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Ghassan Tueni, langjähriger Herausgeber der größten libanesischen Tageszeitung an-Nahar, ist am Freitagmorgen im Alter von 86 Jahren verstorben, wie das Blatt auf seiner Homepage mitteilte.
Ghassan Tueni wurde 1926 geboren und übernahm nach dem Tod seines Vaters Gebran die Chefredaktion der 1933 gegründeten Tageszeitung an-Nahar. Das Blatt avancierte unter Ghassan Tueni zu einem der führenden Tageszeitungen der Region und etablierte den Libanon als Zentrum journalistischer Aktivität im Nahen Osten. Von 1948 bis 1999 stand Tueni dem Blatt als Herausgeber vor, dann wieder ab 2003 bis zu seinem Tod.
Tueni prägte aber auch ein halbes Jahrhundert lang die politische Landschaft des Libanon. 1951 wurde er erstmals ins Parlament gewählt – zunächst als Abgeordneter der Syrisch Sozialnationalistischen Partei (SSNP), die Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre gerade unter den Angehörigen der griechisch-orthodoxen Konfession große Popularität genoss. Später als parteiloser Politiker übernahm Tueni zahlreiche Posten, etwa, als stellvertretender Parlamentspräsident sowie mehrfach als Minister in verschiedenen Kabinetten.
Während des libanesischen Bürgerkriegs war Tueni von 1977-1982 Libanons Botschafter bei den Vereinten Nationen, konnte in dieser Rolle aber keine entscheidenden Fortschritte zur Beendigung des insgesamt 15 Jahre währenden Konflikts erreichen.
In seinem Privatleben musste der erfolgreiche Verleger und Politiker einige Schicksalsschläge verkraften. Seine erste Frau Nadia, eine libanesische Drusin, starb 1983 an Krebs, zudem verlor er Tochter Nayla und Sohn Makram bereits in frühen Jahren. 2005 wurde sein Sohn und Nachfolger als Chefredakteur bei An-Nahar Gebran Tueni ermordet – bis heute ist der Anschlag nicht aufgearbeitet.
Daraufhin startete der damals 79-Jährige sein politisches Comeback und nahm den Parlamentssitz seines Sohnes ein. 2009 gewann Gebrans Tochter, Ghassa Tuenis Enkelin Nayla, den Parlamentssitz in einem der drei Beiruter Stimmbezirke und führt so die politische Familientradition fort.
Ghassan Tuenis Leben und Wirken war stets von einem typisch libanesischen Dilemma geprägt. Einerseits sah er stets als säkularer Patriot, der den Konfessionalismus nicht nur verbal ablehnte, sondern auch mit einer Drusin verheiratet war – eine Ehe, die das libanesische Gesetz bis heute nicht anerkennt. Andererseits etablierte der Familienpatriarch Ghassan den Tueni-Clan als einflussreichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteur, der nun in vierter Generation politisch und verlegerisch aktiv ist. So liegen dieMehrheitsanteile von An-Nahar noch heute in Familienbesitz.
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