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Lernsoftware »Adaptive Curriculum« 01.04.2011

Herr Lämpel geht ins Netz

Nils Metzger


Piri Reis ist der ganze Stolz der türkischen Seefahrt. Der Neffe des Lepanto-Befehlshabers Kemal Reis kopierte und sammelte zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine unglaubliche Menge an Seekarten – seine Küstenlinien Amerikas zählen zu den ältesten heute noch erhaltenen Dokumenten über die Entdeckung der Neuen Welt.


Dass heute Schüler in den USA mehr über das Leben des osmanischen Admirals, der als Wissenschaftler berühmt wurde, erfahren, wäre ein amüsanter Nebeneffekt einer modernen Expeditionsreise, auf die sich das aus Ankara stammende Unternehmen Sebit begeben hat. In der türkischen Heimat ist die Tochter des Milliardenkonzerns Türk Telekom der erfolgreichste Anbieter von Lernsoftware: Etwa 33.000 Schulen und 600.000 Schüler greifen auf ihre Programme zurück.


»Wir setzen auf eine enge Kooperation mit dem Bildungsministerium und orientieren uns an den geltenden Lehrplänen«, begründet Regional Manager Kürsat Günenc den Erfolg des Unternehmens. »Groß sind wir mit Mathematik und den Naturwissenschaften geworden – seit zwei Jahren bestehen aber auch Kooperationsverträge mit dem französischen Hersteller von Sprachsoftware Auralog.«


Expandieren kann Sebit besonders in Amerika: »Die USA sind der wichtigste Wachstumsmarkt für uns. Die große Zahl an Konkurrenten macht den Einstieg schwierig, von Anfang an haben wir jedoch mit Experten der Arizona State University zusammengearbeitet«, so Günenc. Nun profitiere man insbesondere von der voranschreitenden Einführung sogenannter Digitale Whiteboards, großformatiger, elektronischer Schultafeln mit Internetanschluss.


So könne man die eigenen Produkte flächendeckend in ganzen Schulklassen einführen. Der amerikanische Branchenverband »iNACOL« gibt an, dass die türkische Entwicklung bereits an Schulen in 19 Bundesstaaten Anwendung findet. Der verglichen mit Europa weit verbreitete Hausunterricht kurbele zudem den Verkauf von Einzellizenzen an.


Hilfe für Lehrer, Tests für Schüler

Während die Arbeitsmaterialien in der Türkei als »Vitamin«-Programmfamilie vermarktet werden und Versionen für Grund-, sowie weiterführende Schulen angeboten werden, beschränkt sich das Angebot in den USA derzeit noch auf naturwissenschaftliche Fächer an Middle und High Schools.


Die durch Flash-Animationen visualisierten Lerneinheiten von »Adaptive Curriculum« laufen vollständig über den Internetbrowser, können also auch von zuhause abgerufen werden. Neben erklärenden Texten führen detaillierte Statistiken Buch über den Fortschritt der Schüler. Nach Abschluss eines Kapitels überprüft ein Test die dargestellten Lerninhalte von Fotosynthese bis Integralrechnung.


Besonderen Anreiz, die Software einzuführen, stellen die umfangreichen Hilfestellungen für Lehrkräfte dar: »Wir haben die Ziele jeder Unterrichtseinheit genau beschrieben – inklusive deren Dauer und weiterführender Gestaltungsideen für die Unterrichtsstunde«, beschreibt Kürsat Günenc. Die Gefahr, dass Lehrer zum Sklaven der Technik werden, sieht er dadurch nicht gegeben. Da die korrekte Anwendung geschulten Personals bedarf, bieten die Angestellten des im November 2010 eröffneten US-Hauptquartiers in Scottsdale, Arizona, regelmäßig Seminare an.


Für Deutschland habe man indes noch keine konkreten Pläne. 2012 soll ein europäisches Pilotprojekt starten, an dem auch der Stuttgarter Klett Verlag beteiligt ist. An 25 Schulen in 11 Staaten möchte Sebit das System »iClass« testen.



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