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Nils Metzger
Die Airbus-Aktionäre waren nicht überrascht von der Entscheidung. Man wusste von den Verhandlungen, in denen sich der europäische EADS-Konzern und Dubai Aerospace Enterprise befanden. Und man wusste, dass es dort um Schadensbegrenzung ging. Entsprechend ruhig verhielt sich der Aktienkurs, als Airbus am 7. Juli seine angepassten Auftragsbücher veröffentlichte. Die 45 letzten verbleibenden von Dubai Aerospace Enterprise (DAE) bestellten Flugzeuge vom Typ A320 und A350 kamen darin nicht mehr vor.
In Dubai sieht die Situation jedoch alles andere als entspannt aus. Vergangene Woche gab DAE-Capital Chef Robert Genise sein Amt auf – er wolle sich »neuen Herausforderungen stellen«. In einem Pressetext kündigte CEO Khalifa H. Al Daboos an, die Investment-Tochter jetzt an der kurzen Leine führen zu wollen. Dennoch bleibt es schwer zu glauben, dass Genise, der sein Amt 2008 antrat, das Missmanagement allein zu verantworten hat.
Von dem im Jahr 2007 gegründeten Staatsunternehmen DAE ist inzwischen nur noch ein Rumpfbetrieb vorhanden. Mit 35 Milliarden US-Dollar wollte das Emirat eine der weltgrößten Flugzeug-Leasing-Gesellschaften aus dem Boden stampfen. Rund 200 Maschinen der Hersteller Airbus und Boeing bestellte DAE allein 2008. Sie sollten in den folgenden Jahren an Airlines in der ganzen Welt vermietet werden.
Diverse Untergesellschaften des staatlichen Investitionsfonds Dubai Holding sowie die Immobilienfirma EMAAR Properties und der Betreiber der Freihandelszone DIFC beteiligten sich an den Projekt. Nicht wenige Beobachter vermuten, dass DAE so lange ungestört Geld verplanen konnte, da das Vorhaben auf vielen Schultern verteilt war – niemand würde einen Betrag verlieren, der seine Existenz gefährden könnte.
Insbesondere die Dubai Holding wurde von der Golf-Finanzkrise 2009 hart getroffen. Viele Projekte mussten ganz eingestellt werden. Die Realitätsverweigerung bei DAE dauerte trotzdem noch bis August 2010 an, dann erfolgten die ersten Stornierungen. Zunächst 50 Flugzeuge im Wert von 8 Milliarden US-Dollar, im Februar 2011 nochmals 70 Flugzeuge beider Hersteller. Ausgeliefert waren zu diesem Zeitpunkt erst vier Maschinen.
Diese Woche musste Airbus Federn lassen, kommende Woche ist vermutlich der Boeing-Konzern an der Reihe. Es stellt sich lediglich die Frage, ob auch hier alle der noch verbleibenden 56 Bestellungen, darunter auch mehrere Frachtmaschinen, gestrichen werden.
Dass das Unternehmen nach einer Restrukturierung erfolgreich sein kann, belegen aktuelle Zahlen. Gegenwärtig sind 46 Maschinen für DAE im Dienst und Kunden in 14 Staaten konnten gewonnen werden. Im Jahr 2010 erwirtschaftete man so 10,3 Millionen US-Dollar. Keine Weltklasse, aber immerhin erfolgreich.
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