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Der Sound der Revolution 09.09.2011

In Aufbruchsstimmung

Veit Raßhofer


Network macht regelmäßig mit großartigen Aufnahmen auf sich aufmerksam. Von Zeit zu Zeit kommen die auch aus der Region, über die zenith berichtet. Jetzt hat Network ein Album vorgelegt, das von beträchtlichem verlegerischem Ehrgeiz zeugt. Es heißt »From the Kasbah/Tunis to Tahrir Square/Cairo and back« und ist zusätzlich betitelt mit »Unsere Träume sind unsere Waffen«. Das leuchtet ein, denn Musik hat die Revolten des arabischen Frühlings von Anfang an begleitet. Eine gewisse Berühmtheit sogar in Europa wurde dem tunesischen Rapper El Général mit seinem Hit »Rais lebled« (»Staatspräsident«) zuteil. Er fand damit zu Recht seinen Platz auf dieser CD, deren musikalische Bandbreite bemerkenswert ist. Vier Jazzsongs umrahmen ein Potpourri unterschiedlicher Stile, ein Potpourri, das in sich stimmig wirkt. Hier haben die Verleger sauber gearbeitet.


Das Stück »Tunisia Hurra« (»Freies Tunesien«) von Zohra Lajnef eröffnet das Album. Ein klassischer Arabpopsong, der hörbar von Optimismus getragen ist und wirklich frisch klingt. Dann geht es zu einem intelligenten Chanson mit kinderliedhaftem Charme, »Itkallem ya Tounis« von Skander Guetari und Khaled Waghleni, dem der erwähnte Rap »Rais lebled« folgt. Das vierte Stück der CD bringt einen großartigen Stilbruch mit der mit Orchester und Heldenchor intonierten Revolutionshymne, »Nasheed Ath'Thawra«, von Rabii Zammouri zu einem Text von Ali Louati. Sie stellt ein Hochlied auf die tunesische Jasmin-Revolution im Gewand der Vergangenheit dar, der Zeit des nationalen Überschwangs nach der Entkolonisierung. Ein kleiner Geniestreich von Zammouri.


Interessant geht es weiter: ein mythisches, esoterisch anmutendes Lied von Alia Sellami, intoniert allein mit Gesang und geblasenen Flaschen, leitet über zu einem beschwingten Folk-Jazz-Song der Brüder Amine und Hamza M'raihi, zwei großartigen tunesischen Jazzern mit Oud und Kanun, der traditionellen arabischen Pendants von Laute und Zither. Und dann: ein Song von Hany Adel, dem Co-Gründer der ägyptischen Kultband »Wust el-Balad«. Italopop vom Feinsten, nur dass diese Musik aus Ägypten  kommt und ihre Sprache natürlich Arabisch ist. Das Stück war einer der Smash-Hits der agyptischen Frühlingsrevolution, genauso wie das danach folgende Stück »Ezzay« von Altmeister Mohamed Mounir. Das wiederum ist überraschend hart und erinnert an den Crossover- und Alternative-Rock der 1980er und 1990er Jahre. Es hört sich dabei aber keineswegs wie von gestern an, sondern ist ganz auf der Höhe der Zeit. Das ist trotz der Dekaden währenden Karriere Mounirs, die ja schon immer mit dem Ruch des Revolutionärem, des Kritischen und Innovativen behaftet war, zwar nicht selbstverständlich, aber zu erwarten.


Auch zu den restlichen sechs Stücken des Albums ließe sich noch Treffliches schreiben. Alle vierzehn Stücke zusammen geben einen vergnüglichen Einblick in die kreative Realität populärer arabischer Musik. Deren ganze Vielfalt im Angesicht des revolutionären Aufbruchs kann aber eine einzige Platte nicht umfassend darstellen. Sie ist trotzdem sehr hörenswert und ihren Preis von nur 10 Euro allemal wert. 

From the Kasbah/Tunis to Tahrir Square/Cairo and back


Diverse

Network Medien, 2011

www.networkmedien.de



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