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Irakischer Aktienmarkt 11.11.2011

Irakische Börse nimmt langsam Fahrt auf

Nils Metzger


Die irakische Börse ISX ist ein Außenposten der freien Wirtschaft. Nirgendwo sonst sind die Privatunternehmer unter sich, nur hier müssen sie nicht mit den omnipräsenten Staatsbetrieben konkurrieren. Und doch ist die jetzt anstehende Aufnahme dreier ausländischer Mobilfunkanbieter ein Vorhaben mit Hindernissen. Vier Milliarden US-Dollar beträgt die Marktkapitalisierung bislang, das tägliche Handelsvolumen gar nur 2,8 Millionen Dollar. Keiner der mächtigen Konzerne der Erdöl-Industrie ist hier vertreten, obwohl sie rund 90 Prozent der Staatseinkünfte generieren.


Um alle Voraussetzungen für die Erneuerung ihrer Betriebslizenz zu erfüllen, sind die Unternehmen Asiacell, Korek und Zain Irak jedoch gesetzlich dazu verpflichtet worden, sich an dem 2004 eröffneten Handelsplatz zu listen. Die Betreiber der Börse wie auch die Regierung erhoffen sich von dieser Zwangsmaßnahme, dass auch Unternehmen aus anderen Branchen folgen werden. ISX-Chef Taha Abdulsalam teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit, sollte alles reibungslos ablaufen, erwarte man mindestens eine Verdoppelung der Marktkapitalisierung.


Die größte Herausforderung sei es, die Aktien nach und nach in den Handel zu geben, so der irakische Telekommunikationsminister Muhamad Allawi. Da noch immer weniger als die Hälfte aller gelisteten Unternehmen an jedem einzelnen Börsentag gehandelt werden, bestünde so die Gefahr, dass die Handynetzbetreiber den Markt mit Anteilen überschwemmen. Die Preise würden so ins Bodenlose fallen. Unabhängig vom Erfolg des Börsengangs denke man bereits über die Ausschreibung einer vierten Lizenz im kommenden Jahr nach, so der Minister.


Intransparenz und Nachlässigkeit

Gegenwärtig gibt es im Irak rund 23 Millionen Handynutzer, die jährlichen Wachstumsraten liegen im zweistelligen Bereich. Nach der Ölindustrie generiert die Telekommunikationsbranche die größten Umsätze des Landes. Trotzdem beeilen sich die drei betroffenen Unternehmen nicht, die Auflagen der Regierung zu erfüllen. Sie wollen abwarten, bis der Aktienmarkt besser entwickelt ist. So ließen sie bereits eine erste Frist im August 2011 verstreichen und planen, das Projekt erst im kommenden Jahr weiter voran zu treiben. In den ersten zehn Monaten des Jahres wurden insgesamt Aktien im Wert von 118 Millionen Dollar verkauft, während der Leitindex im Laufe des Jahres um rund 30 Prozent anstieg.


Während die drei Netzbetreiber bereits mehrere internationale Großbanken beauftragt haben, die Vorbereitungen für den Börsengang zu treffen, gab der Internationale Währungsfonds beeindruckende Wachstumszahlen für die irakische Volkswirtschaft bekannt: 9,6 Prozent werde sie in diesem Jahr wachsen. Im Folgejahr geht die Organisation sogar von 12,6 Prozent aus. Damit stemmt sich der Irak gegen den regionalen Trend. Die Aktienmärkte in Saudi-Arabien und Ägypten gaben um sieben bzw. 38 Prozent nach.


Aktuell kommt ein Großteil der gehandelten Unternehmen aus dem Bankensektor. Dieser war in den vergangenen Monaten jedoch mehrfach durch die Marktaufsicht vom Handel suspendiert worden, da die irakische Regierung zu dieser Zeit Gesetzesnovellen für die Finanzbranche beschloss. Banken machen gegenwärtig 70 Prozent des Handelsvolumens aus.


Im Fokus der Kritik ausländischer Investoren stehen zudem nachlässige Geschäftspraktiken irakischer Unternehmen. So sei es den Aktiengesellschaften gestattet, die Veröffentlichung ihrer Quartalsberichte bis zu einem halben Jahr hinauszuzögern, und auch die Qualität der Berichte sei oft mangelhaft, so der Mitarbeiter eines lokalen Finanzinvestors gegenüber dem Wall Street Journal. »Es ist wahrscheinlich, dass wir in den nächsten 18 bis 24 Monaten deutlich mehr Bewegung sehen werden«, so ein Broker bei Rabee Securities, dem größten Aktienhändler des Landes.



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