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Nicht nur die islamistische Gruppe Boko Haram bereitet dem nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan einiges an Kopfzerbrechen. Besonders im Ölgeschäft, das für rund 80 Prozent des Staatshaushaltes aufkommt, musste das seit 2010 amtierende Staatsoberhaupt Kritik der Bevölkerung einstecken. Während sich Benzinpreise über die letzten 12 Monate mehr als verdoppelt haben, große Teile des Landes in Armut leben, profitierten insbesondere ausländische Großkonzerne und eine kleine lokale Elite von dem Milliardengeschäft.
Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters sollen nun erstmals mehr als 40 Prozent der jährlich ausgeschriebenen Öl-Vertriebslizenzen an nigerianische Unternehmen gehen. Knapp drei Viertel der Tagesproduktion von 1,6 Millionen Barrel, in den Verträgen auf einen Marktwert von insgesamt 60 Milliarden US-Dollar festgesetzt, werden nun von 21 nigerianischen und 29 internationalen Unternehmen auf dem Weltmarkt angeboten, darunter etliche international unbekannte Namen.
Zuvor hatte die Regierung in Abuja durch den staatlichen Ölkonzern NNPC deutlich strengere Regeln für die Ausschreibungen erlassen, um den anhaltenden Vorwürfen von Misswirtschaft und Korruption Herr zu werden. Erst im Laufe des Bewerbungsprozesses stellte sich heraus, in welchem Maße dies die großen Anbieter wie Glencore, Vitol, Total oder Shell bevorzugte. Als die Gewinner nun zwei Monate nach dem geplanten Termin im April benachrichtigt wurden, liegt der Vorwurf nahe, man habe nachträglich lokale Unternehmen gesucht, um aus dem Bewerbungsprozess politischen Profit schlagen zu können.
»Der Wunsch nach nigerianischer Beteiligung ist verständlich, dem Land dienlich ist es aber nur, wenn sie rechtlich einwandfrei arbeiten und in einem Prozess ausgewählt wurden, der frei von Vetternwirtschaft ist«, so Alexandra Gillies, Rohstoff-Expertin der NGO Revenue Watch, gegenüber Reuters. Insgesamt büßten die Weltmarktführer um Glencore teils deutlich Marktanteile ein.
Erst vergangene Woche hatte Präsident Jonathan mehrere führende NNPC-Manager entlassen, die ein Parlamentsausschuss für die Veruntreuung von rund 5,5 Milliarden US-Dollar in den vergangenen drei Jahren verantwortlich macht.
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