Quicknews
Nach über vier Monaten nimmt die Kurdische Autonomieverwaltung im Irak die Öllieferungen nach Bagdad wieder auf, wie ein Regierungsvertreter gegenüber Reuters bekannt gab. Demnach fließen seit Dienstag wieder täglich 100.000 Fass pro Tag – vorerst, denn die Autonomieregierung beharrt noch immer auf den geforderten Zahlungen aus Bagdad.
Seit Anfang April hatten sich die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Bagdad und Erbil zusehends verschlechtert. Im Zentrum der Streitigkeiten standen dabei wieder einmal die noch immer nicht vollends geklärten Abkommen über Ölexport und -gewinnverteilung. Seit dem 1. April hatte die Kurdische Autonomieverwaltung den Ölexport Richtung Bagdad eingestellt – entgegen der Verpflichtung, für das Haushaltsjahr 2012 täglich 175.000 Fass am Tag bereitzustellen.
Erbil hatte den Schritt mit ausbleibenden Zahlungen aus Bagdad begründet. Insgesamt fordert die Autonomieregierung 1,5 Milliarden US-Dollar, die die Zentralregierung den in Kurdistan operierenden Firmen schulde. Bagdad wiederum wirft den Firmen und der Autonomieverwaltung vor, illegale Verträge zu unterzeichnen und zudem Öl undeklariert in den Iran zu schmuggeln. Der langjährige Ölminister Hussein Shahristani kritisierte zudem, dass die Region Kurdistan durch den verfassungsmäßig festgelegten Verteilungsschlüssel bereits jetzt weit mehr Einnahmen erhalte, als ihm durch die tatsächliche Ölproduktion zustünden. Die insgesamt 4. Auktionsrunde für Iraks Öl- und Gasvorräte war Ende Mai mit nur drei Abschlüssen zu Ende gegangen.
Unterdessen sind die Öllieferungen in die Türkei seit dem Anschlag auf eine Pipeline vorerst komplett zum Stillstand gekommen, im türkischen Hafen Ceyhan warten die Tanker seit Sonntagabend verglich auf Ladung. Türkischen Angaben zufolge soll die Pipeline in 10 Tagen wieder funktionsfähig sein, ab Mittwoch soll eine zweite, nicht betroffene Ausweichleitung in Betrieb genommen werden.
Bereits im Mai hatte die kurdische Autonomieregierung eigene Ausweichrouten angekündigt. Nach den Plänen soll in einer ersten Phase ab Oktober Öl vom Ölfeld Taq Taq transportiert werden, bis August 2013 soll die Verbindung zur Kirkuk-Ceyhan-Pipeline mit einer Kapazität von 1 Million Fass pro Tag realisiert werden. Ein separates Vorhaben sehe zudem eine direkte Verbindung zu den Raffinerien im türkischen Hafen Ceyhan bis 2014 vor.
zenithDebatte
Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Religion verfechten ihren Standpunkt zu einem aktuellen Thema.
Kalender
zenith Edition
Reaching for the Sun?
The Search for Sustainable Energy Policies in North Africa and the Middle East