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Kaum war das Hochwasser des letzten Jahres zurückgewichen, da ließ der diesjährige Monsunregen den Indus und seine Nebenflüsse schon wieder über die Ufer treten. Ein Jahr nach der schlimmsten Flut in der Geschichte Pakistans müssen Zehntausende im ländlichen Süden der Provinz Punjab und in Sindh ihre erst notdürftig wieder aufgebauten Häuser erneut verlassen und ihr Land den Fluten preisgeben.
Überwiegend trifft es Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie Landlose, die den Naturgewalten kaum etwas entgegenzusetzen haben. Die internationale Hilfsorganisation Oxfam hat deshalb die Regierungen Pakistans und der Geberstaaten aufgefordert, deutlich mehr in die Katastrophenvorsorge zu investieren und dabei besondere Rücksicht auf die Bedürfnisse der ärmsten Schichten der Bevölkerung zu nehmen.
Überall fehlt es an Geld, aber mehr noch an Reformen. Die Ineffizienz der pakistanischen Katastrophenschutzbehörden ist bekannt; allzu oft blockieren Doppelstrukturen und Kompetenzgerangel simple Maßnahmen wie die Reparatur oder die Erhöhung von Deichen. Dabei wissen die seit Generationen an Hochwasser gewöhnten Menschen oft am besten, was getan werden muss. Es gibt aber auch positive Beispiele, wie Distriktbehörden zusammen mit Dorfgemeinschaften Pläne zur Vorsorge und zur Überlebenssicherung bei Naturkatastrophen erarbeiten.
Oxfam betreibt seit 14 Jahren ein Projekt im Muzaffargarh-Distrikt, bei dem der bäuerlichen Bevölkerung überlebenswichtiges Wissen zur Katastrophenvorsorge vermittelt wird – von Frühwarnung und Erster Hilfe bis hin zu hochwassersicherer Bauweise. Bei Hochwassergefahr stehen die Dorfbewohner ständig mit den örtlichen Behörden telefonisch in Verbindung und erfahren so, was zu tun ist. Zudem halten die Einwohner regelmäßig Notfallübungen ab, um im Ernstfall ihre nötigste Habe und ihr Vieh rasch in Sicherheit zu bringen. Dazu dienen erhöhte Flächen, die sie vorher unter fachkundiger Anleitung errichtet haben.
Pakistan wird regelmäßig von Hochwasser und anderen Naturkatastrophen heimgesucht – seit seiner Gründung im Jahr 1947 war das Land 67-mal von Überschwemmungen betroffen. Die Überschwemmungen vom Juli/August 2010 waren die verheerendsten in der Geschichte Pakistans. 1.985 Menschen wurden getötet und 2.964 verletzt; insgesamt waren rund 20 Millionen Menschen betroffen. 11 Millionen Menschen verloren ihre Häuser, 800.000 Familien haben immer noch keine feste Behausung.
Durch den fortschreitenden Klimawandel werden Flutereignisse an Häufigkeit und Intensität weiter zunehmen. Dagegen lässt sich zwar kaum etwas ausrichten, gegen deren katastrophalen Folgen hingegen schon.
Dabei geht es nicht um fragwürdige Großprojekte wie etwa Staudämme, die oft über die Köpfe der Betroffenen hinweg geplant werden. Besonders auf der Ebene von Gemeinden und Distrikten können verhältnismäßig niedrige Investitionen in wirksamere Katastrophenvorsorge teure Nothilfe- und Wiederaufbaumaßnahmen zum Teil einsparen.
Geberländer sollten deshalb mehr Druck auf die pakistanische Regierung ausüben, damit sie dringend nötige Reformen umsetzt, mehr Kompetenzen auf Distriktebene verlagert und die erfahrensten Experten für Katastrophenvorsorge und Wiederaufbau umfassend mit einbezieht: die betroffene Bevölkerung.
ist Berater und Koordinator für Humanitäre Kampagnen bei Oxfam Deutschland. Oxfam führt in Pakistan seit Jahren mit seinen einheimischen Partnerorganisationen Projekte zur Katastrophenvorsorge durch und erreichte mit seiner Nothilfe nach der Flut 2010 ca. 2,4 Millionen Menschen.
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