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Marcus Mohr
Eigentlich wollte die saudische Luftwaffe ihr Arsenal mit dem modernsten Kampfflugzeug aufstocken, das die amerikanische Lockheed Martin zu bieten hat: die F35 »Lightning II«, die erst 2014 an die US Air Force ausgeliefert werden soll. Doch im Sommer 2010 intervenierte Israel erfolgreich beim US-Kongress, um den technologischen Vorsprung der »Israeli Air Force« in der Region zu erhalten. Riad muss sich nun mit dem neuesten Modell der älteren Boeing F15 »Eagle« zufrieden geben. Trotzdem: Das resultierende Geschäft ist mit einem Volumen von 60 Milliarden US-Dollar der größte Waffendeal der amerikanischen Geschichte.
Der Erwerb von 84 neuen Kampfflugzeuge, die Runderneuerung von 70 weiteren, die sich bereits in saudischem Besitz befinden, sowie der Kauf von 190 Kampf-, Aufklärungs- und Transporthubschraubern bedeutet aber vor allem eines: Erst einmal seien »14.000 Jobs bei Boeing in Missouri abgesichert«, so US-Senator Christopher Bond. Im Januar 2011 wurden die letzten Details des Vertrags ausgehandelt.
Amerikanische Firmen müssen dafür ab 2011 mit einem deutlichen Rückgang von Staatsaufträgen rechnen, seit der damalige US-Verteidigungsminister Robert Gates im August 2010 verkündete, dass das Pentagon in den kommenden fünf Jahren 100 Milliarden Dollar einsparen werde. Im November dann setzte die »Defizit-Kommission« von Präsident Barack Obama noch drauf, und schlug vor, das Einkaufsbudget des US-Militärs um 15 Prozent zu kürzen und die Gehälter der GIs bis auf weiteres einzufrieren. Für das Jahr 2010 betrug das US-Verteidigungsbudget 534 Milliarden Dollar, hinzu kommen Kosten von mehr als 130 Milliarden Dollar für Einsätze weltweit. Der saudische Militäretat wächst dagegen stetig und liegt mittlerweile bei knapp 40 Milliarden Dollar – eine Verdoppelung innerhalb von 13 Jahren.
Mit derart gut gefüllten Kassen geht das Wüstenkönigreich weiter auf Shoppingtour im globalen Rüstungsmarkt. Die spanische El País und das US-Portal defensenews.com berichteten anlässlich eines Besuchs des saudischen stellvertretenden Verteidigungsministers Prinz Khalid bin Sultans in Spanien im November 2010, dass die Regierungen in Riad und Madrid über bis zu 220 Lizenzneubauten des deutschen Kampfpanzer-Musters »Leopard 2« miteinander verhandeln würden.
Wenn auch mit vergleichbar geringerem Volumen von 3 Milliarden Euro, wäre ein Vertragsabschluss wieder ein Superlativ gewesen, diesmal für Spaniens Rüstungsindustrie. Und nach dem Abschluss der Lieferungen an die spanische Armee vor knapp zweieinhalb Jahren eine willkommene Neubeschäftigung für die stillstehende Fertigungsstraße von Santa Bárbara Sistemas – seit 2001 eine Tochter des US-Konzerns General Dynamics. Die Lizenzgeber, Krauss-Maffei Wegmann für das Fahrzeug sowie Rheinmetall für die Panzerkanone, hätten allerdings ihr Einverständnis für die Produktion der spanischen Variante »Leopard 2E« geben müssen.
Nachdem Ende Juni dieses Jahres der Bundessicherheitsrat grünes Licht für einen eventuellen Deal gegeben haben soll, stehen diese beiden Unternehmen nun vor der Möglichkeit, ihr erfolgreiches Panzermodell selbst verkaufen zu können. Falls die Saudis das neueste Modell des »Leopard 2«, nämlich den »A7+«, direkt von Krauss-Maffei Wegmann erwerben werden, wird die spanische Santa Bárbara Sistemas vermutlich leer ausgehen.
Während dieser Panzerdeal mit Spanien oder mit Deutschland noch ungeklärt bleibt, regeln Saudi-Arabien und Großbritannien indes die Auslieferung der 72 Eurofighter »Typhoon« neu, die Riad vor fünf Jahren für 4,4 Milliarden Pfund gekauft hat. Die Auslieferung hatte im Juni 2010 begonnen, wurde aber im September unterbrochen, nachdem ein saudischer Pilot während eines Trainingsflugs bei der spanischen Luftwaffe abgestürzt und ums Leben gekommen war.
Der Erwerb weiterer Eurofighter – wie zum Beispiel noch letztes Jahr von der Bundesregierung erhofft, um von eigenen Vertragsverpflichtungen gegenüber der EADS abrücken zu können – ist indes angesichts des amerikanisch-saudischen Deals höchst unwahrscheinlich geworden. Die »Royal Saudi Air Force« wird in den kommenden Jahrzehnten also mit verschiedenen Varianten dreier Haupttypen von Kampfjets fliegen: dem Eurofighter Typhoon, der Boeing F15 und dem Panavia Tornado.
Mit immer mehr Systemen wird inzwischen besonders das saudische Heer logistisch zu einem Albtraum: Es unterhält gegenwärtig schon vier unterschiedliche Panzertypen, darunter amerikanische M1 »Abrams« und französische AMX30. Dennoch ist Riad bereit, seinen Freunden im Westen in Zeiten der Wirtschaftskrise mit solchen scheinbar wahllosen Einkäufen unter die Arme zu greifen. Deren Wert liegt im strategischen Bereich: Pflege der politischen Verbindungen zu den USA und Europa, Abschreckung gegen den zur Regionalmacht aufstrebenden Iran und Nachrüstung angesichts des Abzugs amerikanischer Truppen aus der Region, vor allem aus dem Irak.
Mit freundlicher Genehmigung von ADLAS. Magazin für Außen- und Sicherheitspolitik.
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