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Dominik Peters und Nils Metzger
»Plötzlich hielt der Fisch an und rief dem Hai zu: ›Warum willst Du mich auffressen? Wir könnten doch auch zusammen spielen!‹ Da dachte der Hai nach, dachte und dachte und sagte schließlich: ›In Ordnung, gut, lass uns Verstecken spielen«, schrieb Gilad Schalit in einer eigenen Fabel, der er den Namen »Als der Hai und der Fisch sich zum ersten Mal trafen« gab.
Damals besuchte er die fünfte Klasse der Ma’alei ha-Galil Schule, in Mitzpe Hila, einem 500 Einwohner zählenden Dorf in Galiläa. Schalit war elf Jahre alt. Acht Jahre später wurde er entführt, vor genau 1935 Tagen, im Juni 2006. Es war ein Dienstag.
Der damals 19-jährige Wehrdienstleistende war am Rande des Gazastreifens von einem palästinensischen Kommando verschleppt worden. In den vergangenen fünf Jahren wurde er dort gefangen gehalten, nur ein einziges Mal durfte er sich in einer Videobotschaft an seine Familie, Israel und den Rest der Welt wenden. Das war vor drei Jahren.
Nun soll er frei kommen – binnen einer Woche, im Gegenzug für 1027 palästinensische Gefangene, das hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am späten Dienstagabend erklärt. Ausgerechnet er, der wie sein Vorgänger im Amt, Ehud Olmert, stets davor gewarnt hatte, eine zu hohe Kompromissbereitschaft würde den jüdischen Staat künftig erpressbar machen. Dass Netanjahu dem Deal nun zugestimmt hat, wird ihm einen ungeahnten Höhenflug in den Umfragen bescheren.
Denn dass es zu einer Annäherung zwischen der israelischen Regierung und der palästinensischen Hamas gekommen ist, gleicht einem Wunder. Es ist eine Sensation – die auch an die Fabel Gilad Schalits erinnert, in der die Eltern des Hais und des Fischs gegen die Freundschaft der beiden waren. Möglich wurde dieser Deal durch einen langsamen Wandel innerhalb der Hamas. Seit sie in Gaza Regierungsverantwortung übernommen hat, muss sie das eigene Agieren einem Millionenpublikum verkaufen – und nichts wirkt da besser als ein sehnlich erwarteter Gefangenenaustausch. Entsprechend euphorisch waren die Feiern vieler Hamas-Anhänger bereits in dieser Nacht. Gleichzeitig verbleibt Marwan Barghuthi, einer der populärsten Fatah-Politiker, – entgegen erster Meldungen – weiterhin in israelischer Haft. So weit geht die innerpalästinensische Bruderliebe doch nicht.
In der Fabel erklärte die Haimutter: »Ein Fisch ist ein Tier, das wir essen. Spiel nicht mit ihm«, während die Fischmutter sagte, ein Hai »hat deinen Vater und deinen Bruder getötet. Spiel nicht mit diesem Tier«. Aber weder der Hai, noch der Fisch hörten auf ihre Eltern – bis die schließlich der Freundschaft zustimmten und seither in Frieden miteinander leben.
Frieden wird der Austausch natürlich nicht bringen. Die Folgen, die dieser Einigung innewohnen, könnten dennoch bahnbrechend sein und für eine neue Dynamik im israelisch-palästinensischen Ringen bringen, bis hin zur Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen. Die Hamas zumindest scheint erstmals pragmatischer Verhandlungspartner einer israelischen Regierung geworden und auch als solcher akzeptiert worden zu sein. Und für Gilad Schalit? Ein neues Leben, mit 25 Jahren.
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