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»Die Nächte des Ramadan« 14.08.2010

Muslimische Lebenslust in Berlin

Nils Metzger


In vielen Metropolen weltweit ist der islamische Fastenmonat Ramadan zum kulturellen Ereignis avanciert – nicht nur in der islamischen Welt. Während die »Ramadan Nights« in London und Tokio bereits feste Größen sind, gab es in Deutschland lange kein vergleichbares Festival. Vor drei Jahren dann nahm die Berliner »Kulturbrauerei« in Prenzlauer Berg den islamischen Fastenmonat zum Anlass, in einer Abendveranstaltung Küche, Kunst und Geselligkeit des Nahen Ostens zu kombinieren. Erstmals finanziert vom Auswärtigen Amt, kann das Festival auch dank einer Kooperation mit dem Berliner »Museum für Islamische Kunst« in diesem Jahr deutlich ausgebaut werden.


Vom 13. August bis zum 12. September 2010 treten türkische Baglama-Virtuosen, Liedermacher aus Mali und algerische Elektro-Künstler auf der Museumsinsel und im Neuköllner Veranstaltungszentrum »Heimathafen« auf. Es treffen uigurische Filmbeiträge auf Sahara-Blues und arabisch-amerikanische Dichtung auf die mittelalterlichen Gesänge sephardischer Juden. Für Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst, geht es darum, Muslimen »den kulturellen Raum zu geben, der ihnen zusteht«.


Einen großen Förderer der Veranstaltungsreihe haben die alteingesessenen Institutionen in dem jungen Radiosender METROPOL FM gefunden. 1999 gründete der ursprünglich zum Studium nach Deutschland gezogene Wirtschaftsingenieur Tamer Ergün den ersten zweisprachigen deutsch-türkischen Rundfunk-Kanal. Ergün bewirbt das Kulturprojekt in seinen Sendungen und sorgt für Zuspruch und Interesse in der türkischen Community. Ihm kommt es vor allem darauf an, »den Ramadan nicht nur aus einer religiösen, sondern auch aus einer kulturellen Perspektive« zu zeigen.


Die Auftaktveranstaltung war ein großer Erfolg

Zum Auftakt heizte die von der Levante eingeflogene »Syrian Big Band« – laut den Veranstaltern die einzige der arabischen Welt – den rund 500 Gästen im Innenhof des altehrwürdigen Kolonnadengangs auf der Museumsinsel ein. Nachdem auch Regen die Kulturbegeisterten nicht vertreiben konnte, bot das knapp 20-köpfige Ensemble flankiert von einer Reihe hervorragender Sängerinnen und Sänger ein breites Repertoire klassischer arabischer Kompositionen, Rock, Hiphop und Funk an. In der ausgelassenen Stimmung ging sogar die bei Einsetzen der Dunkelheit verkündete Pause zum gemeinsamen Fastenbrechen etwas unter. So feierte sich die Berliner Vielseitigkeit ausgelassen weiter selbst, um erst pünktlich um 22 Uhr von der Lärmschutzverordnung beendet zu werden.


Doch die »Nächte des Ramadan« bieten nicht nur Hochkultur, sondern auch entspanntes Beisammensein und authentisches Kiez-Flair. Zum Abschluss der Feierlichkeiten Mitte September planen die Veranstalter ein großes interkulturelles Familienfest in Berliner Stadtteil Neukölln.



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