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Nils Metzger
Es sind Zahlen, die ein Klischee der Vereinigten Arabischen Emirate bestätigen: Um rund 20 Prozent sollen die Verkaufszahlen von Luxusfahrzeugen im Vergleich zum Vorfahr steigen – während der Rest der VAE-Autobranche einen Zuwachs von lediglich 9,7 Prozent erwarten darf, wie der Marktanalyst IHS Automotive in einer Studie darlegt.
Dass unter reichen Emiratis der Besitz eines teuren, exklusiven und schnellen PKWs zum guten Ton gehört, konnte man während der vergangenen Wochen nicht nur auf der Straße, sondern auch in den langen Warteschlangen vor den Tankstellen beobachten. Tagelang hatten weite Teile der VAE mit einem Treibstoffmangel zu kämpfen und Limousinen wie Cabrios mussten zusammen mit klapprigen Toyotas Meter um Meter zur Zapfsäule rollen.
Während den Auto-Enthusiasten solche Widrigkeiten nicht abhalten, fehlte es vielen Bürgern während der Finanzkrise 2009 schlicht finanziellen Rücklagen und Gewissheit, den eigenen Arbeitsplatz nicht zu verlieren, um hunderttausende Dollar in einen einzelnen Wagen zu investieren. Die aktuelle Entwicklung ist also auch ein Zeichen der Zuversicht: Autos der Marken BMW, Porsche oder Rolls-Royce, die in der Region gewöhnlich zwischen 100.000 und 300.000 US-Dollar kosten, besitzen einen enormen gesellschaftlichen Stellenwert.
Nahezu jede größere Marke kann sich über gut besuchte Clubs und digitale Tuningforen freuen, deren Mitglieder regelmäßig Fantreffen organisieren. Es ist der »American Dream« der Fünfziger Jahre – Autofahren macht glücklich. Schätzungen zufolge besitzen rund 50.000 Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Luxusauto – deren Marktwert auf bis zu 26 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.
»Dank der VAE sind wir in der Lage, die Verluste, die wir in anderen Teilen der Region einfahren, auszugleichen«, berichtet Umberto Maria Cini, Regional Manager bei Maserati, gegenüber dem Wirtschaftsportal arabianbusiness.com. Von den Unruhen in zahlreichen arabischen Staaten sind auch europäische Autohersteller betroffen. Umso mehr freut es die Händler, dass sie aktuell mit dem Liefern nicht mehr hinterher kommen. Bei einzelnen Porsche-Modellen müssen die Kunden zwischen drei und sieben Monaten Wartezeit einrechnen.
Mit befeuert wurde die gegenwärtige Entwicklung durch anhaltend niedrige Zinsen und Finanzierungsangebote der diversen Marken. Von Seiten der Regierung in Abu Dhabi wurden mehrfach Bedenken geäußert, dieses einfache Geld könne Menschen finanziell ruinieren. Um Überschuldung effektiver bekämpfen zu können, haben die VAE das Regelkorsett für Finanzierungsverträge bei Automobilen verengt. Erst ab einem monatlichen Einkommen von rund 1.400 US-Dollar ist die Kreditaufnahme zum Autokauf gestattet. Besonders Erstkäufer, die aktuell 61 Prozent der Geschäftsabschlüsse ausmachen, sollen so geschützt werden.
Ab einem gewissen Wohlstand zählt der Preis eines Autos jedoch nicht mehr. IHS-Experte Pierluigi Bellini betont, dass die Golfregion einen größeren Fokus auf Modifikation und Tuning legt als jede andere Region der Welt. »Es geht darum, ein individuelles Produkt zu schaffen. Gleichzeitig steigt so die Gewinnmarge für Hersteller.« So ließ Bugatti beispielsweise ein 2,4 Millionen US-Dollar teures Einzelstück namens »L'Or Blanc« für einen unbekannten Geschäftsmann aus den VAE anfertigen. Ihm lag am Herzen, dass Tankdeckel und Radkappen mit Porzellan ausgestaltet werden. Lieferant ist die Berliner Traditionsfabrik Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM).
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