Quicknews
Der Historiker Kamal Salibi ist heute Morgen im Alter von 82 Jahren in Beirut verstorben. Das wurde aus Kreisen seiner langjährigen Wirkungsstätte, der American University of Beirut (AUB), bekannt gegeben.
Salibi hatte an der AUB sowie der Londoner »School of Oriental and African Studies« studiert. 1965 veröffentlichte er »The Modern History of Lebanon«, in dem er das libanesische Proporzsystem als Garanten für eine pluralistische, ausgleichsbasierte Gesellschaft pries.
Den Stellenwert als herausragendster zeitgenössischer Historiker erwarb sich Salibi allerdings, weil er – unter der Erfahrung des 15 Jahre währenden libanesischen Bürgerkriegs – seine Erklärungsmuster einer kompletten Revision unterwarf. Das Resultat dieser Arbeit, das Buch »A House of Many Mansions: The History of Lebanon Reconsidered« von 1988, gilt als Wendepunkt der libanesischen Historiographie und als unerlässliches Grundlagenwerk. Salibi erzählt darin nicht einfach die Geschichte des Libanon neu, sondern beschreibt die Geschichts- und Identitätskonstruktionen der verschiedenen Religionsgemeinschaften und Parteien.
Bis 2004 lehrte Salibi an seiner Alma Mater, der AUB in Beirut, bevor er in den Ruhestand ging. Zu Salibis Schülern gehören eine ganze Reihe inzwischen renommierter Akademiker, die nachhaltig von Werk und Leben des Historikers geprägt werden. So gehörte etwa Nadim Shehadi, mittlerweile Nahost-Experte am Londoner Think Tank »Chatham House« und langjähriger Leiter des »Centre for Lebanese Studies« in Oxford, zu den ersten, die die Todesnachricht per Twitter bekannt machten.
zenithDebatte
Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Religion verfechten ihren Standpunkt zu einem aktuellen Thema.
Kalender
zenith im Abo
Abonnieren Sie jetzt 6 Ausgaben zenith für 45 EUR im Jahr (36 EUR für Studenten)
zenith Edition
Reaching for the Sun?
The Search for Sustainable Energy Policies in North Africa and the Middle East