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IT-Branche in der Türkei 07.03.2011

High-Tech als Hoffnungsträger

Marcus Knupp/gtai


Die erste von zunächst drei solcher Technologie-Zonen soll noch 2011 in der östlich des Marmarameeres liegenden Industrieregion Kocaeli gegründet werden. Auf 1.600 Hektar wird das Gebiet in Muallimköy etablierten Unternehmen und Start-Ups Freiraum bieten, wie Industrieminister Nihat Ergün im Januar 2011 mitteilte.


Weitere IT-Valleys könnten in Ankara und Izmir entstehen, so der Minister weiter. Der Vorsitzende der Handelskammer Izmir hob die große Bedeutung hervor, die technologisches Wissen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Türkei habe. In der mediterranen Region Izmir könnten unter anderem die Technologieentwicklung für Agrar- und Nahrungsmittelindustrie stehen.

 

Es sind allerdings nicht nur von öffentlicher Seite geplante Gewerbe- und Technologiezonen, die der IT-Branche in der Türkei Anschub verleihen. Die dynamische wirtschaftliche Entwicklung, der große Binnenmarkt und die wachsende Rolle der Türkei als Produktionsstandort auch technologisch anspruchsvollerer Waren haben in- und ausländische Akteure auf den Plan gerufen. Dazu gehören frühe Startups wie die Firma Casper, 1991 von drei Hochschulabsolventen gegründet, die heute rund 1 Million Computer im Jahr herstellt und erfolgreich unter dem eigenen Namen verkauft.


Dazu gehören die in der Türkei einflussreichen Holdings, wie die Yildiz Holding, die 1994 die Firma Exper lanciert hat, oder die Koc-Gruppe, die mit ihren Elektrogeräte-Marken Arcelik und Beko längst auch in den Bereich Unterhaltungselektronik und IT vorgestoßen ist. Diese werden nach der Übernahme des deutschen Traditionsunternehmens unter der Marke Grundig vertrieben.


3,6 Millionen verkaufte Computer 2010

Internationale Konzerne nutzen die Türkei vermehrt als regionales Zentrum, von dem nicht nur der einheimische Markt bedient wird, sondern auch die umliegenden Länder des nahen Ostens, Zentralasiens und Osteuropas. Dazu gehört neben Logistik zum Teil Fertigung oder Montage von elektronischen Geräten.


Allein in den letzten Jahren haben Unternehmen wie HP, Foxconn, Huawei, Microsoft, Toshiba, Siemens, Wipro und Ericsson die Türkei als Drehscheibe für die Betreuung der Märkte der weiteren Region ausgebaut. Im Dezember 2010 kündigte der US-amerikanische Investment-Fonds Invus an, in die türkische Firma AirTies zu investieren, die nach Erfolgen mit eigenen Wireless-Geräten nun verstärkt in den Bereich webbasiertes Fernsehen einsteigen will.

 

Die Entscheidung von HP, in Corlu bei Istanbul Computer für den türkischen Markt wie für den Export zu bauen, wurde als wichtiges Signal für den Standort gewertet. Im vierten Quartal 2011 will die ausführende Firma Foxconn eine Produktionskapazität von 2,4 Millionen Desktop-Computern erreichen.


Zu einem späteren Zeitpunkt könnten auch Laptops in das Fertigungsprogramm aufgenommen werden. Im Jahr 2010 wurden in der Türkei selbst rund 3,6 Millionen Computer verkauft, 2011 wird ein Absatz von 4,2 Millionen Stück prognostiziert, wobei die Anzahl der tragbaren Geräte erstmals jene der PCs übertrifft.

 

Im Bereich Software profitiert die Türkei von einer wachsenden Qualifikationsbasis. Jedes Jahr verlassen mittlerweile etwa 3.000 Informatiker die Universitäten des Landes. Hinzu kommen noch einmal 15.000 Absolventen verwandter Studiengänge.


Sie stoßen auf einen zunehmenden Bedarf aus der Wirtschaft. Nicht nur die wachsende IT-Branche sucht Programmierer, Systembetreuer und Support-Spezialisten, die stärkere Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik in Unternehmen schafft viele Einsatzmöglichkeiten auch in Anwenderbereichen wie dem Customer Relations Management (CRM).


Software für Onlineshops und Krankenhäuser

Der Internethandel bedingt entsprechende Sicherheitssoftware. Als erstes türkisches Unternehmen, das Zertifikationen für elektronische Unterschriften über den Computer oder das Mobiltelefon vornimmt, hat die Firma E-Güven sich im Januar 2011 der Presse präsentiert.


Der Service macht es möglich, Bankunterlagen, Verträge, Anträge und andere Dokumente online zu unterschreiben. Ein weiteres Anwendungsgebiet erhofft sich die Firma von der Zulassung für den Börsenhandel. Mobilfunk-Marktführer Turkcell erarbeitet Lösungen für die Übertragung von digitalen Unterschriften und anderer sicherheitsempfindlicher Daten mit dem Softwareunternehmen Logo.

 

Das 1996 gegründete Software-Unternehmen Prestij Yazilim war das erste der Türkei, das sich Open Source-Programmen gewidmet hat. In der jüngsten Zeit hat sich die Firma aus Bursa unter anderem auf Anwendungen für den Gesundheitssektor konzentriert und geht 2011 mit einem neuen Programmpaket an den Markt.


Mit dem Altiva genannten Produkten sollen rund 100 Krankenhäuser erreicht werden. Prestij hofft auf eine 50 prozentige Umsatzerhöhung. Das Angebot der Mehrsprachigkeit soll daneben Märkte in der Region wie Kasachstan, Kosovo, Bosnien-Herzegowina oder Mazedonien erschließen.

 

Immer mehr Daten fließen durch Leitungen und Mobilfunknetze. Das schafft enormen Investitionsbedarf für den Ausbau der entsprechenden Infrastrukturen. Eine andere Möglichkeit zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit ist die Optimierung der Übertragung.


Auf dieses Feld hat sich die 2005 in Gebze östlich von Istanbul gegründete Firma P.I.Works spezialisiert, die einschließlich der drei in der Türkei aktiven Mobilfunkanbieter 18 Telefongesellschaften weltweit zu ihren Kunden zählt, die auf der Suche nach zusätzlichen Kapazitäten an ihren Basisstationen sind. Eine spezielle Software analysiert den Datenverkehr, spürt Spielräume auf und zeigt Möglichkeiten zur Optimierung.


Als Besonderheit gegenüber anderen Softwareanbietern auf diesem Feld hebt Geschäftsführer Basar Akpinar hervor, dass P.I.Works 45 Ingenieure beschäftigt, die an der Umsetzung der Verbesserungen arbeiten. Im Jahr 2010 konnte das Unternehmen seinen Umsatz von 2,5 Millionen US-Dollar auf 10 Millionen US-Dollar vervierfachen. Durch den weltweit rapide steigenden Datenverkehr hofft die Firma auf erhebliche zusätzliche Nachfrage und ein Klettern der Umsätze auf 100 Millionen US-Dollar in den nächsten drei Jahren.



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