurden dort schon erste Obama-Produkte designt und gefertigt. Nach der Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wurden dann die Märkte Afrikas mit Obama-Souvenirs überflutet. Die Bandbreite an Produkte kennt dabei keine Grenzen. Es gibt Uhren mit dem Obama-Konterfei, Gürtel und Gürtelschnallen mit seinem Schriftzug.
Sogar Obama-Badelatschen sind es für umgerechnet 1,50 Euro zu erwerben. Das man in diesen Latschen ständig auf Obamas Gesicht herumtrampelt, war wohl nicht zu vermeiden. Wer das Idol immer nahe bei sich tragen will, kann sein Bild als Schlüsselanhänger einstecken. Aber auch auf Reisen ist Obama ein steter Begleiter, denn es gibt eine große Auswahl an Rucksäcken und Reisetaschen, allesamt verziert mit dem amtierenden Präsidenten der USA.
Der Klassiker, um sich als Obama-Fan zu outen, sind jedoch T-Shirts. Es gibt eine kaum zu überschauende Zahl an verschiedenen Slogans und Motiven und ständig kommen Neue hinzu. So findet man Obama als stilisierten Friedensapostel, im Hintergrund ein Peace-Zeichen, dass wie eine Art Heiligenschein über dem amerikanischen Präsidenten schwebt. Darunter steht: »A leader we can believe in – save our nation!« – zu Deutsch: »Ein Führer dem wir vertrauen können – Rette unsere Nation!«
In eine ganz andere Richtung geht das Motiv mit einem ernst Finster drein blickenden Obama, über dessen Bild sein Zweitname Hussein prangt. Ob solch kämpferische Motive für den nächsten Wahlkampf des Demokraten taugen, müssen wohl seine Kampagnenplaner entscheiden. In Westafrika scheint der Absatz zumindest zu stimmen, wie der T-Shirt-Händler Suleiman kopfnickend bestätigt. Zu kaufen gibt es aber auch den Ehemann Obama mit seiner Frau Michelle oder einfach den Wahlkämpfer Obama mit dem bekannten Slogan »Change we can believe in«.
Origineller sind dagegen Motive, die Martin Luther Kings »Dream« mit Barack Obama verbinden. Der bekannte Baptistenprediger und Bürgerrechtler King gab den Schwarzen in den 1950er und 1960er Jahren erstmals eine Stimme und prangerte den Rassismus und die Marginalisierung der Schwarzen in den USA an. Der bekannteste Satz, der der Nachwelt vom 1968 von einem weißen Rassisten ermordeten King erhalten blieb, lautet: »I have a dream«. King träumte von einer Welt in die Rassentrennung überwunden und alle Formen der Diskriminierung gegen Schwarze abgeschafft wären.
Nicht wenige sehen in der Wahl des ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA diesen Traum erfüllt. Entsprechend ist wohl auch ein T-Shirt zu verstehen, dass einen väterlich, nachdenklichen Martin Luther King mit zum Gebet gefalteten Händen zeigt. Schräg unter Ihm ist Barack Obama zu sehen, der zu Ihm aufschaut und den Daumen zum zustimmenden Gruß erhebt.
Der Traum von Anerkennung und Aufstieg, den viele Afrikaner mit Obama verbinden, ist wohl auch der eigentliche Verkaufsschlager und der Grund warum Obama-Produkte reißenden Absatz auf den Märkten Afrikas finden. Während die bisherigen Idole der afrikanischen Jungen in erster Linie bei den Fußballspielern des Kontinents zu suchen waren, die es wie ein Didier Drogba aus der Elfenbeinküste bis in die Champions League geschafft haben, scheint nun eine neue Ikone hinzugekommen zu sein. Barack Obama! Der amerikanische Präsident macht den weltweiten Fußballstars zumindest beim T-Shirt-Verkauf zunehmende Konkurrenz. Aber taugt Obama zum afrikanischen Popstar?
Denn bei seiner ersten Rede in Schwarzafrika am 11. Juli 2009 hatte Obama auch viele kritische Ansichten parat. Er ließ keinen Zweifel daran, wer für die Zukunft Afrikas die Hauptverantwortung trägt – nämlich die Afrikaner selber. Er prangerte Korruption und schlechte Regierungsführung an. Kenia, das Heimatland seines Vaters, dessen korrupte Regierung immer wieder Schlagzeilen machten, bestrafte Obama mit Nichtbeachtung. Anstatt dem Heimatland seines Vaters die Ehre zu erweisen, hielt Obama seine erste Rede im als demokratischen Musterstaat geltenden Ghana.
Mit seiner Betonung von harter Arbeit und langwierigen Anstrengungen wird er sich dabei nicht nur Freunde gemacht haben. Zumindest ein Popstar redet anders. Aber es bleibt zu hoffen, dass Afrika sich auch inhaltlich mit Obama auseinandersetzt. Das wichtigste Beispiel für seine Reden liefert dabei Obamas eigene Erfahrungen. Denn nachdem die Euphorie des Wahlkampfes verflogen war, blieb die harte alltägliche Arbeit, in der er sich mit Lobbygruppen und den Abgeordneten des Kongress aufrieb.
Die historische Verabschiedung der Gesundheitsreform im Frühjahr diesen Jahres bewies: Die Arbeit hat sich gelohnt – sicher mehr als das Träumen in der Zeit davor. Aber was stand nochmal auf dem T-Shirt mit Martin Luther Kings »Dream«: »Change, I am asking you to believe in yours.« Vielleicht ist das Obamas Nachricht an Afrika – nicht als Popstar sondern als Vorbild.
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