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Zeidan Ali Zeidan
Pünktlich zum 60-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit Libyens im Dezember 2011 wurde Abdurrahim El-Keib vom libyschen Übergangsrat am 30.10. 2011 in Tripolis zum neuen Ministerpräsidenten der Übergangsregierung gewählt.
Mit 25 Jahren verließ El-Keib 1976 Libyen – und fand in der akademischen Welt seine neue Heimat. Der Ingenieur für Elektrotechnik wurde 1996 als Professor an die University of Alabama berufen, an der er seit 1985 als Juniorprofessor forschte und lehrte. Danach zog es El-Keib an den Golf. Erst dozierte er an der American University of Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, später hielt er dort auch den Vorsitz des Elektrotechniklehrstuhls des »Petroleum Institute« in Sas Al Nakhl im Emirat Abu Dhabi inne.
Der Elektroingenieur, der nach wissenschaftlichen Stationen an Universitäten in Libyen und den Vereinigten Staaten zuletzt als Professor in Katar und Abu Dhabi lehrte, trat erst im Laufe der letzten Monate im Übergangsrat politisch als einer der Vertreter der Hauptstadt Tripolis in Erscheinung.
Er folgt auf Mahmoud Jibril, der seinen Rücktritt mit der offiziellen Befreiung Libyens und der Gefangennahme Gaddafis zusicherte und am 24. Oktober, drei Tage nach dem Tode des flüchtigen Ex-Diktators in Sirte, seinen Hut nahm. Kommissarisch übernahm dann Ali Tarhouni, Ölminister in der Übergangsregierung, für eine Woche den Posten des Premiers. Anders als Jibril, der unter dem Regime von Gaddafi Vorsitzender des »National Economic Development Board« war, ist El-Keib unbefleckt, was seine Zusammenarbeit mit dem Regime angeht. Als er Mitte der 1970er Jahre Libyen für Forschungszwecke in Richtung USA verließ, schloss er sich der Opposition an, wo er auch Mitglied in der »National Front for the Salvation of Libya« (NFSL) wurde.
Im Gegensatz zu Jibril hat El-Keib die meiste Zeit seit dem Beginn der Revolution in Libyen verbracht, was ihm unter Vertretern des Übergangsrates und den Libyern eine gewisse Glaubwürdigkeit verleiht, zu wissen, was in Libyen passiert ist und welchen Themen in den nächsten Monaten Priorität verliehen werden muss. Dennoch verlief die Abstimmung über die Nachfolge Jibrils denkbar knapp – El-Keib konnte 26 von 51 Stimmen auf sich vereinen.
Im Exil hat sich El-Keib – besonders nach dem 11. September 2001 – im interreligiösen Dialog engagiert und gilt als moderater Muslim – was ihm wiederum in der wertkonservativen libyschen Gesellschaft die nötige Portion Vertrauensvorschuss garantiert.
All das macht El-Keib zum fast idealen Kandidaten für den Posten des Ministerpräsidenten im neuen Libyen – trotz der fehlenden politischen Erfahrung. Seine erste Aufgabe wird darin bestehen, bis Ende November ein Kabinett zu benennen, bis Juli 2012 soll dann die konstituierende Versammlung stehen, die dem Land eine neue Verfassung geben soll. Wird dieser Zeitplan eingehalten, wird Libyen um den Juli 2013 zum ersten Mal seit September 1969 wieder frei wählen können – und El-Keib sein Soll erfüllt haben.
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