Quicknews
Iraks Regierung hat dem französischen Ölkonzern Total ein Ultimatum gestellt, entweder separate Abkommen mit der kurdischen Autonomieverwaltung zu revidieren oder seine Anteile an einem Explorationsblock im Südirak zu verkaufen.
Das gab Iraks Vizepremier Hussein Shahristani gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bekannt, ohne allerdings zu spezifizieren, wann das Ultimatum abläuft und welche Strafmaßnahmen dem französischen Konzern drohen würden.
Ende Juli gab das Unternehmen aus Courbevoie den Ankauf von 35 Prozent an den Feldern Harir und Safen im kurdischen Nordirak bekannt, die vom amerikanischen Konzern Marathon Oil entwickelt werden. Im Südirak entwickelt Total in einem Konsortium mit der chinesischen CPNC und der malaysischen Petronas das Feld Halfaya. Insgesamt hält Total an dem Block, der im Zuge der ersten Auktionsrunde im Dezember 2009 vergeben worden war, 18,75 Prozent der Anteile. Auch Gazprom aus Russland und Chevron aus den USA hatten in den vergangenen Wochen Explorationsverträge mit der kurdischen Autonomieregierung geschlossen. Der amerikanische Konzern ExxonMobil hatte wegen separater Öldeals bereits im vergangenen Jahr heftige Kritik aus Bagdad auf sich gezogen.
Damit geht der Ölstreit zwischen Zentralregierung, der kurdischen Autonomieverwaltung und internationalen Ölkonzernen in eine neue Runde, nachdem sich zumindest in der Frage der Öllieferungen zuletzt eine Entspannung angedeutet hatte. Nach über vier Monaten nahm die Kurdische Autonomieverwaltung im Irak in der vergangenen Woche die Öllieferungen nach Bagdad wieder auf. Demnach fließen seit einer Woche wieder täglich 100.000 Fass pro Tag – vorerst, denn die Autonomieregierung beharrt noch immer auf den geforderten Zahlungen aus Bagdad.
Seit Anfang April hatten sich die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Bagdad und Erbil zusehends verschlechtert. Im Zentrum der Streitigkeiten standen dabei wieder einmal die noch immer nicht vollends geklärten Abkommen über Ölexport und -gewinnverteilung. Seit dem 1. April hatte die Kurdische Autonomieverwaltung den Ölexport Richtung Bagdad eingestellt – entgegen der Verpflichtung, für das Haushaltsjahr 2012 täglich 175.000 Fass am Tag bereitzustellen.
Erbil hatte den Schritt mit ausbleibenden Zahlungen aus Bagdad begründet. Insgesamt fordert die Autonomieregierung 1,5 Milliarden US-Dollar, die die Zentralregierung den in Kurdistan operierenden Firmen schulde. Bagdad wiederum wirft den Firmen und der Autonomieverwaltung vor, illegale Verträge zu unterzeichnen und zudem Öl undeklariert in den Iran zu schmuggeln. Der langjährige Ölminister Hussein Shahristani kritisierte zudem, dass die Region Kurdistan durch den verfassungsmäßig festgelegten Verteilungsschlüssel bereits jetzt weit mehr Einnahmen erhalte, als ihm durch die tatsächliche Ölproduktion zustünden.
Shahristani räumte zudem erstmals Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der staatlich lizensierten Ölauktionen ein und kündigte günstigere Konditionen für interessierte Bieter an. Die insgesamt 4. Auktionsrunde für Iraks Öl- und Gasvorräte hatte Ende Mai mit nur drei Abschlüssen enttäuschend geendet.
zenithDebatte
Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Religion verfechten ihren Standpunkt zu einem aktuellen Thema.
Kalender
zenith im Abo
Abonnieren Sie jetzt 6 Ausgaben zenith für 45 EUR im Jahr (36 EUR für Studenten)
zenith Edition
Reaching for the Sun?
The Search for Sustainable Energy Policies in North Africa and the Middle East