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17.11.2011

Küssende Geistliche sind nicht jedermanns Geschmack


Küssende Geistliche sind, wie war es anders zu erwarten, nicht jedermanns Geschmack. Eine große italienische Modefirma, die schon während der 1990er Jahre mit Schock-Werbekampagnen für Protest sorgte, hat nun mit einer neuen Serie von Werbeplakaten auf sich aufmerksam gemacht. Auf den Bildern sind Benjamin Netanjahu und Mahmud Abbas zu sehen, Barack Obama und der chinesische Staatschef Hu Jintao, oder auch Nicolas Sarkozy und Angela Merkel (letztere ursprünglich eigentlich mit Silvio Berlusconi). Küssend! Doch nicht diese montierten Motive haben für das meiste Aufsehen gesorgt, sondern ein weiteres, das Papst Benedikt XVI. und den Großscheich der ägyptischen Al-Azhar, Mohammed Ahmed al-Tayeb, zeigt, in einem innigen Kuss vereint.


Ein Sprecher der Firma teilte mit, die Kampagne sei gegen die Kultur des Hasses gerichtet, sie nennt sich auch »Unhate«. Das konnte man im Vatikan überhaupt nicht nachvollziehen, und nach scharfen Protesten von dort zog man letztgenanntes Plakat offiziell zurück.


Das Ziel der Werbung dürfte sich aber längst erfüllt haben.


Einen küssenden Imam hat vergangene Woche auch die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo auf ihren Titel gehievt, nachdem in der Woche davor die Redaktionsräume des Magazins bei einem Brandanschlag, der vermutlich von islamistischen Extremisten begangen wurde, zerstört wurden. Anstoss für diesen Anschlag gab der damalige Titel, auf dem die Karikatur des Propheten Muhammad erschien, mit dem Spruch: »100 Peitschenhiebe, wenn ihr Euch nicht totlacht!« Zusätzlich wurde die Zeitschrift für diese Ausgabe in »Charia Hebdo« umbenannt, in Reaktion auf den Wahlsieg der tunesischen islamistischen Ennahda-Partei, und als Chefredakteur fungierte für diese Ausgabe angeblich Muhammad höchstselbst.


Wenn nun die Attentäter gedacht hatten, sie würden der Zeitschrift Schaden zufügen, haben sie sich getäuscht. Innerhalb von nur zwei Stunden war die gesamte Auflage verkauft. Sie hätten das Heft besser mit Stillschweigen gestraft.


Der Titel der darauffolgenden Woche – ein männliches Redaktionsmitglied und ein Imam, die wild miteinander knutschen – ist so gesehen genauso eine »Unhate«-Werbung. Sie stand unter der Überschrift: »Die Liebe ist stärker als der Hass«.



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