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Integration im Politikbetrieb 02.09.2011

Politik mit Migrationshintergrund

Veit Raßhofer


Migranten in der deutschen Politik – eine Leerstelle, wie man auf den ersten Blick sagen möchte. Aber dann fallen einem natürlich zuerst die aktuell im Rampenlicht stehenden »Politiker mit Migrationshintergrund« ein – etwa Cem Özdemir und Aygül Özkan. Die neue Integrationsministerin in Baden-Württemberg, Bilkay Öney, gehört sicher auch dazu, verkörpert die Realität der Situation von Migranten in der deutschen Politik aber wahrscheinlich besser: Die SPD musste sie aus Berlin »importieren«, offensichtlich fand man in den Reihen der Süd-West-SPD keine Kandidatin mit geeignetem Profil. Dass Öney nun mit steilen Thesen sich selbst in Frage stellt – ihrer Meinung nach hätte es gar kein Integrationsministerium in Baden-Württemberg gebraucht, womit sie wahrscheinlich sogar recht hat – sei hier nur am Rande angemerkt.


Zurück zum Buch, das sich zum Glück nicht auf die bundes- oder landespolitische Ebene beschränkt, sondern einem weiteren Begriff von Politik folgt. So erhält man hier Einblicke in die Realität der Ausländerbeiräte und die Beteiligung von »Bürgern mit Migrationshintergrund« auf kommunalpolitischer Ebene, dort Überlegungen zum gesellschaftlich-politischen Engagement von Jugendlichen »mit Migrationshintergrund«, da autobiographische Abrisse der Karriere, hie wissenschaftliche Analysen und schließlich auch Informationen über die Partizipation in den politischen Parteien, verfasst von Parteipolitikern.


Die Wendung »mit Migrationshintergrund« ist zu pauschal


Was sich anhört wie ein Sammelsurium, ist auch eins. Aber das spezifische Verdienst dieses Buches besteht eben darin, eine möglichst große Bandbreite gesellschaftspolitischen Handelns darzustellen und den individuellen Sichtweisen und Überlegungen angemessenen Raum zu geben, die dieses Handeln strukturieren. Dass das in einem Band von gerade mal gut 150 Seiten und 17 teils sehr kurzen Beiträgen nicht erschöpfend gelingen kann, leuchtet von vornherein ein. Da dem Herausgeber die Auswahl der Autoren aber gut gelungen ist, kann er aber auch in dem Ausschnitt, den er gewählt hat, die Vielfalt des Engagements derer, die immer pauschal mit der Wendung »mit Migrationshintergrund« belegt werden, darstellen. Es zählen bei diesem Band eher die kleinen Fortschritte: das Vergegenwärtigen der Diversität, die den Migranten in Deutschland zu eigen ist, die anregenden Fragen, die sich aus der Beschäftigung mit den unterschiedlichen Ansätzen ergeben, die eingestreuten Ideen.


Wie ließe sich ein umfassendes Bild von der Vielfalt gesellschaftlicher und politischer Aktivitäten zeichnen? Man müsste diesem Band weitere folgen lassen, dabei neue Akteure einbeziehen – was ist etwa mit Bereichen wie Flüchtlingssolidarität, Politik an der Universität, Umweltschutz, Gewerkschaften, was im Buch »Migranten in der deutschen Politik« zwar angeschnitten, aber nicht ausgeführt wird? Die aktive politische Teilhabe, sei sie in der Form des Protestes, der Solidarisierung, der Selbstorganisierung oder der aktiven Mitarbeit in etablierten Organisationen, von Zuwanderern und deren Nachkommen ist weit vielfältiger, als es bei einem flüchtigen Blick wahrnehmbar wäre. Welch bessere Integration könnte es geben?

Migranten in der deutschen Politik

Marvin Oppong (Hrsg.)

VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011

24,95 Euro, 157 Seiten



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